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Leibel, Käthe und Jochen

Biografie von Käthe und Jochen Leibel

Käthe und Jochen Leibel – Elsterstr. 53

Käthe Leibel wurde am 11. Februar 1914 in Leipzig geboren, ihr Sohn Richard Joachim, genannt Jochen, kam am 6. Juni 1940 zur Welt. Der Vater war kein Jude, weshalb eine Heirat nach den nationalsozialistischen Rassegesetzen verboten war und seine Identität geheim blieb.
Käthe Leibel lebte bei ihren Eltern in der damaligen Ludendorffstr. 53 (heute: Elsterstr.) in Leipzig. Nachdem die Nationalsozialisten 1939 die Zwangsumsiedlung der jüdischen Bevölkerung in die sogenannten Judenhäuser anordnete, musste sich Käthe mit ihrem neugeborenen Sohn in diesen Häusern ein Zimmer zur Untermiete suchen. Beide standen auf der ersten Transportliste von Jüdinnen und Juden aus Leipzig im Januar 1942. Da Käthe wohl eine kriegswichtige Anstellung als Pelznäherin hatte, wurden sie vorerst von der Liste gestrichen.
Im Februar 1943 sollten Käthe und Jochen erneut deportiert werden. Doch die Freundin Johanna Landgraf ahnte Schlimmes und warnte sie vor Lager und Ermordung. Zwei Tage vor dem Transport, der am 17.2.1943 nach Auschwitz führte, tauchte Käthe Leibel mit ihrem Sohn unter. In ihrem Zimmer im „Judenhaus“ in der Großen Fleischergasse 28 hinterließ sie einen Abschiedsbrief, der ihren Selbstmord vortäuschen sollte.
Johanna Landgraf half ihr bei der Flucht. Sie wandte sich an Erich Zeigner, der wiederum den Rat von Pater Aurelius Arkenau vom Leipziger Dominikanerkloster einholte. Die Leibels fanden in dem Kloster in Leipzig-Wahren Zuflucht. Doch der Ort konnte nicht lange als Versteck dienen und so brachte Johanna Landgraf die beiden bei alten Schulfreundinnen unter. Doch auch das ging nicht lange gut, da der kleine Jochen skeptische Aufmerksamkeit auf sich zog. Schließlich mussten Mutter und Sohn getrennt untergebracht werden. Während Käthe in Thüringen untertauchte, kam Jochen bei der Familie Philipp in Leipzig unter.
Pater Arkenau und Johanna Landgraf besorgten indes neue Papiere. Aus Käthe und Jochen Leibel wurden Helga Rousseau und Richard Rousseau. Zusammen kamen sie nun bei der katholischen Familie Koch in Halle unter. Sie bewohnten das Gärtnerhaus und Käthe arbeitete im Betrieb mit. Erst mit dem Einmarsch der amerikanischen Armee 1945 konnten sie ihr Versteck verlassen.
Käthe Leibel verstarb 2008 in Hamburg. Jochen Leibel wurde Journalist und lebte in Frankreich, wo er 2019 starb.

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