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Am Stadtpark 10

Biography of Emilie Trautmann, Moritz Trautmann, Hans Trautmann and Herbert Jonas

Moritz Trautmann, Emilie und Hans Lion

Moritz Trautmann (geb. 1884) betrieb zusammen mit seinem Schwager Elias Lion das Kaufhaus Lion in Stadthagen. Emilie und Moritz heirateten 1911 und ein Jahr später wurde ihr Sohn Hans geboren. Moritz nahm am Ersten Weltkrieg teil, erhielt für seinen Einsatz mehrere Auszeichnungen und war ein angesehener Bürger Stadthagens. Moritz Trautmann und Elias Lion wurden Anfang April 1933 in „Schutzhaft“ genommen. Vom 1. bis 8. April 1933 soll Moritz Trautmann zwangsweise am Bau der Reichsstraße bei Kobbensen beteiligt gewesen sein. In den Folgejahren erfährt die Familie Demütigungen und Bedrohungen. 1935 wurde Hans in Begleitung Dr. Poppers und eines Fräulein Rosenberg auf dem Weg nach Hause von SA-Männern überfallen. Er selbst erhielt einen Schlag ins Gesicht, während Fräulein Rosenberg von tätlichen Angriffen verschont blieb. Dr. Popper hingegen wurde schwer misshandelt. Der Überfall hatte für Hans Trautmann zur Folge, dass sich seine epileptischen Anfälle weiter verschlimmerten. Am Morgen nach der Reichspogromnacht, am 10. November 1938, wurde Moritz Trautmann zusammen mit anderen Stadthäger Juden verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Das Kaufhaus Lion befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr in seinem Besitz. Es wurde an Alfred Thomas, den Prokuristen der Firma Hagemeyer, verkauft. Am 10. Dezember 1938, nach seiner Rückkehr aus Buchenwald, verfolgte Moritz Trautmann seine Auswanderung. Am 21. Dezember 1939 gelang die Emigration der Familie nach Chile. Dort baute Moritz sich eine bescheidene Existenz als Kaufmann auf. Nach langen Verfahren, erhielten Emilie und Moritz Entschädigungszahlungen. Moritz Trautmann starb 1958 in Santiago de Chile. Hans’ Ansprüche ließen lange auf sich warten, erst 1962 erhielt er eine Mindestrente. Aufgrund seiner Erkrankung musste er ab 1964 in einem Altersheim wohnen, wo er 1973 verstarb.

Herbert Jonas
Herbert Jonas wurde 1917 in Rotenburg/Hannover bei Verden geboren und arbeitete als Verkäufer im Kaufhaus Lion. In Stadthagen wurde er mehrfach von Nationalsozialisten angepöbelt. Am 10. November 1938 wurde er zusammen mit anderen Stadthäger Juden in das KZ Buchenwald verschleppt. Nach seiner Entlassung am 26. Januar 1939, betrieb er seine Emigration aus dem Deutschen Reich. Zum Zwecke der Auswanderung nach Holland absolvierte er von April bis September 1939 ein unentgeltliches landwirtschaftliches Praktikum in Polzenwerder bei Eberswalde. Am 10. September 1939 floh er nach Holland. In den Niederlanden lebte er zunächst in Deventer im Haus des Vereins der Palästina-Pioniere. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande und der auch dort beginnenden Verfolgung der Juden versteckte er sich ab 1941 mit Hilfe von Gastfamilien,
um der Deportation nach Auschwitz zu entgehen.
Nach der Landung der alliierten Streitkräfte im Jahr 1944 nahm er als Kriegsfreiwilliger an der Eroberung des Deutschen Reiches teil. Während der Zeit als holländischer Soldat hatte er seine zukünftige Ehefrau Anna Hendriks kennen gelernt, mit der 2 Kinder bekam. Seine Erlebnisse während der NS-Zeit verfolgten ihn Zeit seines Lebens. Im Jahr 1984 nahm er sich das Leben.

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Sources & Imprint

Förderverein ehemalige Synagoge Stadthagen e.V.

Stadthagen ist bekannt durch seine Bauten der Weserrenaissance, der Blütezeit des Städtchens im Zentrum Schaumburgs. Sie hat sich in der Zeit des Nationalsozialismus weder als Stadt des Widerstands noch des besonders aggressiven Terrors hervorgetan. So kann Stadthagen als stellvertretend für so viele deutsche Städte gelten, in denen jüdische Mitbürger:innen aus der Mitte der Gesellschaft gedrängt wurden. Der wachsende Antisemitismus, Berufsverbote u.ä. Drohungen und Gewalt führten dazu, dass von den 59 Juden und Jüdinnen, die 1933 in Stadthagen lebten bereits die Hälfte bis Ende 1939 emigriert sind. Die übrigen 28 wurden in die s.g. Judenhäuser Obernstraße 26 und Am Mark 6-8 gepfercht. Drei von ihnen starben eines natürlichen Todes. Eine von ihnen, Berta Gellermann, überlebte den Holocaust in Stadthagen. Eine weitere Frau, Irma Rosenfeld, überlebte die KZs und wanderte in die USA aus. Alle anderen wurden ab 1941 in verschiedene Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert und dort ermordet.
Sie waren alle Mitbürger:innen dieser Stadt. Sie betreiben Geschäfte, gründeten Familien, gingen zum Markt und spazieren und waren im Schützenverein. Sie verloren alles. In Stadthagen finden sich an den Orten des zuletzt frei gewählten Wohnorts Stolpersteine im Boden eingelassen, die an ihr Schicksal erinnern. Diese Führung folgt neun dieser Wohnorte und erzählt die Geschichte einiger von ihnen. Der Förderverein der ehemaligen Synagoge Stadthagen setzt sich dafür ein, dass ihre Geschichten bewahrt und erzählt werden. Weitere Stolpersteine sowie ausführlichere Informationen zu den einzelnen Biografien, können auf der Website der ehemaligen Synagoge nachgelesen werden.