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Anna Maria Grotz

Biography of Anna Maria Grotz

Anna Maria Grotz litt seit ihrer dritten Lebensdekade an einer psychischen Erkrankung, die zu einer Einweisung in eine Heilanstalt führte. Leider wissen wir recht wenig über ihr Krankheitsbild, da sich keine Krankenakte erhalten hat. 1920 begann ihr Leidensweg, der mit ihrer Ermordung in Grafeneck 1940 endete. Wer war Anna Grotz?

Anna Maria Grotz wurde am 7. September 1885 in Endingen in Baden am Kaiserstuhl als Tochter des Schuhmachers Philipp Jacob Grotz und dessen in Enge bei Zürich geborenen Ehefrau Maria Grotz geb. Guenthart geboren. Die Familie übersiedelte zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Tuttlingen, da der Vater als Schuhfabrikarbeiter Anstellung fand. Maria Grotz lebte mit ihrer Familie zunächst in der Möhringer Straße 75, dann in der Kaiserstraße 12. Im Adressbuch 1906 wird sie als Kartonagearbeiterin bezeichnet, was den Verdacht nahe legt, dass sie bei der Firma Birk in der Zeughausstraße wirkte. Die Mutter starb 1913 in Tuttlingen, der Vater 1922. 1919 wurde Anna im Kreiskrankenhaus behandelt und anschließend ins Katharinenheim, das damals auch als „Armenheim“ fungierte, aufgenommen. Von dort wies man sie laut Fürsorgeprotokoll vom 23. Juli 1919 in die Kreispflegeanstalt Reutlingen-Rappertshofen ein. Im Fürsorgeprotollbuch wird sie als „schwachsinnige Fabrikarbeiterin“ bezeichnet. Die städtische Fürsorge übernahm die Kosten für ihre Unterbringung, die zum Teil durch den Landesfürsorgeverband erstattet wurden. Kurze Zeit nach ihrer Aufnahme in Reutlingen wurde sie (am 25. Januar 1920) in die Heilanstalt Zwiefalten überführt. Bei der Aufnahme wurde ein ganzes Bündel an Diagnosen erstellt. Sie lauteten: Dementia Praecox, Halluzinationen, Demenz und Schizophrenie. Diese Bezeichnungen vermitteln kein einheitliches Bild. Offensichtlich ist, dass sie den Bezug zur Realität verloren hatte, als sie erkrankte. Es wurde vermerkt, dass sie sie Krankheit bereits seit zwei Jahren habe, so dass man davon ausgehen kann, dass sie um 1918 eintrat. Vielleicht war sie geistig etwas zurückgeblieben und verkraftete die neue Umgebung außerhalb des geschützten Umfelds in der Familie nicht. Von der Psychiatrie in Zwiefalten wurde sie am 8. September 1939 in die Heilanstalt Schussenried verlegt. Die Fürsorgeakten enthalten den Vermerk, dass sie am 1. Juli 1940 verstorben sei. Sie wurde aber bereits am 7. Juni 1940 in Grafeneck getötet, wie die Transportlisten nach Grafeneck beweisen.

Tröstlich ist, dass sie nicht vergessen wurde. Ein Großneffe erinnerte sich an die Erzählungen seiner Oma, die von ihrer Schwester berichtete. Er fand Bilder und Informationen über sie, die jetzt als Informationsquelle zur Verlegung des Stolpersteins verwendet wurden.

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