Biografie von Franz Klaiber
Nach Informationen des Dokumentationszentrums Grafeneck wurde Franz Gotthilf Jakob Klaiber am 27. Mai 1940 in der Gaskammer in Grafeneck getötet.
Franz Klaiber wurde am 5. Dezember 1897 in Tuttlingen als Sohn des Schuhmachers Christian Klaiber und seiner Ehefrau Anna Maria geborene Sichler geboren. Er war ein guter Schüler, nach der Schulentlassung arbeitete er in einer Schuhfabrik. 1916 wurde er in den Ersten Weltkrieg eingezogen. Es gibt verschiedene Hinweise auf seine Kriegserlebnisse, die ihn nicht mehr losließen. So soll er an Cholera erkrankt sein, außerdem bei Brimont verschüttet worden sein und als fast als einziger in seinem Unterstand mit dem Leben davon gekommen sein. Danach verbrachte er drei Wochen im Lazarett. Später geriet er in Kriegsgefangenschaft bei Vouziers, in der es im schlecht erging, so dass er einen Fluchtversuch wagte, aber erwischt wurde. Aus der Kriegsgefangenschaft kehrte er 1920 zurück.
Bald nach seiner Rückkehr lernte er seine spätere Ehefrau, Maria Emhardt aus Hundersingen, kennen. Am 13. Januar 1922 fand die Hochzeit statt, 1923 wurde das erste Kind, eine Tochter, geboren. Bis 1925 arbeitete er in der Schuhfabrik Stengele, wo er zunächst auch sehr beliebt war, am 16. Januar 1925 aber wegen Arbeitsunfähigkeit entlassen wurde.
Die Familie lebte zunächst in der Rosenstraße 6 später in der Donaustraße 9. Jetzt zeigten sich erste Krankheitssymptome, die sich vor allem in einer großen Erregung mit Zittern äußerten. Er stellte einen Antrag auf Rente und begab sich dazu in die medizinische Klinik nach Tübingen um sich ein Nervenleiden attestieren zu lassen, womit er eine Kriegsrente beantragte konnte. Er führte seinen schlechten Gesundheitszustand auf die Verschüttung während des Krieges zurück. Die Kriegsgeschehnisse beschäftigten ihn immer noch.
Am 20. Oktober 1925 wurde er erstmals in die Heilanstalt Rottenmünster eingewiesen, aus der er am 28. November des gleichen Jahres wieder entlassen wurde. Am 6. Juni 1927 folgte eine weitere Einweisung, am 22. Dezember 1927 wurde er als „gebessert“ entlassen. Inzwischen war seine Kriegsbeschädigtenrente genehmigt worden. 1929 kam ein weiteres Kind zur Welt. Aber bereits am 23. Februar 1931 wurde er von seiner Mutter wieder nach Rottenmünster gebracht. Dieses Mal wurde er aber nicht wieder entlassen, sondern am 23. März 1937 in die Heilanstalt Weissenau überführt. Von dort aus brachten ihn die grauen Busse der SS in die Tötungsanstalt in Grafeneck, wo er 1940 ermordet wurde.
Seine Urne wurde nach Tuttlingen überstellt und gleich auf dem Ehrenfriedhof beigesetzt.
Medien
Fotos
Kostenlos dank Ihrer Hilfe
Diese Biografie ist frei zugänglich. Wenn Ihnen der Stolpersteine Guide gefällt, freuen wir uns über einen kleinen Beitrag.
Stolpersteine in der Nähe
Pauline Dold geb. Koßmann80 m
Albert Ulrich100 m
Franz Berger110 m
Gustav Adolf Hilzinger150 m
Antoni Midinski200 m
Reinhold Rall210 m
Quellen & Impressum
Museen der Stadt Tuttlingen: https://www.tuttlingen.de/de/Kultur-Tourismus/Kulturelle-Einrichtungen/Museen/Staedtische-Museen/Heimatmuseum-Fruchtkasten