Biografie von Anna Jaffe
Simsonstr. 2
Anna Jaffé
Anna Jaffé wurde am 23. Mai 1890 in Glauchau geboren. Ihr Elternhaus bot die Voraussetzungen für sehr gute Bildungsmöglichkeiten in der damaligen Zeit. Der Großvater mütterlicherseits Jacob Nachod war Mitbegründer des Handelsunternehmens und Bankhauses Knauth, Nachod & Kühne. Er war der erste jüdische Stadtverordnete in Leipzig und begründete 1846 die Israelitische Religionsgemeinde Leipzig mit. Väterlicherseits wurde ihr vielleicht das Talent der darstellenden Künste mit in die Wiege gelegt, denn ihr Großvater war „Hofschauspieler“ in Dresden. Nach dem Abitur mit Hilfe der wenigen „Gymnasialkurse für Mädchen“ absolvierte Anna eine Ausbildung zur Konzertsängerin und Gesangslehrerin.
Ihre Cousine war Elfriede Maurer (siehe Stolperstein vor der Käthe-Kollwitz-Str. 33).
Über ihr musikalisches Engagement ist nichts bekannt. Anna Jaffé blieb ledig und wohnte auch nach dem Tod des Vaters 1919 und dem der Mutter 1924 in der elterlichen Wohnung im Erdgeschoss der Simsonstr. 2.
Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten änderte sich alles. Die Bedrohung aller jüdischen Menschen nahm von Jahr zu Jahr zu. Ihr fünf Jahre älterer Bruder Richard, der Richter am Leipziger Amtsgericht war, wurde 1935 entlassen. Die Menschen wurden stigmatisiert und enteignet, indem sie ihre Vermögen offenlegen mussten und nicht mehr selbst darüber verfügen konnten. Des Weiteren musste Frau Jaffé durch das „Gesetz über die Mietverhältnisse mit Juden“ vom April 1939 ihre Wohnung verlassen und in eines der sogenannten „Judenhäuser“ ziehen – zunächst in die Gohliser Str. 1 später in die Walter-Blümel-Str. 10 (heute Löhrstraße).
Am 10. Mai 1942 wurden 287 jüdische Menschen nach Bełźyce ins besetzte Polen deportiert, darunter auch Anna Jaffé (52 Jahre). Im nahegelegenen Ghetto Chodel kam sie ums Leben.
Recherchen: Dorothee Jünemann
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