Biografie von Siegfried Kaufmann, Meta Kaufmann geb. Oppenheimer und Ruth Kaufmann
Großherzog-Friedrich-Straße 7: Familie Kaufmann
Siegfried Kaufmann (genannt Sigi) wurde am 13. Februar 1894 in Kehl geboren. Seine Eltern waren Joseph Kaufmann und Elise geb. Simon. Die Familie hatte 4 Kinder und bewohnte das Obergeschoss des Hauses Schulstraße 14, das Josephs Schwager Jakob Wertheimer gehörte.
Siegfrieds Urgroßvater Michael Kaufmann hatte um 1820 in Lichtenau ein Geschäft mit Schwerpunkt Mehl- und Getreidehandel gegründet. Dessen Sohn und Sigis Großvater Samuel Kaufmann verlegte um 1880 den Firmensitz nach Kehl. Seine Söhne Sigmund und Joseph führten die Firma später als OHG weiter. Im Kehler Hafen (Südstraße 8) wurde 1911 ein Waren- und Fabrikationshaus erbaut.
Die Brüder Siegfried, Arthur und Martin (Josephs Söhne) nahmen am Ersten Weltkrieg teil. Arthur ist im Krieg gefallen. Siegfried und Martin kehrten nach Hause zurück und waren im Jahre 1923 Teilhaber der Firma „Michael Kaufmann und Söhne“.
Siegfried Kaufmann verheiratete sich in den Nachkriegsjahren mit Meta Oppenheimer, geboren am 6. März 1903 in Bad Mergentheim. Am 5. Mai 1930 wurde in Mannheim ihre Tochter Ruth geboren.
Ebenfalls im Jahr 1930 starb Sigfrieds Onkel Sigmund. Nun wurde dessen Bruder, Siegfrieds und Martins Vater Josef, Seniorchef der Familienfirma. Martin blieb Gesellschafter, Siegfried selbst aber schied aus und gründete einen eigenen Großhandel für Getreide, Mehl und Futtermittel. Er spezialisierte sich auf den Handel mit Frankreich. Firmensitz war zuerst das Haus Guntherstraße 3 und später die Großherzog-Friedrich-Straße 7.
Joseph starb 1935. Da waren die Repressalien der Nationalsozialisten schon spürbar. Martin entschloss sich, die Familienfirma zu verkaufen. Die Übergabe an neue Besitzer erfolgte 1936, Martin wanderte mit seiner Familie nach Palästina aus und baute sich dort eine neue Existenz auf.
Siegfried wanderte 1935 mit seiner Frau Meta und der fünfjährigen Tochter Ruth nach Frankreich aus. Seine Kenntnisse in Sprache und Landeskunde waren dafür ausschlaggebend. Da er im benachbarten Straßburg keine Genehmigung zur Niederlassung erhielt, versuchte er es in Paris, hatte aber auch hier offenbar wenig Erfolg.
Um nach Beginn des Zweiten Weltkriegs seine Familie vor der Internierung als „feindliche Ausländer“ zu schützen, meldete sich Siegfried Kaufmann zur Fremdenlegion und diente als Legionär in Französisch-Afrika. Nach dem Waffenstillstand 1940 kehrte er zurück und fand in der „freien Zone“ mit seiner Familie Unterschlupf als Landarbeiter auf einem Bauernhof.
Die 74-jährige Witwe Elise, Siegfrieds Mutter, wurde am 22. Oktober 1940 von Kehl aus nach Gurs deportiert. Der Sohn schaffte es, dass sie das Internierungslager 1941 verlassen konnte.
Siegfrieds Schwester Erna Neumetzger geb. Kaufmann wanderte 1937 mit ihrer Familie nach Boston aus. Dieser Umstand war ausschlaggebend dafür, dass die Mutter Elise 1941 über Lissabon ebenfalls emigrieren und ihren Lebensabend in Boston verbringen konnte.
Auch für Siegfrieds Familie soll es die Einwanderungs-Genehmigung für die USA gegeben haben, die Abreise wurde aber mit Rücksicht auf die Mutter der Ehefrau verschoben. Nachdem die USA im Dezember 1941 in den Krieg eingetreten waren, war es zu spät. Siegfried kehrte mit seiner Familie in das besetzte Paris zurück, um dort illegal zu überleben – ein gefährliches Unterfangen. 1944 wurde er erkannt, denunziert und mit seiner Frau Meta und seiner Tochter Ruth verhaftet. Als Adresse in Paris ist 97, rue Fontaine dokumentiert. Am 30. Juni 1944 wurde die Familie vom Sammellager Drancy aus nach Auschwitz deportiert. Meta und Ruth wurden ermordet.
Wir können davon ausgehen, dass Siegfried bei Anrücken der Roten Armee einen der schrecklichen Todesmärsche gen Westen antreten musste. Für den 26. Januar 1945 ist seine „Einlieferung“ im Konzentrationslager Buchenwald vom Konzentrationslager Auschwitz aus dokumentiert. Sein Leben endete hier am 18. Februar 1945. Die Umstände seines Todes sind nicht bekannt, auf seiner „Sterbeurkunde“ ist das Stichwort „Herzschwäche“ eingetragen.
Quellen:
Rolf Kruse, Familie Kaufmann, in: Kehler Familiengeschichten, Band 2, Kehl 2007
Bundesarchiv Koblenz, Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945 (online)
Badische Landesbibliothek Karlsruhe,
Verzeichnis der am 22. Oktober 1940 aus Baden ausgewiesenen Juden, Karlsruhe, 1941
Schulstraße 14: Bertha Wertheimer geb. Kaufmann
Gewerbestraße 1 a: Familie Bruchsaler-Dreifuss
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