Biografie
Dohnaniystr. / Ecke Hans-Poeche-Str. (ehem. Friedrich-List-Str. 14) - Freifläche
Familie Kessel
Moses Kessel wurde am 8.6.1879 in Jarzow (Russland) geboren. Mit der Übersiedlung nach Galizien und der Verweigerung des Militärdienstes in Russland verlor er diese Staatszugehörigkeit, so dass er und seine zukünftige Familie als „staatenlos“ galten. Er war von Beruf Schuhmacher. Im Jahr 1906 heiratete er in Oswiecim Malka Steiner, die dort am 1.8.1883 geboren wurde. Die beiden ersten Kinder Max (1907) und Hannelore (1909) wurden noch in Polen geboren. Etwa 1910 oder 1911 wanderte die junge Familie aus und kam nach Leipzig. In den Folgejahren wurden noch weitere sieben Kinder geboren: Simon (1911), Hermann (1913), Klara (1919), der Pflegesohn Gerhard (12.6.1922), Ruth (1924), Siegfried (2.8.1926) und Osias (1927).
In der Friedrich-List-Str. 14 (heute Dohnaniystraße) befand sich auch die Schuhmacherwerkstatt von Moses Kessel. Der Betrieb mit einem Gesellen lief so gut, dass es im Hause Kessel zwar keinen Luxus gab, aber die Großfamilie ein sorgloses Leben führen konnte. Dem Vater war es wichtig, dass alle Kinder nach dem Schulabschluss einen Beruf erlernten (etwa Kürschner, Tischler oder eben Schuster).
Nach 1933 und dem Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation für die Familie, da die überwiegend nichtjüdische Kundschaft fernblieb. Moses Kessel fand einen Nebenverdienst als Synagogendiener in der Tiktiner Synagoge am Brühl. Doch das Geld reichte nicht und die Eltern waren darauf bedacht, dass ihre Kinder schnellstens auswanderten. Als erste verließ bereits 1933 Hannelore das Land nach Bolivien. In den folgenden Jahren gingen Ruth, Max und Hermann nach Palästina sowie Simon nach Brasilien.
Unklar ist, warum die Eltern am 28.10.1938 mit vielen anderen Menschen nach Polen abgeschoben wurden, obwohl sie keine diesbezügliche Staatsbürgerschaft hatten. Kurze Zeit später kehrten sie jedoch nach Leipzig zurück. So konnten 1939 noch Ruth und Osias durch einen Kindertransport nach England entkommen.
Das letzte Lebenszeichen der Eltern stammt vom Dezember 1942. Dieser Brief ist mit „Mama, Papa, Siegfried“ unterschrieben. Damit wurde klar, dass Gerhard nicht mehr in Leipzig war und sich mit ihm ein ungewisses Schicksal für die Geschwister verband. Gerhard Kessel (21 Jahre) wurde bereits im Januar 1942 nach Riga deportiert. Malka (59 Jahre), Moses (63 Jahre) und Siegfried Kessel (16Jahre) wurden am 2.3.1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Quellen:
Ellen Bertram: Leipziger Opfer der Shoa, 2015
Familienunterlagen
Patenschaft: Dan Allon und Familie; Anna Diegmann
Medien
Fotos
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