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Alfred oo Brunhilde Levi, Friesenheimer Hauptstr. 87-89, Friesenheim

Biografie von Alfred und Brunhilde Levi

Friesenheimer Hauptstraße 87 und 89

Brunhilde Haberer, geb. am 03.05.1900, die jüngste Tochter des Benjamin Haberer, heiratete 1926 mit 25 Jahren den Kaufmann Alfred Levi, geb. am 30.11.1892, aus Offenburg. Er war damals 33 Jahre alt.
Sie lebten zusammen mit den Eltern Benjamin und Bertha Haberer in dem Haus Friesenheimer Hauptstraße 89. Es war ein stattliches Wohnhaus mit Ökonomie.
Im Stall stand sogar eine Kutsche.
Vater Benjamin Haberer und sein Schwiegersohn Alfred Levi betrieben im daneben liegenden Haus 87 ein Eisenwarengeschäft. Die Friesenheimer kauften beim „Benni Haberer" ihre Eisenwaren. Die groberen Dinge wie Eisen, Nägel und Schrauben gab es im vorderen Teil des Gebäudes, im hinteren Ladenbereich waren die Haushaltswaren untergebracht.
Benjamin Haberer starb im Alter von 66 Jahren am 28.02.1935. Er wurde auf dem Jüdischem Friedhof in Schmieheim als einer der letzten dort beerdigt.
Alfred und Brunhilde Levi lebten nunmehr mit ihrem Sohn Richard, der am 09.04.1927 in Freiburg zur Welt kam, alleine in der Friesenheimer Hauptstraße.
In der Reichskristallnacht 1938 wurde das Geschäft aufgebrochen.
Alfred Levi wurde verhaftet und war für einige Wochen im KZ Dachau verhaftet.
Durch Alfred Levi erfuhren die Friesenheimer von der Existenz der Konzentrationslager.
Wegen der Schutzhaft und dem Berufsverbot gingen die Geschäfte bei Levis sehr schlecht.
Die Zins- und Tilgungsverpflichtungen gegenüber der Spar- und Kreditbank Friesenheim konnten nicht eingehalten werden, es drohte die Zwangsversteigerung.
Wegen des enormen finanziellen Drucks beschließt daher die Erbengemeinschaft Benjamin Haberer, bestehend aus den Kindern Gustav Haberer, Lydia Bloch und Brunhilde Levi im Jahre 1939 die Veräußerung des Gebäudes.
Das Ehepaar Levi darf im Gebäude jedoch noch wohnen bleiben, wurde jedoch am 22.10.1940 nach Gurs deportiert und kommt später in Auschwitz ums Leben.
Beide werden zum 11.09.1942 für tot erklärt.
Brunhilde und Alfred Levi hatten erkannt, dass das Leben in Deutschland nicht mehr sicher war und schickten daher ihren Sohn Richard mit einem Kindertransport nach England.
Als Richard Levi im März 1939 mit vielen anderen Kindern über Holland nach England fuhr, sah er auf dem Offenburger Bahnhof seine Eltern zum letzten Mal.

Die Eisenhandlung Benjamin Haberer

Die Geschichte der Eisenhandlung Haberer lässt sich mehrere Generationen zurückverfolgen.
Im Jahre 1890 wohnt hier das Ehepaar Karl Haberer I., Handelsmann mit seiner Ehefrau Magdalena.
Die Haberers sind echte Friesenheimer, bereits ihre Eltern wohnen in Friesenheim.
Aus der Ehe stammen zwei Söhne. Der ältere, Isaak, stirbt bereits im Alter von 28 Jahren, Benjamin Haberer übernimmt den Handel von seinem Vater.
Benjamin Haberer wurde am 18.09.1868 in Friesenheim geboren. Er heiratete am 10.05.1895 die aus Diersburg stammende Bertha Weil. Mit ihr lebte er 37 Jahre zusammen, das Ehepaar hatte vier Kinder.
Der älteste Sohn Richard nahm am I. Weltkrieg teil und fiel als Musketier beim Inf. Reg. 112 in der Schlacht an der Somme; er war erst 20 Jahre alt, als er für Kaiser und Reich verstarb.
Der zweite Sohn Gustav verheiratete sich nach Offenburg und wanderte noch vor dem Holocaust in die USA, Chicago aus.
Die Tochter Lydia heiratete 1922 in Friesenheim den Bäckermeister Friedrich Bloch aus Freiburg. Anschließend zogen beide nach Freiburg.
Der Lebensweg der jüngsten Tochter Brunhilde ist oben beschrieben.

