Biografie von Karl, Olga, Claus und Gert Rosenthal
Familie Rosenthal Hauptstrasse 59 (umbenannt 1933 in A-Hitler-Straße)
Hier lebte und praktizierte Dr. Karl Rosenthal (1893 – 1944). Noch als Medizinstudent in Freiburg wurde er bei Kriegsausbruch 1914 eingezogen und kam an der Westfront. Zwar mit dem „Eisernen Kreuz“ geehrt, aber verwundet kam er 1917 zurück und konnte das unterbrochene Studium erfolgreich fortführen. Promotion zum Dr. med 1923.
1924 heiratete er Olga Kuhn, sie ließen sich 1926 in Kehl nieder, wo Dr. Karl Rosenthal eine Arztpraxis eröffnete. Er war auch städtischer Schularzt, 1931 entzog ihm der ns-Gemeinderat diese Funktion. Hier an dieser Stelle standen am 1. April 1933, dem Tag des so genannten „Juden-Boykott“, SA und Polizei und verwehrten Patienten den Eintritt in die Praxis, auch wurde er 3 Tage in „Schutzhaft“ genommen. Nach Entzug der kassenärztlichen Zulassung 1936 und der Approbation 1938 war er zur Aufgabe seiner Arztpraxis gezwungen. . Die Familie entschloss sich, Kehl ohne den 1924 geborenen Sohn Claus, den sie 1937 mit 13 Jahren ins französische Exil geschickt hatten, aber mit ihrem 12-jährigen zweiten Sohn Gert zu verlassen. Dr. Rosenthal hatte Hoffnung auf eine Anstellung am Mannheimer jüdischen Krankenhaus.
Am 22. Oktober 1940 wurden Olga und Karl Rosenthal nach Gurs deportiert, ein Jahr später Lager Rivesaltes bei Perpignan. In dieses verschaffte sich Sohn Claus mit gefälschten Papieren Eingang, um seine Eltern wiederzusehen. Doch die Falle schnappte zu.
1942 wurden Dr. Karl Rosenthal, Frau Olga und Sohn Claus über Drancy zu den Vernichtungslagern des Ostens deportiert. Dr. Karl R. musste in verschiedenen KZ als „Lagerarzt“ arbeiten. Im KZ Gräditz (Oberschlesien) trafen sich durch Zufall Vater und Sohn Claus wieder; am 26. März 1944 starb Dr. Karl Rosenthal an Flecktyphus erkrankt in den Armen seines Sohnes.
Olga Rosenthal geb. Kuhn (1899 - 1942) stammte aus einer alteingesessenen jüdischen Rastatter Familie. Sie wurde als eine sehr liebenswürdige Frau beschrieben, hatte viel christliche Freunde und spielte Geige im Kehler Kammerorchester. Sie galt als Mittelpunkt der assimilierten Familie. Doch Demütigung, Ausgrenzung, Entrechtung und Verfolgung gingen nicht spurlos an ihr vorbei. 1936 erlitt sie eine Depression. Von guten Freunden gewarnt schickte sie ihre beiden Kinder unter größtem Schmerz außer Landes,
Von Mannheim aus wurde sie mit ihrem Ehemann und ihrer Mutter Henriette Kuhn zuerst 1940 nach Gurs deportiert. 1941 starb dort ihre Mutter, im September 1942 erfolgte der Abtransport über Drancy nach Osten. In Cosel (Oberschlesien) wurde sie von Mann und Sohn getrennt. Bei der Ankunft in Auschwitz wurde sie ermordet..
Claus Rosenthal
Claus Rosenthal wurde am 26. Februar 1924 wurde er in Rastatt geboren. Er hatte zunächst „eine schöne Kindheit in Kehl“ . Nach der Grundschule, die er mit Harry Bruchsaler besuchte, wechselte Claus auf die Erwin-von-Steinbach-Oberrealschule und war dort einer der besten Schüler, ausgezeichnet mit diversen Schulpreisen. In der bedrohlichen Situation des Jahres 1937 schickten ihn seine Eltern nach Montbéliard/Frankreich auf ein Collège, das er aber bald verlassen musste, da den Eltern das Geldmittel ausgegangen war. Er fand Aufnahme bei einer Bauernfamilie als Landarbeiter, dann gelangte der 16-Jährige nach Paris und arbeitete in einer Hutfabrik. Er wohnte in einem jüdischen Pensionat, als er die Mitteilung erhielt, dass man seine Eltern nach Gurs deportiert hatte. Im Juli 1942 gelangte er mit falschen Papieren in das unbesetzte Frankreich, schaffte es, zu seinen Eltern in das Lager Rivesaltes zu kommen. Doch er wurde gestellt und verhaftet.
1942 wurde er dann mit seinen Eltern nach Osten deportiert. Er war als Zwangsarbeiter in den Lagern Lazy, Annaberg, Gnadenfrei, Gräditz, Faulbrück und Langenbielau, wo er am 08. Mai 1945 befreit wurde.
Da er im Besitz der französischen Staatsbürgerschaft war, kehrte er Straßburg zurück, um auf seine Mutter zu warten, von deren Ermordung er nichts wusste.
Hier traf er per Zufall eine Freundin aus Kindheitstagen wieder, Margot Weil. Sie war eine Überlebende von Auschwitz und Mauthausen. Sie heirateten und 1950 wurde ihre Tochter Sylvie in Paris geboren. Dort arbeitete er in einer Maschinenfabrik..
Sie kehrten nach so viel Leid Europa den Rücken und wanderte nach Buenos Aires aus. Claus schlug er sich zunächst als Fotograf durchs Leben, dann fand er als Büroangestellter Arbeit in einer Exportfirma. 1977 verstarb Margot an den Spätfolgen der Lageraufenthalte.
Seine ganze Liebe galt forthin der Tochter Sylvie, die 2011 einem Krebsleiden erlag. Es verblieb ihm nur seine Enkelin Tamara, seine zweite Frau Lucy und sein Bruder Gert auf der anderen Seite der Welt.
Gerhard Rosenthal wurde am 18.07.1927 in Kehl geboren und wuchs gleich glücklich als kleiner Bruder auf. Er zog mit seinen Eltern 1938 nach Mannheim, dort beschlossen die Eltern, den 12-Jährigen nach England zu schocken, da die britische Regierung ab Dezember 1938 für Kinder die Grenzen geöffnet hatte. Zwei Tage nach seinem Geburtstag verließ er traumatisiert seine Eltern. In England fand er eine liebevolle Pflegefamilie, die der Glaubensrichtung der Christadelphians angehörte, 1944 wurde Gert getauft. In den 60er-Jahren wanderte Gert Rosenthal, der sich den Rufnamen „Jim“ zugelegt hat, nach Australien aus. Viele Jahre vergingen bis sich Gert und Claus wiedersehen konnten, doch sie sprachen nicht mehr eine gemeinsame Sprache und gehörten nicht mehr dem gleichen Glauben an.
Er verstarb am 06. September 2017 in seinem 90. Lebensjahr
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