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Skomorowsky, Familie

Biografie von Ida Skomorowsky, Isidor Skomorowsky und 6 weitere

Hofmeisterstr. (ehem. Nr. 17) / Ecke Brandenburger Str.
Familie Skomorowsky

In dem heute überbauten Eckhaus zur Brandenburger Straße wohnten zu unterschiedlichen Zeiten drei Generationen der Familie Skomorowsky. Hier befand sich vor Flucht und Deportation der Familienmittelpunkt.

Familien- “Oberhaupt” war Ida Rachid Skomorowsky. Sie wurde am 24.2.1866 in Orla (damals Russland, heute Polen) geboren. Von 1889 an lebte sie mit ihrem Ehemann Abraham Moses (geb. 13. Mai 1840 in Schytomir/Urkraine) in Leipzig. Gemeinsam flohen sie aus der Ukraine vor den dortigen Judenprogromen nach Deutschland, wo sie sich, wenn auch als Staatenlose, eine sichere Existenz aufbauten. Moses starb bereits 1912. Aus der Ehe gingen 12 Kinder hervor.

Isidor wurde am 9.2.1894 in Leipzig geboren. Er betrieb seit Mitte der 1910er Jahre in der Nikolaistraße eine Rauchwarenhandlung. Dafür tätigte er Einkäufe aus ganz Deutschland und war dementsprechend viel unterwegs. Im Jahre 1920 heiratete er die nichtjüdische Lina Schmidt (Jahrgang 1893), die dafür ihre deutsche Staatsbürgerschaft aufgeben musste und wie ihr Mann staatenlos wurde. Die junge Familie wohnte mit ihren drei Kindern Wolfgang (Jg. 1915), Kurt (Jg. 1921) und Jutta (Jg. 1924) in der Eisenbahnstraße 5. Um das Rauchwarengeschäft vor der Enteignung durch die Regelungen der Nürnberger Gesetze zu retten, ließen sich Isidor und Lina nach 1935 scheiden (rechtskräftiges Urteil 1939) und Lina konnte so die Kürschnerei auch alleine weiter betreiben. In dieser Zeit musste Isidor zurück zu seiner Mutter und seinen Schwestern in die Hofmeisterstraße ziehen. Lina versorgte die gesamte dort lebende Familie. Isidor arbeitete von der Hofmeisterstraße aus mit. Die Scheidung der Ehe wurde ausschließlich aus Überlebensgründen vollzogen. Doch es rettete das Leben von Isidor nicht. Isidor Skomorowsky (50 Jahre) wurde am 13.1.1944 nach Theresienstadt und am 28.9.1944 weiter nach Auschwitz deportiert und ermordet. Für seine Kinder blieb die Angst vor der Deportation bis zum Kriegsende.

Josef Skomorowsky wurde am 13.4.1895 in Leipzig geboren. Er war nicht verheiratet. Im Jahr 1939 ging er nach Berlin. Am 14.11.1941 wurde Josef (46 Jahre) von dort aus nach Minsk deportiert und ermordet.

Tochter Hanne Skomorowsky wurde am 29.6.1896 in Leipzig geboren. Im Jahr 1920 heiratete sie Hirsch Slominasky-Segalowitz. Die Ehe wurde jedoch geschieden. Nach der Scheidung lebte Hanne in der Hofmeisterstraße. Sie (46 Jahre) wurde am 13.7.1942 Richtung Osten deportiert und im Konzentrationslager ermordet.

Clara Skomorowsky wurde am 15.7.1897 in Leipzig geboren. Sie war seit 1933 mit dem Kaufmann Walter Malzoff (*12.9.1894 in Landsberg) verheiratet. Ihre Tochter Margarete kam am 13.7.1933 zur Welt. Der Familie gelang noch vor dem Krieg zunächst die Flucht in die Schweiz. Doch sie wurde wieder nach Deutschland abgeschoben und am 21.1.1942 nach Riga deportiert. Am Vorabend der Deportation traf sich die Familie bei Lina in der Eisenbahnstraße, wie uns das Familiengedächtnis übermittelt. Die kleine Gretel lief dabei singend durch die Wohnung: “Wir fahren in den Urlaub!”. Nach der Auflösung des Rigaer Ghettos 1944 kamen Clara (47 Jahre), Walter (50 Jahre) und Margarete (11 Jahre) im KZ Kaiserwald - Strasdenhof ums Leben.

Marie Skomorowsky wurde am 6.11.1898 in Leipzig geboren. Ihr gelang mit einem der letzten Schiffe vor Kriegsbeginn am 24.8.1939 die Flucht in die USA. Dort lebten ihre Brüder Hermann (Jg. 1891) und Adolf (Jg.1904), die schon in den 1920er Jahren in Baltimore bzw. New York ihren Wohnsitz und ihre Geschäftstätigkeit aufnahmen. Als die Ehefrau von Adolf starb, erhielt Marie Skomorowsky die Genehmigung zur Einreise in die USA zwecks Führung des Haushalts und Betreuung der Kinder ihres Bruders.

Hermann und Adolf bemühten sich vehement um eine Ausreise ihrer Mutter. Sie trafen Ida 1935/1936 in Paris. Sie sollte ihnen folgen und in die USA ausreisen. Doch Ida fühlte sich für diesen Schritt zu alt, konnte nicht ahnen, welches Grauen noch auf sie zukommen würde und hatte in Leipzig ihre Kinder.

Ida Jachid Skomorowsky (76 Jahre) jedoch wurde am 19.9.1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und kam am 25.11.1942 ums Leben.

Recherchen: Dr. Vera Pialek, Udo Skomorowsky (Enkelin und Enkel von Lina Skomorowsky und Isidor S.)

Patenschaft: Anna Diegmann

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