Übernommen und redigiert von bertram bliss aus:
Ekkehard Klem, Geschichte der Juden in Friesenheim, Erinnerungsplätze und Spuren, Verlag Medien und Dialog Klaus Schubert ISBN 3-933231-91-4

(Darin:
Fundstellen:
- 0SB Friesenheim 5233, 5243 und 5255
- Die Zwangsschule für jüdische Kinder in Freiburg 1936 - 1940
- Geschichtswerkstatt an der Lessing-Realschule Freiburg 2006 - 2008
Text: Joachim Sohn und Christian Zeller)

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Quellen & Impressum

Stolpersteininitiativen Lahr, Friesenheim, Schuttern, Nonnenweier, Kippenheim

Als kurze Vorabinfo: Grundlagen für die Stolpersteine in Lahr wurden gelegt durch intensive Recherchen und Veröffentlichungen von Hildegard Kattermann. Weiterhin durch intensive Recherchen und Bearbeitung von Gardy Ruder.
Die hier dargestellten Inhalte und Quellenmaterial werden recherchiert, vorbereitet, gesammelt und bereitgestellt durch den Historischen Verein Mitelbaden, Ortsgruppe Geroldsecker Land Projektgruppe Stolpersteine. Intensiv in die Arbeit mit eingebunden sind insbesondere Doris Gerteis, Bertram Bliss sowie durch städtische Unterstützung Elise Voerkel und Thorsten Mietzner vom Stadtarchiv Lahr.

Im Schuljahr 2013/2013 wurde in Zusammenarbeit mit der Schulklasse 10a der Friedrichschule unter Leitung ihrer Lehrerin gemeinsam mit dem Herausgeber Historischer Verein Mittelbaden, Regionalgruppe Geroldsecker Land mit vielen hier Unerwähnten ein kleines Buch als Anfang der öffentlich zugänglichen Dokumentation der Verfolgung und Ermordung von Lahrer Bürgern während des nazionalsozialistischen Terrorregimes erstellt.
ISBN978-3-89735-865-2.
Aktuell wird an einer erweiterten Neuauflage gearbeitet.

Inzwischen werden hier neben den Stolpersteinen in Lahr auch die der Nachbargemeinden Friesenheim, Schuttern dargestellt und eingepflegt.
Auch die Steine in Schwanau und Kippenheim werden inzwischen mit verortet.

Recht herzlichen Dank für die Zurverfügungstellung der externen Informationen an
- Ekkehard Klem, Friesenheim
- Martin Buttenmüller, Schuttern
- Stolpersteininitiative um Dagmar Frenk sowie Martin Frenk mit Norbert Klein sowie
Pfadfindergruppe Regenbogen, Nonnenweier.
- Jürgen Stude als Vertreter des Fördervereins Ehemalige Synagoge Kippenheim.

Die Stolpersteine in Lahr werden regelmässig in Zusammenarbeit mit Lahrer Schülern gereinigt, seit 2023 führt der Projekttag mit Gruppenarbeit schulübergreifend in die Geschichte ein.

Neben Stolpersteinen sind auch Orte der Erinnerung mit dargestellt, welche im Zusammenhang mit den Stolpersteinen und der Geschichte der Verfolgung relevant sind.
Geschlechts- und Alterszuordnung ist bei Orten der Erinnerung programmbedingt nicht vermeidbar und nicht relevant.

Die Inhalte des Stolpersteine-Guide für Lahr und die oben genannten Umlandgemeinden werden administrativ verwaltet von Bertram Bliss, Fichtestr. 58 in Lahr.

Lahr, den 27.01.2025