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Meyerstein, Elfriede und Tochter Käthe

Biografie von Elfriede Meyerstein und Käthe Huth

Elfriede Meyerstein und Käthe Huth – Hinrichsenstr. 19

Elfriede Meyerstein, geb. Feibelsohn, wurde am 27.2.1871 in Breslau geboren. 20-jährig kam sie über Berlin nach Leipzig. Hier betrieb ihr Ehemann Menny Meyerstein mit seiner Familie ein Textilhandelsunternehmen. Am 18.4.1893 kam ihre Tochter Käthe zur Welt.
Nachdem Menny im Herrenausstatter-Geschäft seines Vaters in Wurzen arbeitete, gründete er mit seinem Bruder Nathan im Jahr 1901 ein eigenes Geschäft (Wollhandel) in der Leipziger Packhofstr. 7. Im Jahr 1914 zog der Familienbetrieb in die Humboldtstr. 23. Nachdem Nathan Meyerstein 1907 starb, beteiligten sich verschiedene nichtjüdische Gesellschafter an der Firma.
Nach jahrelanger Krankheit starb Menny Meyerstein im Jahr 1928. Nachdem die Familie viele Jahre in der Fritzschestraße 10 (heute Schorlemmerstr.) wohnte, zog Elfriede, nun verwitwet, 1931 zur ihrer Tochter Käthe Huth in die heutige Hinrichsenstr. 19. Käthe Meyerstein war von 1920 bis 1923 mit Carl Huth verheiratet. Er lebte in Breslau und wurde 1941 von Berlin aus deportiert.

Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde Elfriede gnadenlos enteignet. Ihr Ehemann Menny hatte durch Aktienkäufe für die Familie vorgesorgt. Auf der Grundlage der „Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ vom 26.4.1938 musste sie Wertpapiere der Familie dem Staat anbieten. So wurde sie gezwungen, zunächst ausländische Aktien an den Staat zu verkaufen. Eine weitere Enteignung vollzog sich nach der Pogromnacht am 9./10. November 1938. Die jüdische Bevölkerung musste durch eine sog. „Sühneleistung“ für die entstandenen Schäden selbst aufkommen. In fünf Raten bis Ende 1939 wurde weiteres Vermögen durch den Staat beschlagnahmt.

Im Vorfeld ihrer Deportation in das Ghetto Theresienstadt musste Elfriede Meyerstein weiterhin einen sog. „Heimeinkaufsvertrag“ abschließen. Damit wurde sie endgültig enteignet. Ihr wurde in Aussicht gestellt, in Theresienstadt in ein „Altersheim“ zu kommen, wofür sie aber die Kosten selbst tragen musste. Diese Zwangsverträge sicherten den Menschen eine lebenslange kostenfreie Unterbringung, Verpflegung und Krankenversorgung zu. Neben einer errechneten Vorauszahlung (150 RM bis zum Erreichen des 85. Lebensjahres) wurden weitere Abgaben und Vermögensübertragungen gefordert. Diese Vermögenswerte fielen dem Reichssicherheitshauptamt (RSHA) zu. Am 19.9.1942 wurde Elfriede nach Theresienstadt deportiert, nachdem der Staat ihre Vermögenswerte von ca. 65.000 RM eingestrichen hatte. Statt in einem „Altersheim“ befanden sich die Menschen nun in einem Ghetto mit unerträglichen hygienischen Bedingungen, Hunger und ohne medizinische Versorgung. Elfriede Meyerstein (71 Jahre) kam am 15.10.1942 ums Leben.

Bereits zuvor wurde ihre Tochter Käthe Huth (49 Jahre) am 10.5.1942 in das Ghetto Bełźyce deportiert. Hier angekommen wurden die Menschen entweder in den Vernichtungslagern (Sobibor, Treblinka, Bełźec) ermordet oder im KZ Majdanek durch Zwangsarbeit zu Tode gequält.

Patenschaft: Kristian Haja

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