Biografie von Meta Oppenheimer
Meta Oppenheimer wurde am 2. Juni 1887 in Stuttgart geboren.
Ihre Eltern waren Auguste Oppenheimer, geborene Schnell, die 1866 in Cannstatt geboren wurde und Moritz Oppenheimer, der 1856 im badischen Gemmingen geboren wurde.
Meta Oppenheimer heiratete am 14. Mai 1908 den neun Jahre älteren Isidor Kauffmann.
Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor:
Hans Siegfried, geboren am 8. Juni 1909 in Stuttgart
Margot, geboren am 4. August 1910 in Stuttgart
Elfriede, geboren am 31. Juli 1912
Helmut (später Harry) geboren am 6. April 1915
Die Ehe wurde am 10. Dezember 1920 geschieden, Meta Oppenheimer nahm offenbar wieder ihren Mädchennamen an, denn unter diesem war sie an ihrer Wohnadresse in der Libanonstr. 31 im Stuttgarter Osten gemeldet.
Die beiden Söhne wurden Kaufleute. Tochter Elfriede starb am 22. April 1932 im Alter von noch nicht 30 Jahren an Tuberkulose. Ihr Grab befindet sich auf dem israelitischen Teil des Pragfriedhofs.
Die Nationalsozialisten änderten im Sommer ihre sogenannte „Judenpolitik“ und setzen nicht mehr auf die Vertreibung der deutschen Juden ins Ausland – man hatte zunächst über Polen und Madagaskar diskutiert -, sondern planten den Völkermord an ihnen. Die Morden an Menschen mit Behinderung oder Erkrankung, die von den Nazis nach Kriegsbeginn durchgeführt wurden – allein mehr als 10 000 wurden in Grafeneck ermordet -, dienten hierbei als Probelauf.
Auf Anordnung des Reichssicherheitshauptamtes versandte die Gestapo / Staatspolizeileitstelle Stuttgart an alle Landräte und Polizeidirektoren den Erlass zur „Abschiebung von Juden“ mit dem Vermerk „Eilt sehr“. Dabei wurden die Empfänger in Kenntnis gesetzt, dass am 1. Dezember 1941 ein Transport von eintausend Jüdinnen und Juden ins sogenannte Reichskommissariat Ostland" gehen sollte. Ältere Jüdinnen und Juden wurden vorab zu Sammelorten verbracht.
Die 54-jährige Meta Oppenheimer wurde im Herbst 1941 zwangsweise von Stuttgart in das Schloss Weißenstein bei Göppingen verbracht. Die 58 dort internierten Personen – es waren zumeist ältere Frauen aus dem Raum Stuttgart – durften sich nur im Schlosshof und auf einem kleinen Spazierweg davor frei bewegen.
Am 27. November 1941 wurden alle 1000 Jüdinnen und Juden aus verschiedenen Gemeinden und Städten in er ehemaligen Blumenhalle auf dem Killesberg in Stuttgart gesammelt. Ihnen war vorgeschrieben, was sie mitnehmen durften:
bis zu Reichsmark 50,- in Reichskreditscheinen
1 oder 2 Koffer mit Ausrüstungsstücken mit einem maximalen Gewicht von 50 kg
Bettzeug, bestehend aus 1 bis 2 Wolldecken, 2 Leintüchern und für 2 Personen, 1 vollständige Matratze, jedoch ohne Kopfkeil
Vollständige Bekleidung, besonders warmes Überzeug und ordentliches Schuhwerk
Mundvorrat für 1 bis 2 Tage
Essgeschirr: Teller oder Topf mit Löffel
Verboten war die Mitnahme von Wertpapieren und Devisen und Wertsachen jeglicher Art wie Gold, Silber und Platin - ausgenommen davon der Ehering. Alles andere Gepäck sollte von einer Spedition aus Stuttgart eingesammelt werden. So erweckte die NS-Administration, dass die betroffenen Jüdinnen und Juden im Osten in einem Ghetto oder Arbeitslager angesiedelt werden sollten.
Infamer Weise wurde die jüdische Kultusvereinigung in Stuttgart darauf verpflichtet, die zu deportierenden Personen zu benennen und diese über ihre – wie es hieß - "Evakuierung" zu informieren. Die Gestapo zog sich zurück auf das Überprüfen der Listen.
Die Nazis ließen sogar einen Propagandafilm von am Killesberg erstellen, ein Zeugnis, das bis heute zur Verfügung steht und das die letzten Bilder der Menschenzeigt, von denen nur eine einzige Person die Deportation ins Konzentrationslager Riga überlebte.
Mit Verschleppung ersten 1000 jüdischen Bürgerinnen und Bürger am 1. Dezember 1941 von Stuttgart nach Riga begann die systematische Verschleppung und Ermordung der Jüdinnen und Juden aus Württemberg und Hohenzollern. Unter diesen Menschen befand sich auch Meta Oppenheimer und ihr geschiedener Mann Isidor Kauffmann, sowie deren Sohn Hans Siegfried Kauffmann. Alle drei wurden in Riga ermordet – vermutlich erschossen im Wäldchen von Bikerniki.
Die SS in Riga hatte schon vor dem Eintreffen des Transports die Rigaer Jüdinnen und Juden, für die das Ghetto Jungfernhof errichtet worden war, in Massenerschießungen ermordet, um Platz zu schaffen für den ankommenden Transport aus Stuttgart. Die Menschen wurden in ehemaligen Scheunen und Ställen untergebracht. Im März 1942 erschoss die SS mehr als 1600 arbeitsfähige Jüdinnen und Juden aus dem Lager – darunter viele aus dem Stuttgarter Transport.
Unter ihnen vermutlich Meta Oppenheimer, ihr geschiedener Mann Isidor Kauffmann und der gemeinsame älteste Sohn Hans Siegfried, der zu diesem Zeitpunkt 32 Jahre alt war.
Wie es die Familie geschafft hat, dass Tochter Margot Kauffmann nach England und Sohn Helmut in die USA fliehen konnten, wissen wir nicht. Später nannte sich Helmut Kauffmann, der die Stöckach-Realschule und die Friedrich-Eugen-Oberschule besucht und eine Handwerkerausbildung absolviert hatte, in den USA Harry Kauffmann. Er heiratete und bekam zwei Kinder. Seine Schwester, die 1960 in England starb, blieb unverheiratet.
Die beiden Geschwister sahen ihre Eltern und den ältesten Bruder nicht wieder. Diese galten lange als vermisst und wurden erst am 31. Dezember 1945 für tot erklärt.
Recherche und Text: Gerhard Hiller und Gudrun Greth, Stolperstein-Initiative Stuttgart-Ost
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