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Geisel in Pünderich

Biografie von Helene und Fritz Geisel

Leopold Geisel, der älteste Sohn von Nathan Geisel, übernahm die Metzgerei in Pünderich und heiratete Helene David *25.8.1879 aus Reichelsheim.
Aus der Ehe gingen die Kinder Else, Fritz, Käthe und Ernst hervor.
Am 29.4.1935 starb Leopold Geisel und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Bullay beerdigt.2
Nach seinem Tod übernahm Fritz Geisel die Metzgerei, die bereits ein Jahr später von den Nazis geschlossen wurde. Am 20.4.1936 meldete das Nationalblatt, Fritz Geisel habe die Preise für Kuhfleisch überschritten, deshalb sei das Geschäft geschlossen worden. Der Winzer Josef Mentges *1877 aus Pünderich bekam ein Strafverfahren, weil er gesagt hatte: »Die Schließung des Geschäfts ist eine Frechheit. Wenn der Laden nicht geschlossen wäre, würde ich sofort wieder einkaufen. Nach der Judenverfolgung kommt die Christenverfolgung.«
Im Jahre 1938 erlitt die Familie Geisel persönliche Schicksalsschläge: im Februar 1938 starb Ernst Geisel in Bonn, im April wanderte Käthe mit ihrer Familie in die USA aus und anläßlich der Pogromnacht wurde Fritz Geisel nach Dachau deportiert. Im Juli 1939 zog Helene Geisel geb. David von Pünderich nach Köln, von dort wurde sie drei Jahre später nach Lodz (Litzmannstadt) deportiert und ist dort umgekommen.
Ihre Tochter Else Geisel, verheiratete Berg, lebt in den USA und ist im Jahre 1994 die einzige noch lebende jüdische Zeitzeugin aus Pünderich. Auf die Anfrage, ihr Leben in Pünderich zu beschreiben, antwortet sie im August 1994:
»Das Traurigste war, daß unsere Mutter nicht mitgehen konnte und zurückblieb. Sie fand ein schreckliches Ende in einem Lager.«

Meine Eltern hatten eine gutgehende Metzgerei bis der Boykott (am 1. April 1933, Anmerkung d. A.) anfing. Aber trotzdem kamen die meisten noch in unseren Laden. Dann kam die Zuteilung von Vieh. Das war natürlich das Ende für unser Geschäft. Unsere Nachbarn – Karl Dahm, Alois Dahm, Karl Mergler und Familie Buhsen – haben uns immer zur Seite gestanden. Sie waren noch in schriftlicher Verbindung mit meiner Mutter, nachdem sie im Juli 1939 nach Köln gezogen war. Natürlich hatten wir auch viele S.A. und Hitler-Jugend, die gerne in der Kristallnacht geplündert hätten. Darunter waren welche, die von meiner Mutter mit Essen und Kleidung unterstützt worden waren, als sie noch Kinder waren.
Im Dezember 1936 ging ich in einen Haushalt nach Köln und zwar Synagoge Roonstraße. Mein Bruder Ernst starb im Februar 1938 in Bonn nach einer kurzen Krankheit. Meine Schwester Käthe und Familie wanderten im April 1938 nach USA. aus. Am 10. November 1938 wurde mein Bruder Fritz morgens um 6 Uhr verhaftet und später nach Dachau gebracht, wo er sechs Wochen blieb.
Im Februar 1939 habe ich in Holland geheiratet (mein Mann war sechs Monate interniert). Wir gingen nach Köln zurück und wanderten mit der Familie meines Mannes im Juni 1939 nach Kenia (Ostafrika) aus. Mein Bruder Fritz ging im August 1939 nach England durch die Hilfe der Familie meines Schwagers.
Das Traurigste war, daß unsere Mutter nicht mitgehen konnte und zurückblieb. Sie fand ein schreckliches Ende in einem Lager.
1947 sind wir von Kenia nach USA ausgewandert und dort war ich endlich wieder mit meinen Geschwistern vereint.
Ich kann nicht verstehen, daß ich bis jetzt noch keine Einladung bekommen habe, nicht von Köln, wo ich mehrere Jahre lebte, noch vom Kreis Cochem-Zell oder Regierungsbezirk Koblenz. Es scheint, daß die Familie Geisel total vergessen wurde. (Frau Geisel wurde im September 1995 vom Landkreis Cochem-Zell eingeladen, Anmerkung d. A.).
Jetzt möchte ich noch einmal auf die Familie Geisel zurückkommen. Mein Urgroßvater Anselm Geisel war in Merl geboren und ist später nach Pünderich gezogen. Er hat unser Elternhaus gebaut (in der Kirchstraße gegenüber Kaufhaus Mergler, Anmerkung d. A.) Großvater Nathan Geisel ist in Pünderich geboren, ebenso wie mein Vater Leopold und seine Geschwister. Wir Kinder sind auch alle in Pünderich geboren.

Fritz Geisel, der über England in die USA flüchtete, arbeitete auch dort als Metzger. Er ist in Brooklyn, New York gestorben.
Käthe Geisel, verheiratete Joseph, lebte in Laufersweiler. Sie flüchtete mit ihrer Familie nach Louisiana, USA und ist dort verstorben.

Opfer des Holocaust:
Helene Geisel geb. David, ermordet in Lodz.
Theresia Koppel geb. Geisel, ermordet in Minsk.
Isidor Geisel, ermordet in Auschwitz.
Johanna Geisel, ermordet in Auschwitz.

Quelle: Spuren der Vergangenheit, Angelika Schleindl

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