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Wormser Straße 4

Biografie von David Rüb, Bertha Rüb, Hedwig Hartogsohn und Carl Hartogsohn

David Rüb, geb. 25.09.1878 in Guntersblum. Er war Sohn der Eheleute Daniel und Dina Rüb, geb. Süß. Nach Schule und Berufsausbildung arbeitete er als Kaufmann, Immobilienmakler und Nebenerwerbswinzer.

Bertha Rüb, geb. 05.04.1881 in Friedelsheim bei Bad Dürkheim. Sie war die Tochter und das vierte Kind von Tobias Dornberger und Henriette Seelenberger. Am 02. November 1905 heiratete sie in Friedelsheim David Rüb.

Nach der Hochzeit wohnten sie zur Miete in der Hauptstraße 61 bei der Familie Otto Schätzel in Guntersblum, später in ihrem Haus in der Wormser Str. 4. Das Paar hatte zwei Kinder: Emil, geb. 23.08.1906 und Hedwig, genannt „Hede“ geb. 15.04.1911.

Hedwig Hartogsohn, geb. Rüb, geb. 15.04.1911 in Guntersblum. Sie wuchs in der Wormser Straße 4 auf und besuchte nach der Grundschule das Eleonoren-Gymnasium in Worms. Nach ihrer Ausbildung zur Hauswirtschafterin in Hamburg heiratete sie am 25.08.1937 in Frankfurt-Höchst den Kantor und Religionslehrer Karl Hartogsohn.

Karl Hartogsohn, geb. 27. Juli 1905 in Emden. Er war das jüngste von sieben Kindern des Ehepaares Isaak und Rosa Hartogsohn. Seine Mutter starb 1917. Er besuchte die jüdische Volksschule in Emden und absolvierte von 1919 bis 1923 eine Lehre als Klempner und Installateur. Später bildete er sich zum Kantor, Religionslehrer und Schächter weiter und arbeitete von September 1930 bis August 1936 in Hadamar und Groß-Gerau. Ab September 1936 war er in Höchst als Kantor und Religionslehrer tätig. Im August 1937 heiratete er Hedwig Rüb. Aufgrund der zunehmenden Emigration von Gemeindemitgliedern und der Zerstörung der Synagoge in Höchst 09.11.1938 wurde seine Stelle Ende 1938 aufgehoben.

David Rüb war seit 1910 Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde Guntersblum und ab 1918 deren Vorsitzender. In dieser Funktion musste er am 28.12.1938 die Synagoge an den Anrainer Georg Friedrich Schmitt verkaufen. Der Verkaufspreis von 1000 RM kam „zugunsten der Verkäuferin“ auf ein Sperrkonto, verblieb also im Besitz des NS-Staats.

Während des Novemberpogroms am 10. November 1938 wurde David Rüb zusammen mit fünf anderen jüdischen Bürgern Guntersblums am Morgen verhaftet und musste an einem mehrstündigen „Schandmarsch“ durch Guntersblum sowie an der anschließenden Verbrennung der religiösen Kultgegenstände aus der Synagoge auf dem Rathausplatz teilnehmen. Währenddessen wurden in seinem Haus in der Wormser Str. 4 von den randalierenden Horden Guntersblumer und auswärtiger Nationalsozialisten so starke Verwüstungen angerichtet, dass es unbewohnbar war. Auch der häusliche Flaschenweinkeller wurde geplündert. Sogar die am Spätnachmittag zum Schutz des Hauses von dem Ortsbürgermeister/Ortsgruppenleiter eingeteilten Wachen griffen vereinzelt zu. David Rüb wurde am Ende des Tages im Amtsgerichtgefängnis in Oppenheim für eine Nacht in "Schutzhaft" genommen.

Bertha Rüb wurde am Abend des 10.11.1938 von ihrer Tochter Hede in deren Wohnung nach Frankfurt-Höchst geholt. David Rüb folgte am nächsten Tag. Auch in Frankfurt kümmerte sich David Rüb noch um ehemalige Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Guntersblum. Am 23. Mai 1939 wurde der Besitz von David Rüb in Guntersblum zwangsversteigert.

Das Ehepaar Hartogsohn sowie das Ehepaar Rüb zogen am 28.12.1938, nachdem ihnen die Wohnung in Höchst aufgrund eines antijüdischen Mietgesetzes gekündigt worden war, notgedrungen in die Seilerstraße 9 nach Frankfurt um.

Ein auf der Grundlage einer Bürgschaft erteiltes, jedoch nur bis zum 21.09.1940 zeitlich begrenztes Ausreisevisum in die USA konnte das Ehepaar Hartogsohn mangels finanzieller Mittel für die Überfahrt nicht termingerecht in Anspruch nehmen, es verfiel und vereitelte so ihre Flucht in die USA.

Am 12. November 1941 wurde Karl Hartogsohn zusammen mit seiner schwangeren Ehefrau Hedwig, ihren Eltern, David und Bertha Rüb sowie weiteren 1049 Personen von Frankfurt aus ins Ghetto Minsk deportiert und dort ermordet.

Sohn Emil, geb. 23.08.1906 in Guntersblum gelang am 14.09.1938 über Köln und Southampton mit der „SS-Hansa“ die Flucht nach New York/USA. Ab März 1939 fand er eine Arbeit als Fotograf in einem Fotogeschäft in Hanover/New Hampshire. Dort heiratete er am 08.03.1946 seine nicht jüdische Verlobte Elisabeth Bickel, geb. 20.03.1909 aus Worms, welche vom Mai 1940 bis 25.01.1941 als „enemy alien“ auf der Isle of Man interniert war und erst am 28.02.1946 mit Pan Am nach New York kommen konnte. Ihre gemeinsame Tochter wurde 1948 geboren und nach Emils Großmutter Dina (Dena) benannt.

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