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Joske, Familie

Biografie von Hans Joske, Klara Joske und 3 weitere

Karl-Heine-Str. 43
Kaufhaus Joske
Hans, Klara, Hellmut, Hilde und Ruth Joske

Der Kaufmann Michaelis Max Joske kam 1898 nach Leipzig und machte den Namen Joske sehr schnell in Plagwitz wie in Leipzig überhaupt, bis nach Markranstädt zu einem Begriff, und das Ansehen, das sich die Familie erworben hatte, war im wahrsten Sinne erarbeitet und vorgelebt. Es beschränkte sich ja nicht nur auf das geschäftliche Dasein nach den Prinzipien eines ehrbaren Kaufmannes, es schloss Wohltätigkeit als Lebensauffassung mit ein. Diese Lebensauffassung übertrug er auch auf seinen Nachkommen.
Max Joske heiratete 1886 Johanna Fabian und hatte mit ihr vier Kinder, Julius, Hans, Paul und Rosi. Paul verstarb im Alter von 6 Jahren.

Einen Sohn und seine Familie, die der Entrechtung, Ausgrenzung, Verfolgung bis hin zur Ermordung durch die Nationalsozialisten, wie die meisten, die Deutschland nicht rechtzeitig verließen, nicht entgehen konnten, möchte ich hier näher vorstellen Ihrer wollen wir heute hier ehrend gedenken: Hans Noske, geboren 1888 in Leipzig. Er war der jüngere Sohn von Max und Johanna Noske.

Hans Joske erhielt ebenfalls entsprechend seinem Wunsch eine kaufmännische Ausbildung. Berufliche Erfahrungen konnte er in Halle und Berlin sammeln. Die für ein erfolgreiches geschäftliches Dasein so wichtigen Kenntnisse des internationalen Handels sammelte er in den U.S.A. Hans Joske hielt sich für einige Monate in New York auf. Zweifellos waren die damit verbundenen geschäftlichen Beziehungen für das Leipziger Unternehmen sehr förderlich.
Für Hans Joske bedeutete der erste Weltkrieg, wie für so viele junge Männer seiner Generation ein Aufschieben des persönlichen Lebensplanes. Ein Aufgeben indes bedeutete er glücklicherweise nicht. Erst das Jahr 1919 brachte für ihn beruflich wie privat wieder Erfreuliches. Er heiratete Klara Nordheimer, Tochter einer bekannten Leipziger Kaufmannsfamilie,
Drei Kinder vervollständigten das Glück der Familie: Hellmut, 1920 geboren, Hilde, 1924 geboren, sowie Ruth, die 1927 das Licht der Welt erblickte. Dieses Familienglück wurde ergänzt durch das erfolgreiche Wirken von Hans Joske in dem Familienunternehmen M. Joske & Co., das der Vater Max mit dem 25. Jahrestag des Bestehens des Familienunternehmens in Gänze seinen beiden Söhnen überantwortete. 1929 wurde das Plagwitzer Kaufhaus erweitert; der bekannte Architekt Wilhelm Haller entwarf den Anbau, von dem heute vor allem das Ladengeschäft, wie wir dank des engagierten Wirkens seines jetzigen Inhabers erkennen können, noch heute vom Bauhausstil, den der Architekt hier realisierte, kündet.
Mit dem Machtantritt der Nazis wurde der Untergang des einst florierenden Warenhausunterunternehmens eingeleitet. Hans verlor so schrittweise die Grundlage seiner Existenz und die der ganzen Familie, und er musste sich und seine Familie bis 1939 als reisender Händler über Wasser halten. 1939 gelang es ihm im letzten Augenblick noch, nach Frankreich zu fliehen – allein. In den Polizeimeldeakten kann man den Eintrag lesen: „Am 26.8 39 o. Fam. nach Paris“. In Frankreich konnte er nach 1940 den kriegsbedingten Verfolgungen aber ebenfalls nicht entgehen. Er wurde in den Lagern Noe und Gurs interniert, überlebte und blieb in Frankreich. Er verstarb 1948 in Lyon. Seine Familie hat er nie wieder gesehen.

Nach seiner Flucht nach Frankreich fehlte Hans und auch der in Leipzig verbliebenen Familie das Geld, seine Frau und Ruth nachzuholen. Mit dem Beginn des Krieges war eine Auswanderung ohnehin unmöglich geworden. Seine Frau Klara und das jüngste Kind Ruth, die zuletzt in der Jacobstraße 7, einem sogenannten „Judenhaus“ wohnten, wurden am 13. Juli 1942 „in den Osten“ deportiert. In den schon erwähnten polizeilichen Meldelisten findet man bei ihnen die lapidar formulierte Meldung: „Am 13.7.42 Abwanderung“. Sie fanden in Auschwitz den Tod.

Hilde, die Schwester von Hellmut und Ruth, gelangte kurz vor Kriegsausbruch am 4. Juli 1939 noch mit dem Kindertransport nach Schweden und wurde so gerettet. Zwei Jahre später kam sie über Iran nach Palästina, dem heutigen Israel. Sie gründete dort eine Familie, wurde Mutter zweier Söhne. Sie starb 1993.

Welcher Lebensweg war Hellmut, dem Ältesten beschieden? Hellmut absolvierte das Helmholtz- Realgymnasium in Leipzig, war aktiv bei den Jüdischen Pfadfindern und im Maccabi-Sportclub. Er verließ Deutschland bereits 1936 über den Weg einer Jugendalijah, um nach Palästina zu gelangen. Schon in jungen Jahren war er überzeugter Zionist. Er lebte in der neuen Heimat in einem Kibbuz, Während des Krieges leistete er Dienst bei der britischen Kriegsflotte.

Nach dem Krieg absolvierte Hellmut eine Ausbildung als Bücherrevisor und leistete 1948-1950 seinen Militärdienst im nunmehrigen Staat Israel. Er war Adjutant des Militärstaatsanwaltes und absolvierte zeitgleich das Israelische Verwaltungsinstitut. Nach der Proklamation des Staates Israel 1948 hebräisierte Helmut seinen Namen. Er war in dieser Zeit nicht der Einzige, der sich zu dieser Entscheidung entschloss: Es war gleichsam eine Referenz an seine neue Heimat, ein Bekenntnis! Er wählte den Vornamen Gideon und wandelte Joske ins hebräische Bar -Joseph – Sohn des Joske. So erhielt er quasi den Jahrhunderte alten Namen Joske/auch Josky für die nächsten Generationen.
1953 heiratete er Chava Werner, geb. 1926. Ihnen wurden zwei Söhne geboren: Mordechai und Michael.
Ab 1950 war Gideon bei der Knesset als Leiter der Finanzabteilung tätig, ab 1972 Stellvertretender Knesset-Sekretär auf dem Gebiet der Verwaltuung. Von 1981 bis 1991 war er
Mitglied der IDG, davon von 1983 bis 1991 auch Vorstandsmitglied der Jerusalemer Arbeitsgruppe der Israelisch-Deutschen Gesellschaft
Hellmut-Gideon verstarb im Jahr 2016 in Mishmar HaSharom.

Recherchen: Dr. Andrea Lorz
Patenschaft: Dr. Andrea Lorz, Projekt Kaufhaus Joske, BioMare Plagwitz

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