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Familie Baum, Nonnenweierer Hauptstr. 13, Schwanau-Nonnenweier

Biografie von Bertha Baum geb. Meier, Moritz Baum, Alice Baum geb. Moch und Walter Baum

Stolpersteinverlegung am 18.03.2023

Bertha Baum geb. Meier, Moritz Baum, Alice Baum geb. Moch, Walter Baum

Bertha Baum geborene Meier, kam am 23. Juni 1875 in Nonnenweier zur Welt.
Sie war die Ehefrau von Emanuel Baum. Emanuel war sehr wohlhabend und besaß ein großes, stattliches Haus in der heutigen Nonnenweierer Hauptstraße 13.
Als Viehhändler züchte er selber Pferde und Kühe, daher war er im 1. Weltkrieg vom Lahrer Oberamtmann beauftragt worden, die Lahrer Garnisonen mit Fleisch zu versorgen.
Die beiden hatten drei Kinder: Metha, geboren 1892, Moritz, geboren am 14. August 1897 sowie Julius, geboren 1904.
Metha heiratete Louis Gros und zog mit ihm nach Muhlhouse ins Elsass.
Julius zog ebenfalls ins Elsass und wohnte in Colmar.

Moritz übernahm den Viehhandel seines Vaters, als dieser am 11. April 1930 im Alter von 63 Jahren starb. Moritz heiratete 1924 Alice Moch, geboren am 13. April 1904 in Groß-Rohrheim in der Nähe von Darmstadt. Vermutlich hatte diese Hochzeit einer der jüdischen Heiratsvermittler arrangiert.
Nach dem 1. Weltkrieg hatte der Antisemitismus im Deutschen Reich zugenommen. Daher verhielten sich die jüdischen Ehepaare in der Familienplanung sehr vorsichtig. Früher hatten die jüdischen Familien in Nonnenweier bis zu zehn Kinder.
Alice bekam nur einen Sohn. Walter wurde am 4. August 1925 geboren. Zu dieser Zeit gab es nur noch drei jüdische Kinder in Walters Alter in Nonnenweier. Daher war er einer der wenigen „Blitzableiter“ für seine gehässigen Mitschüler, bei denen die Wut auf die deutschen Juden vermutlich von ihren Eltern und ihren Lehrern geschürt wurde.
Die Eltern zogen es zum Schutz ihres 12jährigen Sohnes vor, 1937 in die USA auszuwandern.
Dort war der Neubeginn sehr schwer, denn in den USA waren sie nun die verhassten Deutschen. Moritz arbeitete zunächst in mehreren Fabriken, bevor er eine kleine Farm nach Nonnenweier Muster aufbaute, die er bis zu seinem Tod im Jahr 1979 betrieb.
Walter arbeitete mit viel Fleiß, bis er sich selbständig machen konnte und eine Hutfabrik erwerben konnte. Er heiratete Merle, die in den USA geboren worden war und hatte mit ihr zwei Söhne: Winthrop und Mark. Mit ihnen reiste er kurz vor seinem Tod 2013 nach Deutschland, um noch einmal seinen Geburtsort Nonnenweier zu besuchen. Winthrop pflegt bis heute noch freundschaftliche Beziehungen zur ehemaligen Nachbarsfamilie Schlager/Merkt/Barreto.
Bertha, die in Nonnenweier geblieben war, wurde am 22.10.1940 mit 17 weiteren jüdischen Einwohnern von Nonnenweier in das südfranzösische Internierungslager Gurs verschleppt. Wegen der schlechten Lagerbedingungen erkrankte die die 67jährige und wurde in das jüdische Altersheim in St. Astier verlegt, in dem ihr die Deportation in ein Vernichtungslager erspart blieb. Mit 69 Jahren starb sie im Altersheim in St. Astier.

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Quellen & Impressum

Stolpersteininitiativen Lahr, Friesenheim, Schuttern, Nonnenweier, Kippenheim

Als kurze Vorabinfo: Grundlagen für die Stolpersteine in Lahr wurden gelegt durch intensive Recherchen und Veröffentlichungen von Hildegard Kattermann. Weiterhin durch intensive Recherchen und Bearbeitung von Gardy Ruder.
Die hier dargestellten Inhalte und Quellenmaterial werden recherchiert, vorbereitet, gesammelt und bereitgestellt durch den Historischen Verein Mitelbaden, Ortsgruppe Geroldsecker Land Projektgruppe Stolpersteine. Intensiv in die Arbeit mit eingebunden sind insbesondere Doris Gerteis, Bertram Bliss sowie durch städtische Unterstützung Elise Voerkel und Thorsten Mietzner vom Stadtarchiv Lahr.

Im Schuljahr 2013/2013 wurde in Zusammenarbeit mit der Schulklasse 10a der Friedrichschule unter Leitung ihrer Lehrerin gemeinsam mit dem Herausgeber Historischer Verein Mittelbaden, Regionalgruppe Geroldsecker Land mit vielen hier Unerwähnten ein kleines Buch als Anfang der öffentlich zugänglichen Dokumentation der Verfolgung und Ermordung von Lahrer Bürgern während des nazionalsozialistischen Terrorregimes erstellt.
ISBN978-3-89735-865-2.
Aktuell wird an einer erweiterten Neuauflage gearbeitet.

Inzwischen werden hier neben den Stolpersteinen in Lahr auch die der Nachbargemeinden Friesenheim, Schuttern dargestellt und eingepflegt.
Auch die Steine in Schwanau und Kippenheim werden inzwischen mit verortet.

Recht herzlichen Dank für die Zurverfügungstellung der externen Informationen an
- Ekkehard Klem, Friesenheim
- Martin Buttenmüller, Schuttern
- Stolpersteininitiative um Dagmar Frenk sowie Martin Frenk mit Norbert Klein sowie
Pfadfindergruppe Regenbogen, Nonnenweier.
- Jürgen Stude als Vertreter des Fördervereins Ehemalige Synagoge Kippenheim.

Die Stolpersteine in Lahr werden regelmässig in Zusammenarbeit mit Lahrer Schülern gereinigt, seit 2023 führt der Projekttag mit Gruppenarbeit schulübergreifend in die Geschichte ein.

Neben Stolpersteinen sind auch Orte der Erinnerung mit dargestellt, welche im Zusammenhang mit den Stolpersteinen und der Geschichte der Verfolgung relevant sind.
Geschlechts- und Alterszuordnung ist bei Orten der Erinnerung programmbedingt nicht vermeidbar und nicht relevant.

Die Inhalte des Stolpersteine-Guide für Lahr und die oben genannten Umlandgemeinden werden administrativ verwaltet von Bertram Bliss, Fichtestr. 58 in Lahr.

Lahr, den 27.01.2025