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Familie SCHNECK

Biografie von Josef Schneck, Sofie Schneck und 4 weitere

Wo sich heute ein großes Betriebsgelände erstreckt, standen bis Kriegsende einfache hölzerne Reihenhäuser mit improvisierten Gärten dazwischen. Hier wohnte die Familie Schneck, und sie lebte gerne hier. Mit den Nachbarn verstand sie sich gut. Die Kinder spielten mit den Nachbarskindern in den Gärten. Vater Josef handelte mit Geigen und mit Noten. Seine Heilkräuter-Kenntnisse waren bei Krankheiten gefragt. Ihm und seiner Frau Sofie war eine gute Bildung ihrer Kinder wichtig, wozu auch Klavier- und Gesangsunterricht gehörten. Freunde fanden die Kinder im St.-Nikolaus-Kindergarten und in der Ostheimer Schule. Elisabeth besuchte mit ihrem Bruder Donatus, einem sehr begabten und sportlichen Jungen, die gleiche Klasse der Ostheimer Schule. Sie gingen gerne dort hin, bis einzelne Lehrer begannen, die Sinti-Kinder zu drangsalieren.

1936 erhielt Josef Schneck, der gut bekannt war mit dem Unternehmer Paul von Maur, die Warnung vor einer drohenden Verhaftung. Die Familie flüchtete zu den Großeltern nach München. Am 13. März 1943 wurde die ganze Familie samt Großeltern von München nach Auschwitz-Birkenau verschleppt. Das dortige "Zigeunerlager" hatte den Zweck, die im Reichsgebiet von der Polizei aufgegriffenen Sinti und Roma zu vernichten. Das Lager bestand aus 32 Pferdestall-Baracken, die mit 3-stöckigen Pritschen vollgestellt waren. In eine Baracke wurden bis zu tausend Menschen gepfercht. Die Lagerleitung ließ die meisten Menschen durch Krankheit und Hunger sterben, die Übrigen durch Gas.
Bald nach ihrer Ankunft musste Familie Schneck das Sterben der dreijährigen Renate hilflos mit ansehen. "Opapa, ich will Broti, Butti, Zucki" war ihr letzter Satz vor dem Hungertod.
Der 19-jährigen Elisabeth Schneck gelang es, zu fliehen und unterzutauchen. Nach Kriegsende musste sie feststellen, dass ihre gesamte Familie tot und sie die einzige Überlebende war:
- Vater Josef, geboren am 21. März 1881, wurde am 13.Juni 1943 in Auschwitz ermordet.
- die Mutter, geboren am 1. Juli 1894 als Sofie Köhler, wurde am 29. April 1944 in Auschwitz ermordet.
- Schwester Paula, geboren am 29. Juni 1917, wurde am 9. Oktober 1943 in Auschwitz ermordet.
- Paulas kleine Tochter Renate, geboren am 13. Mai 1940 in München, verhungerte noch im März 1943 in Auschwitz.
- Bruder Donatus, geboren am 3. März 1925, wurde bei der Bombardierung der Gustloff-Werke am 24. August 1944 in Buchenwald getötet.
- Schwester Gisela, geboren am 20. Februar 1927, wurde am 27. September 1943 in Auschwitz erschlagen.
- Bruder Josef Maria, geboren am 8. August 1930, wurde am 29. April 1943 in Auschwitz ermordet.
Rechnet man ermordete Verwandte aus anderen Städten hinzu, fielen 30 Mitglieder der Familie dem Rassenwahn der Behörden zum Opfer. Ein großer Schatz an Wissen, musikalischen Fähigkeiten und handwerklichen Fertigkeiten ist für immer verloren.

In Anwesenheit der einzigen Überlebenden, Elisabeth Guttenberger, geb. Schneck, wurden die Stolpersteine am 14. März 2008 verlegt.

Elisabeth Guttenberger setzt sich zeitlebens dafür ein, dass Sinti- und Roma-Kinder eine optimale Bildung erhalten. Dazu hat sie den Verein "Bildung für Sinti und Roma in Ravensburg e.V." gegründet.

Recherche und Text: Stolperstein-Initiative Stuttgart-Ost

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