Biografie von Markus Meier Wertheimer und Julie Ida Wertheimer, geb. Bloch
Stolpersteinverlegung am 23.02.2025
Schmidtenstr. 18, 77963 Schwanau-Nonnenweier
Markus Meier Wertheimer, geboren am 9. Januar 1879 in Nonnenweier, entstammt einer alten jüdischen Familie, die sich bereits im 17. Jahrhundert in Nonnenweier niedergelassen hatte. Seine Eltern Moritz und Babette hatten zehn Kinder, von welchen sieben überlebten. Ein Jahr, nachdem der Älteste im Alter von einem Jahr gestorben war, wurde Markus Meier geboren.
Markus heiratete mit 27 Jahren am 11. Juli 1906 die 22jährige Julie Ida Bloch aus Eichstetten.
Ein Jahr später, am 19.07.1906, kam die erste Tochter Erna zur Welt, doch bereits im Jahr darauf wurde die Familienfreude getrübt, als die zweite Tochter kurz nach der Geburt starb.
Rosa Lisa, die dritte Tochter, wurde am 14. April 1910 geboren.
Erna und Rosa Lisa wuchsen unbeschwert in Nonnenweier auf, denn Vater Markus hatte einen gutgehende Mehl- und Getreidegroßhandel.
Als sie jedoch heirateten, zogen sie es vor, sich Männer von außerhalb zu wählen. Erna heiratete den Kaufmann Julius Baer aus Butzbach in Hessen und Rosa Lisa zog es in die Schweiz, wo sie den Händler Arthur Neuhaus ehelichte, der in Winterthur ein Möbelgeschäft führte.
Nachdem mit den Rassegesetzen des Jahres 1935 die jüdischen Einwohner immer mehr unter dem Antisemitismus zu leiden hatten und Julius Baer wegen der Beleidigung einer SA-Ehefrau für einige Wochen in einem Konzentrationslager inhaftiert wurde, verkaufte er sein Geschäft in Butzbach und emigrierte nach Frankreich und gründete im elsässischen Molsheim mit Hilfe von Markus ein neues Geschäft. Als Markus und Julie Ida ihre Tochter Erna 1936 in Molsheim besuchten, beschlossen sie, nicht mehr nach Nonnenweier nicht mehr zurückzukehren. Bei der Grenzkontrolle waren sie so schikaniert worden, dass sie sich eine Rückkehr nicht mehr zutrauten. Mit Hilfe von Rosa Lisa aus der Schweiz konnten sie das Inventar nach Molsheim holen, das Geschäft und das Anwesen waren aber für die Familie verloren. Das war für Markus alles zu viel, so dass er bereits am 1. Mai 1939 in Molsheim sehr früh mit 60 Jahren starb.
Zu Kriegsbeginn wurde Schwiegersohn Julius zunächst als „feindlicher Ausländer“ interniert und diente dann bei der englischen Armee als „Versorger“. Tochter Erna war so geistesgegenwärtig, so dass sie bereits kurz vor der deutschen Invasion in Frankreich mit ihrer Mutter und den beiden Söhnen Arnold und Rolf nach Perigueux in Südfrankreich flüchtete.
Durch ein Wunder stieß Julius wieder zu seiner Familie. Zwei Jahre lebte die Familie in verschiedenen Verstecken in Südfrankreich und war immer auf der Flucht. Mit Fluchthelfern gelang ihnen am 9. Oktober 1942 in die Schweiz zu entkommen. Durch die Unterstützung von Tochter Rosa Lisas Familie in Winterthur, konnten die Flüchtlinge bis zum Kriegsende in Engelberg unterkommen. Nach Kriegsende konnten sie wieder alle nach Molsheim zurückkehren, wo Julius wieder sein Geschäft und auf wundersame Weise viele verschwundenen Möbelteile zurückbekam. Mutter Julie Ida (1963) und Tochter Erna (1980) starben in Molsheim, Schwiegersohn Julius 1981 in einem Hotel mit Thermalbad in Rheinfelden in Baden.
Nachdem Arnold und Rolf Holocaust in Frankreich überlebt hatten, begannen ihre berufliche Karrieren zunächst in Frankreich, dann zogen die beiden es aber vor, dieses Land zu verlassen und emigrierten nach Israel.
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Quellen & Impressum
Stolpersteininitiativen Lahr, Friesenheim, Schuttern, Nonnenweier, Kippenheim
Als kurze Vorabinfo: Grundlagen für die Stolpersteine in Lahr wurden gelegt durch intensive Recherchen und Veröffentlichungen von Hildegard Kattermann. Weiterhin durch intensive Recherchen und Bearbeitung von Gardy Ruder.
Die hier dargestellten Inhalte und Quellenmaterial werden recherchiert, vorbereitet, gesammelt und bereitgestellt durch den Historischen Verein Mitelbaden, Ortsgruppe Geroldsecker Land Projektgruppe Stolpersteine. Intensiv in die Arbeit mit eingebunden sind insbesondere Doris Gerteis, Bertram Bliss sowie durch städtische Unterstützung Elise Voerkel und Thorsten Mietzner vom Stadtarchiv Lahr.
Im Schuljahr 2013/2013 wurde in Zusammenarbeit mit der Schulklasse 10a der Friedrichschule unter Leitung ihrer Lehrerin gemeinsam mit dem Herausgeber Historischer Verein Mittelbaden, Regionalgruppe Geroldsecker Land mit vielen hier Unerwähnten ein kleines Buch als Anfang der öffentlich zugänglichen Dokumentation der Verfolgung und Ermordung von Lahrer Bürgern während des nazionalsozialistischen Terrorregimes erstellt.
ISBN978-3-89735-865-2.
Aktuell wird an einer erweiterten Neuauflage gearbeitet.
Inzwischen werden hier neben den Stolpersteinen in Lahr auch die der Nachbargemeinden Friesenheim, Schuttern dargestellt und eingepflegt.
Auch die Steine in Schwanau und Kippenheim werden inzwischen mit verortet.
Recht herzlichen Dank für die Zurverfügungstellung der externen Informationen an
- Ekkehard Klem, Friesenheim
- Martin Buttenmüller, Schuttern
- Stolpersteininitiative um Dagmar Frenk sowie Martin Frenk mit Norbert Klein sowie
Pfadfindergruppe Regenbogen, Nonnenweier.
- Jürgen Stude als Vertreter des Fördervereins Ehemalige Synagoge Kippenheim.
Die Stolpersteine in Lahr werden regelmässig in Zusammenarbeit mit Lahrer Schülern gereinigt, seit 2023 führt der Projekttag mit Gruppenarbeit schulübergreifend in die Geschichte ein.
Neben Stolpersteinen sind auch Orte der Erinnerung mit dargestellt, welche im Zusammenhang mit den Stolpersteinen und der Geschichte der Verfolgung relevant sind.
Geschlechts- und Alterszuordnung ist bei Orten der Erinnerung programmbedingt nicht vermeidbar und nicht relevant.
Die Inhalte des Stolpersteine-Guide für Lahr und die oben genannten Umlandgemeinden werden administrativ verwaltet von Bertram Bliss, Fichtestr. 58 in Lahr.
Lahr, den 27.01.2025