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Richard Cohen

Biografie von Dr. Richard Cohen

Dr. Richard Cohen war.über 30 Jahre lang ein angesehener Arzt und Lokalpolitiker in Scharmbeck.
Dr. Richard wurde 1872 als Kind der Eheleute Meyer Cohen und Elise Cohen in der Hohetorstraße 14 geboren. ( früher die Neue Apotheke ).
Sein Vater war ein alteingesessener Kaufmann in Osterholz, aktiv im Schützenverein und einer der Mitbegründer des Osterholzer Erntefestes.
Vier von Richard Cohens Geschwistern starben bereits im Kindesalter.
Sein ältester Bruder Alfred (1864-1942) übernahm das elterliche Geschäft in Osterholz und der zweitälteste Bruder Siegmund (1871-1939) einen Manufakturladen in der Bahnhofstraße.
Anmerkung: Für den Bruder Siegmund Cohen und seiner Familie wurden im Juni 2022 Stolpersteine in der Lindenstraße verlegt. Ebenfalls durch Gunter Demnig.
Richard Cohen besuchte zunächst die jüdische Elementarschule hier der Synagoge in der Bahnhofstraße 105 und danach eine höhere Fortbildungsschule in Bremen.
Anschließend studierte er Medizin in Berlin und promovierte dort zum Doktor der Medizin.
Er ließ sich anschließend als Arzt in Ritterhude nieder, übernahm aber wenig später im Jahr 1899 eine Praxis in Scharmbeck, in der späteren Marktstraße 5.
Seine Wohnung und seine Praxis befanden sich im 1. Stock.
Richard Cohen war seinem Vaterland verbunden, flaggte bei öffentlichen Anlässen und meldete sich im 1. Weltkrieg freiwillig zum Kriegsdienst.
An der französischen Front diente er als Sanitäts-Arzt und wurde mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet.
1917 wurde er in Scharmbeck zum Bürgervorsteher gewählt.
1919 war Dr. Cohen Spitzenkandidat der „Bürgerlichen Liste“ und wurde in den Kreisstag gewählt.
Dr. Richard Cohen war ein sehr beliebter und geschätzter Arzt, der bei Hausbesuchen nicht nur Patienten aus Osterholz-Scharmbeck, sondern mit dem Fahrrad, auch seine Patienten in Hülseberg, Ohlenstedt, Freissenbüttel, Garlstedt und Heilshorn aufsuchte.
In den schweren Zeiten der Weltwirtschaftskrise unterstütze er Familien, indem er sie oftmals kostenlos behandelte und auch deren Medikamente zahlte.
Kindern aus ärmlichen Verhältnissen beschenkte er z.B. zum Weihnachtsfest mit Süßigkeiten und Gebäck.
Nach der Machtübernahme der Nazis im Jahre 1933, änderte sich das Leben von Dr. Richard Cohen und seiner Frau Frieda dramatisch.
Nach Boykottaufrufen wurde die Ausübung der ärztlichen Praxis allmählich unmöglich.
Nur wenige Patienten trauten sich noch ihren Arzt aufzusuchen.
Am 8. April 1938 starb Dr. Richard Cohen an einem Suizidversuches bzw an den Folgen eines Suizidversuches - ausgelöst durch die Verdrängung aus seinem Arztberuf, verarmt und am Ende seiner seelischen Kräfte.
Es war kein friedlicher Alterstod, sondern der erste Tod eines Juden aus Osterholz-Scharmbeck, ausgelöst durch die Verfolgung der Nazis.
Seine Witwe Frieda Cohen verließ 1938 Osterholz-Scharmbeck, überlebte die NS Zeit und lebte nach dem Krieg zusammen mit ihrer aus dem KZ Theresienstadt zurückgekehrten Schwägerin Flora Cohen in Bremen.
Text: Hartmut Oberstech

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