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Familie Rothschild

Biography of Gustav Rothschild, Selma Rothschild geb. Heymann and Alfred Rothschild

Der Metzgermeister und Viehhändler Gustav Rothschild kam etwa 1916 mit seiner Frau Selma und drei Kindern aus dem Ruhrgebiet nach Kleve. Die Stadt war zu dieser Zeit ein günstiger Standort für Viehhändler. Der landwirtschaftlich geprägte Raum war durch den Bahnhof mit den rapide wachsenden Städten an Rhein und Ruhr verbunden. Das Ehepaar Rothschild erwarb ein Haus an der Emmericher Straße in der Nähe des Bahnhofs, in dem die Familie wohnte und Gustav seinen Viehhandel betrieb.
Seit Frühjahr 1916 besuchte der Sohn Alfred die höhere Landwirtschaftsschule. Später war er im Unternehmen des Vaters tätig. Seine Freizeit verbrachte er beim VfB 1903 Kleve. Hier war er zunächst auch Platzkassierer und Anfang der 1930er-Jahre Platzwart. Während Frieda Rothschild, die Tochter von Selma und Gustav, 1925 in Kleve den katholischen Kaufmann Friedrich Wilhelm Krämer heiratete, verließ die zweite Tochter Johanna Martha die Stadt und zog nach Baden.

Nach 1933 war auch die Familie Rothschild von den antisemitischen Maßnahmen der Nationalsozialisten betroffen. Seit spätestens 1935 befand sich im Nachbarhaus, dem früheren Bahnhofshotel, die Kreisleitung der NSDAP. Im April 1938 stellte Alfred Rothschild den Antrag, sich im niederländischen Millingen ansiedeln zu dürfen. Der Bürgermeister leitete die Anfrage an die niederländische Ausländerbehörde weiter und führte aus, dass Alfred Rothschild von Beruf Viehhändler und finanzkräftig sei. Trotzdem wurde der Antrag abgelehnt, weil sich Ausländer, die wie Alfred Rothschild als Flüchtlinge galten, nicht in den Niederlanden niederlassen durften. Ein halbes Jahr später wurde er nach dem Novemberpogrom drei Monate im KZ Dachau in „Schutzhaft“ genommen. Zur gleichen Zeit wurde seinem Vater die Gewerbegenehmigung als Viehhändler entzogen.

In ihrem Wohnhaus nahm die Familie andere Klever Jüdinnen und Juden auf. Von 1936 bis 1939 wohnte hier das Ehepaar Sucher, dann die Eheleute Neugeboren und Ballizany.

Am 18. November 1941 wurden die meisten der noch in Kleve lebenden Jüdinnen und Juden gezwungen, mit den Resten ihrer Habe in ein leerstehendes Gebäude an der Klosterstraße (heute An der Münze) am Spoykanal zu ziehen. Von dort aus erfolgten die Transporte in die Ghettos im Osten. Alfred Rothschild wurde am 11. Dezember 1941 in das Ghetto Riga deportiert. Von dort kam er in das Arbeitserziehungslager Salapils, wo sich seine Spur verliert. Seine Eltern Selma und Gustav wurden am 25. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und starben hier am 25. Juli 1942 bzw. am 10. März 1943. Ihre Tochter Johanna Martha war schon am 23. Oktober 1940 in der ersten Massendeportation aus Karlsruhe in das Internierungslager Gurs transportiert und über das Sammellager Drancy am 9. September 1942 in das Vernichtungslager Ausschwitz verbracht und ermordet worden.

Nur Frieda Krämer und ihre Tochter Ruth überlebten. Sie wurden am 15. April 1945 aus dem Arbeitsumerziehungslager Hunswinkel bei Lüdenscheid befreit. Ihr Ehemann Friedrich Wilhelm Krämer war am 22. November 1944 im Gestapogefängnis Brauweiler in der Zelle erschossen worden.

Gustav Rothschild (Beeck 1871 - 1943 Theresienstadt, Ghetto)
Selma Rothschild geb. Heymann (Odenkirchen 1871 - 1942 Theresienstadt, Ghetto)
Alfred Rothschild (Bruckhausen 1902 - 1941 Salaspils, Arbeitserziehungslager)

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Haus der Begegnung – Beth HaMifgash e.V.

mifgash.de
Die AG Geschichte besteht seit April 2014. Ihre Aufgabe ist die weitere Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Kleve.

Autorin und Ansprechpartnerin: Helga Ullrich-Scheyda · helga@scheyda.de