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Familie Jacobsohn

Biografie von Max Jacobsohn und Antonie Jacobsohn geb. Vyth

Max Jacobsohn kam Ende des 19. Jahrhunderts nach Goch. 1890 eröffnete er ein Manufaktur- und Konfektionswarengeschäft. Im gleichen Jahr heiratete er die aus einer alteingesessenen Gocher Familie stammende Fanny Sternefeld, die jedoch 1896 kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes verstarb. Ein Jahr später schloss der Witwer die Ehe mit Antonie Vyth aus Kalkar, die als Angestellte in seinem Geschäft tätig war. Zwei weitere Töchter wurden geboren. Die Kinder wuchsen heran, heirateten und verließen Goch. Max und Antonie Jacobsohn betrieben ihr Kaufhaus weiter, bis die Machtübernahme der Nationalsozialisten die Lebenspläne der Familie zerstörte. Schon 1934 gaben sie ihr Geschäft auf und mieteten eine Wohnung in Kleve in der Hohenzollernstraße 52 (heute Ringstraße). Nicht angenehm wird für sie gewesen sein, dass sich in unmittelbarer Nähe das Hotel Rheingold befand, in dessen Festsaal die nationalsozialistischen Versammlungen, oft verbunden mit großen Aufmärschen, stattfanden. Der NSDAP-Kreisleiter Friedrich Neven war seit 1935 ihr Nachbar. Schließlich entschlossen sie sich, Deutschland endgültig zu verlassen. Sie zogen im Februar 1937 nach Nimwegen. Hier verstarb Max Jacobsohn am 26. Februar 1938 im Alter von 76 Jahren. Im Juni 1939 zog Antonie Jacobsohn nach Hilversum zur Familie ihrer Tochter Louise, die nach dem Novemberpogrom zunächst ebenfalls in die Niederlande emigriert war. Ihre Bemühungen, Visa für die Einreise in die USA zu erhalten, zogen sich jedoch hin, und wurden durch den deutschen Überfall auf die Niederlande am 10. Mai 1940 endgültig zunichte gemacht. Allen war bewusst, dass sie jetzt in der Falle saßen. Im Herbst 1942 mussten sie Hilversum verlassen. Nun trennten sich ihre Wege. Antonie Jacobsohn zog zu ihrer Schwester Paula, die seit langem in den Niederlanden verheiratet war, in einen überwiegend von Juden bewohnten Stadtteil von Amsterdam. Am 2. April 1943 wurde sie verhaftet, in das Durchgangslager Westerbork gebracht und einen Monat später zusammen mit 1187 anderen Inhaftierten, darunter auch einer weiteren Schwester von Antonie Jacobsohn, in Viehwaggons in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und unmittelbar nach ihrer Ankunft am 7. Mai 1943 vergast. Antonie Jacobsohn wurde 72 Jahre alt. Zuvor war schon die Familie ihrer Schwester Paula in Sobibor ermordet worden. Auch ihre Tochter Louise und deren Ehemann überlebten die Judenvernichtung nicht. Zwar gelang es ihnen, mit Hilfe einer Untergrundorganisation ihre beiden Töchter in ein Versteck zu bringen, doch die Eltern wurden aufgegriffen. Über das Konzentrationslager Vught und das Lager Westerbork wurden sie nach Sobibor deportiert und am 21. Mai 1943 ermordet. Ihre Töchter überlebten und emigrierten 1947 in die USA.

Max Jacobsohn (Haltern 1861 – 1938 Nimwegen)
Antonie Jacobsohn geb. Vyth (Kalkar 1877 – 1943 Sobibor, Vernichtungslager)

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Quellen & Impressum

Haus der Begegnung – Beth HaMifgash e.V.

mifgash.de
Die AG Geschichte besteht seit April 2014. Ihre Aufgabe ist die weitere Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Kleve.

Autorin und Ansprechpartnerin: Helga Ullrich-Scheyda · helga@scheyda.de