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Hauptstr. 50: Elsa Cheit

Biografie von Cheit Elsa

Elsa Cheit geb. Bensinger aus Kehl –
ein jüdisches Opfer der Aktion T4 im Dritten Reich
Elsa Bensinger wurde am 21. Februar 1881 geboren als Tochter des Handelsmanns
Jakob Bensinger und seiner Frau Pauline geb. Stern in Stadt Kehl, in der Hauptstraße 50.
Hierher war die Familie aus Bodersweier, der ursprünglichen
Heimatgemeinde des Vaters, nach 1875 gezogen.
Elsa hatte 5 Schwestern und 10 Brüder; sie waren 16 Kinder, 8 waren in Kehl geboren, 8 in Bodersweier.
Über Elsas Kinder- und Jugendzeit ist uns nichts bekannt.
Vermutlich ist sie als junge Frau nach Wien gezogen. Wir wissen auch nicht, wovon sie dort lebte-
In der späteren Heiratsurkunde steht, dass sie „ohne Beruf“ war. So könnte es sein, dass sie in Wien als Hausangestellte arbeitete.
In Wien hat Elsa ihren späteren Ehemann, den jüdischen Reise-Kaufmann Hersch Cheit
kennen gelernt, der dort in der Löwengasse 6 wohnte. Er war 7 Jahre älter als Elsa und
stammte aus Lemberg in Galizien, das damals zu Österreich gehörte. Das Paar heiratete am
23. November 1906 in Kehl.
Elsas Vater Jakob Bensinger war einer der Trauzeugen.
Ob Elsa und Jakob nach der Hochzeit wieder in Wien gelebt haben wissen wir nicht.
Der weitere tragische Lebensweg von Elsa Cheit-Bensinger erschließt sich aus der
Patientenakte der Heil- und Pflegeanstalt Illenau bei Achern, die im Staatsarchiv Freiburg
aufbewahrt wird.
Diese Akte wird unter dem Namen Laura Cheit geführt. Der Vorname scheint ein inoffizieller
Rufname gewesen zu sein, denn er ist sowohl im Geburtseintrag als auch im Heiratseintrag
nicht dokumentiert. In der Akte ist auch zu lesen, dass Elsa keine Kinder hatte.
Laura Elsa Cheit geb. Bensinger hielt sich vermutlich ab 1911 wieder in Kehl auf, wo sie den
erkrankten Vater pflegerisch betreuen sollte. Dabei trat jedoch ihre psychische Erkrankung in
Erscheinung. (Beide Eltern starben im Jahre 1913.)
Im Mai 1912 kam Elsa zur Behandlung in die Psychiatrische Klinik in Straßburg. Hier wird
notiert, dass sie an einer Manie leidet.
Von Straßburg aus wurde Elsa Cheit in die Heil- und Pflegeanstalt Stephansfeld bei Brumath
im Elsass eingewiesen.

Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte das Elsass wieder zu Frankreich. Viele Reichs-Deutsche
mussten das Gebiet verlassen. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass Elsa Cheit am 9. Juli
1920 in die Heilanstalt Illenau bei Achern überführt wurde. Als Angehöriger wird nun ihr
Bruder Louis Bensinger, wohnhaft in Frankfurt, genannt.
1922 erfolgte ein erneuter Ortswechsel, diesmal in die Heil- und Pflegeanstalt Emmendingen
in der Nähe von Freiburg. Hier lebte Elsa 18 Jahre.
Am 12. August 1940 wurde Elsa Cheit nach Grafeneck transportiert und dort ermordet.
Auf ihrer Patientenkarte, die in Emmendingen noch erhalten ist, wurde der Vorname „Laura“
durchgestrichen und durch „Elsa Sara“ ersetzt. 9)
Normalerweise erhielten die Angehörigen aus Grafeneck die Sterbemitteilung in Form eines
sogenannten Trostbriefes, eine Sterbeurkunde und das Angebot, dass die Urne an eine
Friedhofsverwaltung nach ihrer Wahl verschickt werden könnte. 2)
Ob dies auch im Falle von Elsa Cheit erfolgte und ggfs. wohin diese Schreiben ggfs.
verschickt wurden, ist nicht bekannt. In Kehl wohnten keine Angehörigen mehr.

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