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Reinhold Rall

Biografie von Reinhold Rall

Gerade mal 27 Jahre alt wurde Reinhold Rall bis er im Amtsgerichtsgefängnis in Tuttlingen unter ungeklärten Umständen starb. Er kam am 6. Juli 1907 in Tuttlingen als Sohn des Schuhfabrikarbeiters Johannes Rall und dessen Ehefrau Pauline geb. Pfrommer zur Welt.

Er wurde in eine große Familie hinein geboren, die in ihrer Gesinnung der KPD nahe stand. Den Eltern wurde zu ihrer goldenen Hochzeit 1939 eine Ehrung verwehrt, da sie politisch nicht opportun waren. Ebenso erhielt die Mutter kein Mutterkreuz verliehen. Reinhold lernte den Beruf des Instrumentenmachers. Er und weitere Brüder waren in der KPD organisiert, sein Bruder Paul Rall ging nach dem Tod von Reinhold nach Spanien zu den Internationalen Brigaden und fiel im Bürgerkrieg. Eine Schwester war mit Hermann Müller verheiratet, der auch im Widerstand aktiv war. Die beiden wurden später bezichtigt ausländische Sender gehört zu haben.

Bis 1930 lebte Reinhold bei seinen Eltern Im Haken 2 und dann wieder ab 29. August 1931. Einer seiner Brüder wandte sich der NSDAP zu und wurde SA Mitglied. Zeitzeugen berichten, dass dieser Bruder die anderen denunzierte habe und es zu einer Hausdurchsuchung kam, in deren Folge Reinhold Rall ins Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert wurde. Allerdings konnte dieser Bruder bei seiner Entnazifizierung glaubhaft versichern, dass er mit Reinhold wenig Kontakt hatte und er erst Jahre nach dessen Tod in die NSDAP eingetreten war. Aber natürlich war er eines andern Geistes Kind und meinte, dass sein Bruder „wegen ein paar Flugblättern sein Leben weggeworfen hatte“. Er berichtete, dass 1934 zwei seiner Brüder, Reinhold und Alfred, wegen des Besitzes kommunistischer Schriften verhaftet worden seien. Bei der Befragung hätte Alfred angegeben, dass er die Schriften, die bei ihm gefunden worden waren, von seinem Bruder Reinhold erhalten habe. Alfred fühlte sich deshalb schuldig am Tode des Reinhold Rall. Reinhold beschrieb er als fleißig und sparsam, aber andererseits auch als hitzig.

Emil Rieger gab in seinen Wiedergutmachungsunterlagen an, dass in diesen Jahren „über Tuttlingen ein dauernder Transport von antifaschistischer Literatur ging“. Deshalb seien 1934 verschiedene Personen verhaftet worden.

In der Nacht vom 5. auf den 6. August 1934 starb Reinhold Rall in seiner Gefängniszelle im Amtsgerichtsgefängnis. Über seine Todesursachen gibt es viele Spekulationen. Der Amtsrichter Hirzel meldete dem Standesamt, dass Rall morgens tot aufgefunden worden sei und Freitod durch Erhängen begangen hätte. Mitgefangene und Parteigenossen waren aber immer der Ansicht, dass Reinhold Rall nicht freiwillig aus dem Leben geschieden war. Besonders Mitgefangene, die auf der gleichen Etage untergebracht waren, hatten Geräusche gehört, die diese zur Überzeugung brachten, dass Reinhold Rall getötet wurde.

Der Gefängniswärter des Amtsgerichtsgefängnisses, Eugen Stooss, war dafür bekannt, dass er die Häftlinge plagte und schikanierte. Er wurde 1948 in den Rastatter Prozessen zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. In der Verhandlung wurden auch Verletzungen diskutiert, die er einem Franzosen beigebracht hatte. Dabei wurde vermerkt, dass ein Verdunkelungsrollo heruntergerissen worden sei. War auch dies der Versuch eine Person zu erhängen?

Ein Mithäftling, Eugen Huber, der im Gefängnis so einiges mitbekam, wurde am nächsten Tag in ein Gefängnis nach Rottweil verlegt. Ein anderes Mitglied der Widerstandgruppe, Willi Rominger, saß später im Gefängnis in Oberndorf und wurde dort zum Tod von Reinhold Rall verhört, da man wohl vermutete, dass er etwas wusste. Letztendlich wird die Todesursache nicht endgültig zu klären sein.
Emil Rieger hielt auch die Grabrede und bezeichnete ihn als politischen Freund. Er führte in der Trauerrede aus, „dass wir im Geiste des Verstorbenen weiter leben und kämpfen wollen.“ Wenige Tage danach wurde auch Emil Rieger verhaftet.

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