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Damanski, Josef

Biografie von Josef Damanski

Josef Damański – Bornaische Str. 107

Der Schriftsteller, Musiker und Sprachgelehrte Josef Damański wurde am 22. November 1858 im damals zur Habsburgermonarchie gehörenden Lemberg (heute Lwiw) in Galizien geboren. Er wuchs in einem vielsprachigen und kulturell geprägten Umfeld auf – eine Prägung, die seinen weiteren Lebensweg entscheidend bestimmen sollte.

Von Beruf war Josef Damański Musikschriftsteller und staatlich vereidigter Dolmetscher für 18 Sprachen. Seine außergewöhnlichen Sprachkenntnisse machten ihn weit über seine Heimat hinaus bekannt. Neben seiner sprachlichen Tätigkeit war Damański tief in der
Militärmusik verwurzelt. Unter den ungefähr 300 Musikkompositionen, welche teilweise unter seinem Pseudonym „Josef Diamant“ veröffentlicht wurden, waren zahlreiche populäre Lieder und Märsche wie „Nach Kamerum“, „Königswalzer“, „Sträußchen an Franz Abt“, oder auch der „Carnot-Marsch“. Daneben hat Damański eine große Reihe von Artikeln und Korrespondenzen sowohl in in- als auch ausländischen Musikfachzeitungen sowie der Tagespresse veröffentlicht. Für seine musikalischen Verdienste als Militärkapellmeister im österreichisch-ungarischen Heer wurde Damański mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er verschiedenste ausländische Orden und Ehrentitel: Er war Ritter des fürstlich-bulgarischen Zivilverdienstordens sowie Offizier des fürstlich-montenegrinischen Danilo-Ordens. Darüber hinaus besaß er viele weitere Auszeichnungen, so u.a. auch von Papst Leo XIII. (1810-1903).

Sein schriftstellerisches Schaffen gipfelte im Jahr 1904. Nach „langer und mühevoller Arbeit“
veröffentlichte Josef Damański das „Illustrierte biographische Lexikon der Militär-Kapellmeister Österreich-Ungarns“, ein bedeutendes Nachschlagewerk zur Militärmusik seiner Zeit, in dem er auch selbst als einer der nennenswerten Kapellmeister verzeichnet ist. Das Werk verstand sich als „authentisches Handbuch für den Kapellmeister wie für den Musiker, für Musikinstrumente-Fabrikanten wie für Konservatorien, für Musikzeitungen, für
die Herren Offiziere, Regimentsverwaltungen, Konzertburaeux, aber auch für Jedermann, welcher sich eingehend für die Verhältnisse der österreichisch-ungarischen Militärmusik und ihre Leiter interessiert, mit diesem Lande bereits in Verbindung steht oder zu kommen wünscht.“ Mit diesem Werk setzte Damański sich und seinen Kollegen ein bleibendes Denkmal in der Musikgeschichte der Donaumonarchie und er hofft im Vorwort darauf, dass durch sein Schaffen „als ein erheblicher Fortschritt begrüßt werden wird.“

Neben der Musik lagen die Leidenschaften Josef Damańskis auf dem Feld der Sprachen. Als Dolmetscher für nicht weniger als 18 Sprachen war er sowohl in der Friedenszeit als auch als
Kriegsdolmetscher während des Ersten Weltkrieges (1914-1918) tätig. Unter dem Titel „Deutsch-polnischer Kriegs-Dolmetscher für Soldaten“ wird sein Schaffen auf einem
Werbeblatt der Reichsbuchwoche im Juni 1916 angepriesen. Es kündigt das Erscheinen eines
von ihm zusammengestellten deutsch-polnischen Soldatenhandbuchs an. Dieses steckte dem Soldaten mitten im Ersten Weltkrieg die geläufigsten und für den Militärdienst wichtigsten Verständigungsformen in die Westentasche. Aber auch im zivilen Leben ermöglichte ihm sein enorm breiter Sprachzugang ein sicheres Auskommen. So arbeitete Damański u.a. als vereidigter Dolmetscher bei Prozessen des Reichsgerichts in Leipzig. Darüber hinaus bot Damanski auch im kleineren Rahmen seine Kenntnisse und Fähigkeiten beispielsweise in der Unterrichtung von Interessierten an. Kurz nach Kriegsbeginn 1914 machte der 56jährige in der Tagespresse auf seine Russischsprachkurse aufmerksam – ein
Hinweis auf seine sprachliche wie politische Aktualität in bewegten Zeiten.

In der biografischen Sammlung „Das literarische Leipzig“ (1897, Verlag Walter Fiedler, Leipzig) wird über Damański geschrieben, dass er zunächst eine längere Zeit als Militärkapellmeister amtierte und er zum Ende des Jahrhunderts nach Leipzig seinen Lebensmittelpunkt verlegte, wo er vorübergehend als Redakteur der Zeitung „Reform“ arbeitete und zeitgleich seinen Arbeitsmittelpunkt als Komponist und Musikschriftsteller fand. Seit 1896 war Josef Damański in Leipzig ansässig, zunächst im Leipziger Vorort Oetzsch (heute ein Teil Markkleebergs) in der II. Etage der Bahnhofstraße 9. Um das Jahr 1915 verlegte die Familie ihren Lebensmittelpunkt nach Leipzig-Lößnig. Hier wohnten sie bis 1940 im zweiten Stock der Bornaischen Straße 107.

Josef Damański heiratete Anna Galina, geborene Fausch, die am 14. August 1866 im Oberhaslau bei Zwickau geboren wurde. Aus der Ehe ging ein Sohn hervor: Kurt Walter Damański, geboren am 31. März 1896 in Leipzig-Neustadt. Das Familienglück wurde jedoch früh erschüttert: Walter verstarb am 24. Oktober 1916 im Alter von nur 20 Jahren infolge einer Krankheit in einem Kriegslazarett im Ersten Weltkrieg. Seine Todesmeldung wurde am 23. Dezember 1916 in der preußischen Verlustliste veröffentlicht. In der Leipziger Zeitung findet sich zum Familienleben Josef Damańskis zudem die Heirat Hedwig Marias, der Tochter von Galina und Josef Damański in Leipzig mit dem Kaufmann R.P. Jausch am 12. März 1908. Am 03. März 1938 verstarb schließlich seine Ehefrau Anna Galina.

Die letzten friedlichen Jahre seines Lebens verbrachte Josef Damański als Witwer im jüdischen Altersheim in der Auenstraße 14 (heute Hinrichsenstraße). Dies fand jedoch sehr bald ein jähes und dramatisches Ende. Mit der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik verschärfte sich auch sein Schicksal. Auf der Deportationsliste XVI/1-61 vom 19. September 1942 erscheint auch der Name Josef Damańskis. Der knapp 84jährige wurde von Leipzig über Weimar in das Ghetto Theresienstadt deportiert (heute Terezín). Dort findet sich nur noch die Meldung seines Todes am 4. November 1942.

Mit Josef Damański endete das Leben eines hochgebildeten, international geehrten Musikers und Sprachwissenschaftlers, dessen Wirken von kultureller Vielseitigkeit und außergewöhnlicher Sprachbegabung geprägt war. Seine Biografie steht exemplarisch für ein Gelehrtenleben zwischen künstlerischer Anerkennung, familiären Verlusten und der tragischen Verfolgung im 20. Jahrhundert.

Verfasst durch die Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine der Carl-Friedrich Goerdeler Oberschule, A. Bochynski,

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