Biografie von Eugen und Emma Oberdorfer
Eugen Oberdorfer
Geb. in Augsburg, 2.März 1875 Gest. 7. März 1943 (deportiert und ermordet Theresienstadt/Auschwitz)
An dieser Stelle, Maximilian Str. 17 besaß Eugen Oberdorfer eine Schirmmanufaktur mit Ladengeschäft. 1862 von seinem Vater Jacob Oberdorfer gegründet, kam Eugen Oberdorfer hier zu Welt. Er wohnte hier bis zu seiner Heirat 1905 mit Emma Carolina Binswanger. Im Zuge der Nazigesetze von 1938, dass Juden kein Besitz mehr erlaubt war, wurden die Manufaktur und der Laden „arisiert““ d.h. zwangsverkauft an eine ehemalige Mitarbeiterin, Wilhelmine H.. 1940 wurde auch das Gebäude zwangsverkauft und ging an dieselbe Besitzerin. In der Bombennacht vom 25./26. Februar 1944 wurde das Gebäude bis auf den Keller zerstört. Mai 1942 wurden Eugen und Emma Karolina Oberdorfer von den Nazis zwangsumgesiedelt, in die Hallstraße 14, in ein sogenanntes »Judenhaus«, wo viele Juden auf engstem Raum gezwungen waren zu leben. Eugen leistete Zwangsarbeit bei Johann Schaffner Hoch & Tiefbau in 1940, danach leisteten er und seine Frau von Sommer 1942 bis Anfang März 1943 Zwangsarbeit in der Augsburger Ballonfabrik in der Hoffnung, dass sie, solange sie kriegswichtige Arbeit verrichteten, eine Überlebenschance hätten. Sie wurden am 7. März 1943 nach Theresienstadt deportiert und weiter nach Auschwitz, und dort ermordet und wie Abfall entsorgt.
Nach dem Krieg und schwierigen Wiedergutmachungsverhandlungen bleibt bis heute das Haus Maximilian Str. 17 im Familienbesitzt von Wilhelmine H.
Emma Carolina Oberdorfer
geb. Binswanger Geb. in Augsburg, 8.März 1884 Gest. 7.März 1943 (deportiert und ermordet Theresienstadt / Auschwitz)
Die Familie Binswanger stammte aus Osterberg. Die Stammeltern Moses und Blümle Binswanger hatten 9 Söhne. Dort gründeten sie die Firma Jacob Binswanger & Co., eine Dampfbrennerei. Nachdem diese 1864 abbrannte, siedelten sie 1865 nach Augsburg und fingen von Neuem in der Ludwig Str.an, wo sich jetzt ein Parkhaus befindet. Auch diese Familie wurde 1938 endgültig aus dem Augsburger Geschäftsleben vertrieben und ihr Geschäft, Häuser und Betrieb durch das Hotel Drei Mohren enteignet. 1905 heiratet sie Eugen Oberdorfer. Sie hatten 2 Töchter, Elisabeth und Marianne. Beiden gelang die Flucht im II. Welt Krieg aus Deutschland und sie gelangten auf Umwegen in die USA. Die Tochter von Elisabeth, Miriam Friedmann, lebt seit 2001 in Augsburg.
© Text geschützt. Quelle: Film „Die Stille Schreit“
Foto: VVN-BdA KV Augsburg
http://www.vvn-augsburg.de/4_stadtrundgang/Erinnerung/Gedenkblatt011-2017_Oberdorfer.pdf
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