Biografie von Friedrich Ernst Lewek
Nikolaikirchhof 3
Friedrich Ernst Lewek
Friedrich Ernst Lewek wurde am 18.12.1893 in Leipzig geboren. Er besuchte die Thomasschule in Leipzig und nach dem Umzug der Eltern nach Dresden die Kreuzschule. Im Jahr 1913 begann er das Studium der evangelischen Theologie in Heidelberg. Der I. Weltkrieg unterbrach seine Ausbildung und Ernst Lewek wurde Soldat. Auf Grund einer schweren Verletzung, die sein linkes Schultergelenk ein Leben lang versteifte, nahm er 1916 sein Studium in Leipzig wieder auf. Nach dem Abschluss des Theologiestudiums 1918 bekam er eine erste Stelle als Hilfsgeistlicher in Radeberg bei Dresden. Am 21.02.1918 heiratete er die Pfarrerstochter Dora Elisabeth Richter. Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor, wobei ein Sohn bereits im Kindesalter starb. Nach einer Pfarrstelle in Plauen kam Ernst Lewek 1926 als 3. Pfarrer an die Nikolaikirche in Leipzig.
Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 spielten plötzlich seine jüdischen Wurzeln väterlicherseits eine schicksalhafte Rolle. Ernst Lewek war einer der ersten Pfarrer, den die sächsischen Landeskirche im Juni 1933 für 2 Wochen zwangsbeurlaubte. Er engagierte sich nach dessen Gründung im September 1933 im Pfarrernotbund. Dieser wirkte gegen die von den Nationalsozialisten gegründete "Reichskirche", die Christen jüdischer Herkunft aus dem Gemeindeleben ausschließen wollte.
Im Anschluss an einen Gottesdienst im April 1935 wurde Ernst Lewek für über einen Monat im Konzentrationslager Sachsenburg inhaftiert. Er hatte sich dem Verbot widersetzt und eine Kanzelbotschaft zum Neuheidentum verlesen. Seine Landeskirche suspendierte ihn daraufhin zeitweise bzw. verfügte eine vorläufige Entlassung. Von den Auswirkungen der rassistischen Nürnberger Gesetze vom Herbst 1935 war auch Ernst Lewek auf Grund seines jüdischen Vaters als sogenannter "Mischling" betroffen. Im März 1936 wurde Pfarrer Lewek wieder in seinen Dienst eingesetzt. Trotz seines Widerstandes wurde er dann am 01.10.1939 in den Wartestand versetzt. Es folgte eine weitere Haftstrafe und die Zuweisung einer Pfarrstelle im Innendienst ohne irgendwelche Aufgabenstellungen.
Am 08.11.1944 wurde Ernst Lewek in das Arbeitslager Osterode im Harz deportiert. Er war damit einer von vielen als "halbjüdisch" stigmatisierten Menschen, die dort am Ende des Krieges Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie leisten mussten.
Ernst Lewek wurde von amerikanischen Truppen befreit und überlebte die Lagerhaft. Acht Jahre nach seiner letzten normalen Pfarrtätigkeit wurde er 1946 wieder als Pfarrer in der Johannisgemeinde eingesetzt. Körperlich erholte er sich von der Lagerhaft nicht wieder. Er starb am 08.11.1953 an einem Herzleiden.
Recherchen: Susanne Borschke, Pascal Schinkitz, Markus Dübener, Lina Heisgen (Neue Nikolaischule Leipzig)
Marion Kunz (AG Stolpersteine/ evang. Kirchenbezirk Leipzig) / Quelle: Wilhelm, Georg "Die Diktaturen und die Evangelische Kirche", 2004
Pate: Neue Nikolaischule Leipzig
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