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Familie Haas - Oberer Markt 39

Biografie von Semi Haas, Frieda Haas und 3 weitere

Nachdem Frieda Haas den jüdischen Kaufmann Semi Haas aus Sulzbürg kennen und lieben gelernt hatte, zogen sie gemeinsam nach Neumarkt. Das Paar verlobte sich öffentlich durch eine Zeitungsanzeige am 27.03.1921. Am 4. März 1924 gebar Frieda schließlich ihr erstes Kind, Ilse, und ein knappes Jahr später, am 1. Juni 1925, erblickt ihr Sohn Ernest das Licht der Welt. Als letztes der drei gemeinsamen Kinder kam Walter am 1. April 1927 zur Welt. Semi und Frieda heirateten im November desselben Jahres, wohl auf traditionell jüdische Weise.

Semi und Albert Haas teilten die Leidenschaft für den Stoffhandel. So eröffnete Semi 1921 nicht nur ein eigenes Textilwarengeschäft in der Mühlstraße 5, in dem Stoffe aller Art angeboten wurden, sondern verkaufte zudem seine Ware als einer der letzten jüdischen fahrenden Händler in den umliegenden Dörfern Neumarkts. Unterstützt wurde er dabei von seinem Bruder Albert. Mit dem Umzug der Familie Haas in die Obere Marktstraße 39 verlegte Semi auch sein Geschäft dorthin. Eine große Hilfe stellte dabei das nicht-jüdische Kindermädchen der Familie Haas dar: Indem sie Ilse, Ernest und Walter liebevoll betreute, konnten Semi und Frieda sich ausreichend auf das Textiliengeschäft konzentrieren. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde es für Semi Haas immer schwerer, sein Textilwarengeschäft zu erhalten, da dieses durch die SA boykottiert wurde, um Kunden abzuschrecken. So wurde beispielsweise ein Schild mit der Aufschrift „Wer bei Juden kauft ist ein Volksverräter“ an der Tür angebracht. Trotz dieser Schikane und der verminderten Kundenzahl versuchte Semi lange Zeit weiterhin, sein Geschäft zu erhalten. Als schließlich auch noch das Wandergewerbe für Juden verboten wurde, sah sich Semi im Juli 1938 dazu gezwungen, sein Geschäft zu verkaufen.

Da die Situation in Neumarkt unerträglich geworden war, zog die Familie nach Fürth. Da es dort ein größere jüdische Gemeinde gab, hatte man sich eine Verbesserung der Lage erhofft. Im Jahre 1941 schickte die Familie den 14jährigen Walter per Kindertransport in die USA. Sein Vater brachte ihn damals noch zum Bahnhof nach Berlin, um sich von ihm ein letztes Mal verabschieden zu können. Der Abschied war schwer, aber er war nötig, um den kleinen Walter ein Leben in Sicherheit gewährleisten zu können.

Der Rest der Familie wurde am 27. November 1941 über das Durchgangslager Langwasser in das Lager Riga Jungfernhof transportiert. Frieda wurde anschließend weiter in das Frauenlager Strasdenhof deportiert, wo sie am 3. August 1941 ermordet wurde. Vor allem als liebevolle und aufopfernde Mutter bleibt sie jedoch in Erinnerung, nicht zuletzt durch ein Ereignis, von dem ihr Sohn Ernest in seiner Biografie erzählt:
„Ich war in Kaiserwald, als einige Gefangene eines Trupps von Strasdenhof ankamen. Einer von ihnen hatte etwas für mich von meiner Mutter. Es war ein zusammengebundenes, weißes Taschentuch mit meinem Namen darauf. Es beinhaltete zwei Stücke Brot. Ich gab dem Gefangenen eines davon, dafür dass er ehrlich gewesen war und es mir überbracht hatte. Es hat mir viel bedeutet, vor allem in Anbetracht dessen, dass wir nur ein Stück jede Nacht bekamen. Das bedeutete, dass meine Mutter ihre Ration zwei Nächte lang nicht gegessen hatte, nur um es mir zu senden, ein Opfer, welches nur eine Mutter erbringen kann.“
Die letzte Begegnung, die Ernest und Ilse hatten, fand nach Ernests Erzählungen an einem Zaun in einem Konzentrationslager statt, wo sie sich ein letztes Mal zuwinken konnten, bevor Ilse im Konzentrationslager Stutthof 1944 ermordet wurde.

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Quellen & Impressum

Initiative Stolpersteine für Neumarkt und Sulzbürg

Initiative Stolpersteine für Neumarkt und Sulzbürg und
die beiden Geschichts-P-Seminare „Nie wieder - Wider das Vergessen“ des Ostendorfer-Gymnasiums