Biografie von Lotte und Dr. Ernst Spier
Lotte Spier war die Tochter von Louis Weyl, der bis 1929 gemeinsam mit seinem Bruder David Weyl das vom Vater 1880 gegründete Kaufhaus Weyl (heute Kaufhof) betrieb.
Lotte Weyl besuchte das evangelische Mädchenlyzeum an der Hagschen Straße. Im März 1927 heiratete sie den Arzt Dr. Ernst Spier.
Der Vater von Ernst Spier, Josef Spier, stammte aus einer alteingesessenen Kalkarer Familie und war als Zigarrenfabrikant und -händler tätig. Bis 1914 lebte Familie Spier in Kalkar. Sohn Ernst besuchte von 1910-1914 das Königliche Gymnasium in Kleve. Sein Abitur machte er allerdings am Hohenzollerngymnasium in Düsseldorf, nachdem die Familie für zwei Jahre dorthin umgezogen war. Ab 1916 wohnte die Familie in Kleve in die Kolpingstraße 12. Hier betrieb Josef Spier auch ein Zigarrengeschäft. Nachdem Ernst Spier sein Medizinstudium in Bonn beendet hatte, richtete er 1923 im gleichen Haus eine Arztpraxis ein.
Kurz nach ihrer Eheschließung ermöglichte Louis Weyl Tochter und Schwiegersohn den Umzug in das von ihm neuerbaute Gebäude an der Ecke Hagsche Straße/Mühlenstraße (heute Hagsche Poort). Hier befanden sich eine moderne Arztpraxis und eine luxuriös ausgestattete 15-Zimmer-Wohnung. Im Parterre richtete Louis Weyl eine Filiale des Kaufhauses Weyl ein. Das Gebäude befand sich im Besitz der Eheleute Spier.
Josef Spier starb im Dezember 1933 in Kleve. Seine Witwe lebte bis 1935 bei ihrem Sohn und zog dann nach Kalkar. Es gelang ihr noch, zu ihrer Tochter nach England auszuwandern, wo sie 1941 verstarb.
Ernst Spier war nach 1933 von den antijüdischen Maßnahmen gegen Ärzte betroffen und hierdurch in seiner beruflichen Existenz bedroht. Zeitzeugen berichten von SA-Leuten, die vor dem Eingang zur Praxis Patienten bedrängten. Außerdem sollen ärztliche Kollegen Dr. Spier wegen seiner jüdischen Herkunft ausgegrenzt und beleidigt haben.
Aus Verzweiflung nahm Lotte Spier sich am 25. September 1936 das Leben. Ihr Grabstein befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Kleve.
Ernst Spier verkaufte 1937 Haus und Praxis. Er zog zunächst nach Berlin und konnte von dort 1938 nach Chicago zu emigrieren.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich ein Kontakt zwischen Dr. Spier und seinem Nachfolger. Er machte ihm gegenüber keine Rückerstattungsansprüche geltend.
Lotte Spier geb. Weyl (Kleve 1907 – 1936 Kleve)
Dr. Ernst Spier (Kalkar 1897 – 1968 Chicago)
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Quellen & Impressum
Haus der Begegnung – Beth HaMifgash e.V.
mifgash.de
Die AG Geschichte besteht seit April 2014. Ihre Aufgabe ist die weitere Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Kleve.
Autorin und Ansprechpartnerin: Helga Ullrich-Scheyda · helga@scheyda.de