Biography of Gustav Meyer, Johanna Meyer and 3 more
Die Vorfahren von Gustav Meyer lebten schon seit Beginn der 1850er Jahre in Kleve. Sein Großvater Barthel Benedict war Bäcker, hatte aber um das Jahr 1890 das Gebäude in der Großen Straße erbaut und dort das koschere Hotel Benedict eröffnet. Anfang der 1920er Jahre übernahm Gustav Meyer das Familienunternehmen. 1919 hatte er Johanna Schieren geheiratet und lebte mit seiner Familie in einer Wohnung im Hotelgebäude.
Gustav Meyer war Mitglied der SPD, von 1920 bis 1924 Stadtverordneter und bis 1933 im Vorstand der städtischen Sparkasse. Seine Gaststätte war Vereinslokal der SPD und der Eisernen Front. Schon im Juni 1933 wurde er gemeinsam mit anderen SPD-Mitgliedern festgenommen und für mehrere Wochen im Klever Gefängnis inhaftiert.
Sein Lokal wurde immer wieder von SA-Schlägertrupps heimgesucht, welche die Fensterscheiben einschlugen, die Einrichtung demolierten und die Gäste belästigten. Johanna Meyer wurde beschimpft und misshandelt. Aufgehetzt hatte die Männer der Pächter der unmittelbar gegenüberliegenden Gaststätte, der hierin eine günstige Gelegenheit sah, einen unliebsamen Konkurrenten auszuschalten. Vergebens rief Meyer die Polizei um Hilfe, stattdessen wurde sein Lokal 1935 für längere Zeit von den Behörden geschlossen, weil angeblich die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet war. Meyer erlitt große wirtschaftliche Einbußen und auch seine Gesundheit nahm Schaden. 1936 sah er sich gezwungen, das Hotel an ein Kölner Gastwirtsehepaar zu verkaufen. Die Familie Meyer musste ihre Wohnung verlassen. Da sie nun kein Einkommen mehr hatte, verschlechterten sich die Lebensumstände rapide. Sie musste sich immer mehr einschränken und große Teile des Besitzes zu Schleuderpreisen verkaufen.
1937 blieb nur die Möglichkeit, zwei Räume und die Veranda im Haus der Familie von Bernhard Gonsenheimer in der Kavarinerstr. 42 zu beziehen.
Renate Meyer verließ als 15jährige Kleve, um als Hausgehilfin zu arbeiten. Als einzigem Familienmitglied gelang ihr im August 1939 die Flucht nach England. Ihre Schwester Susi starb 1940 im Jüdischen Krankenhaus in Köln-Ehrenfeld.
Am 18.11.1941 wurden Gustav, Johanna und Alice Meyer wie fast alle anderen jüdischen Klever gezwungen, in das sogenannte „Judenhaus“ unmittelbar an der Alten Brücke am Spoykanal zu ziehen. Im Juli 1942 wurden sie in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Gustav Meyer, den man auf einer Trage zum Bahnhof hatte bringen müssen, starb schon nach wenigen Tagen. Johanna und Alice Meyer wurden 1944 nach Auschwitz transportiert und dort ermordet.
Gustav Meyer (Kleve 1890 – 1942 Theresienstadt Ghetto)
Johanna Meyer geb. Schieren (Neuss 1890 – 1944 Auschwitz Vernichtungslager)
Renate Meyer verh. Hirsch (Kleve 1920 – 1980 England)
Susi Meyer (Kleve 1922 – 1940 Köln)
Alice Meyer (Kleve 1926 – 1944 Auschwitz Vernichtungslager)
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Amalie Bernhard geb. Schieren30 mErna (Ester) Mandelbaum50 m
Berta Goldschmidt60 m
Hedwig Müller160 m
Elisabeth „Betty“ Günther170 m
Fanny Bamberg geb. Dahl190 m
Sources & Imprint
Haus der Begegnung – Beth HaMifgash e.V.
mifgash.de
Die AG Geschichte besteht seit April 2014. Ihre Aufgabe ist die weitere Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Kleve.
Autorin und Ansprechpartnerin: Helga Ullrich-Scheyda · helga@scheyda.de