Biography of Adele, Dr. Fritz and Clothilde Goldmann
Isaac Goldmann wurde am 29. 7. 1855 in Marisfeld geboren. Er heiratete Henriette Heilbrunn und aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Clothilde Goldmann wurde am 2. 1. 1882 in Suhl geboren, Bertha Goldmann am 7. 4. 1888 und Henriette Goldmann am 3. 9. 1889. Bertha starb bereits am 23. 3. 1891 und Henriette am 21. 10. 1889 in Suhl. Beide fanden ihre letzte Ruhestätte auf dem „Guten Ort“ in Heinrichs. Es ist nicht genau nachzuvollziehen, wie Frau Henriette Goldmann starb. Vermutlich war es bei bzw. an den Folgen der Geburt der jüngsten Tochter Henriette.
Am 19. 2. 1890 ging Isaac Goldmann eine zweite Ehe ein. Er heiratete in Fürth Adele Hendle. Adele Hendle wurde am 11. 4. 1862 in Fürth geboren. Sie folgte ihrem Mann nach Suhl, wo sie 1905 ein Haus im Jugendstil in der Kaleyßstraße 6 bauten. Adele schenkte Isaac Goldmann fünf Kinder und zog auch Clothilde, die Tochter aus erster Ehe mit auf. Der älteste Sohn Martin Goldmann wurde am 4. 4. 1891 in Suhl geboren. Dieser heiratete Frau Irma Lublinski und konnte während der Nazi-Zeit nach Amerika auswandern. Sein Wohnort war New York. Siegfried Goldmann wurde am 3. 5. 1892 geboren. Er heiratete Frau Lilli Sander. Auch Siegfried gelang es, zunächst nach Großbritannien und ab 1947 in die USA auszuwandern. Der dritte Sohn Julius wurde am 12. 1. 1896 geboren. Er kämpfte als Soldat im Ersten Weltkrieg, wurde verwundet und verstarb am 14. 5. 1918 im Lazarett in Frankfurt am Main.
Am 5. 11. 1903 gebar Adele Goldmann ihre einzige Tochter Isabella. Diese heiratete den Kaufmann Hans Meyer, geb. am 31. 8. 1897 in Burgdorf. Er war der Sohn von Emil und Mathilde Meyer, geb. Lindenbaum, und lebte in Nieder-Wöllstadt. Auch Isabella gelang es zu emigrieren. Ihre Spur findet sich ab 1946 in Großbritannien wieder.
Der jüngste Sohn Fritz, der am 2. 4. 1905 geboren wurde, begann nach seiner Schulzeit in der Kaiserlichen Oberrealschule, dem heutigen Staatlichen Gymnasium, Anfang der dreißiger Jahre mit einem Kunststudium in Berlin und Bonn. Bevor er nach Palästina auswanderte, promovierte er als einer der letzten jüdischen Bürger in Deutschland. Ab 1947 lebte er in Haifa. Noch lange nach seinem wohlverdienten Ruhestand war er als Leiter eines Museums in Jerusalem tätig. Dr. Fritz (Zeev) Goldmann besuchte Suhl im Jahr 1993, um sein Elternhaus wieder zu sehen. Die Familie Goldmann wohnte bis in die 1930er Jahre in der Kaleyßstraße 6. Den Lebensunterhalt bestritt die Familie mit einer Kohlen und Baumaterialienhandlung. Der Sitz der Firma befand sich in den 1930er Jahren in der Bahnhofstraße 25. Siegfried Goldmann erlernte den Beruf eines Kaufmanns und wohnte im Steinweg 33.
Am 22. 3. 1925 verstarb Isaac Goldmann und Adele und ihre Tochter Clothilde führten unterstützt von Siegfried Goldmann die Kohlehandlung weiter. Adele und Clothilde blieben in der Kaleyßstraße wohnen. Die Familie war sehr kunstbegeistert und wie viele jüdische Bürger kauften sie Bilder von Suhler Künstlern, besonders von Alexander Gerbig. So manche Ausstellung richteten sie für den Suhler Maler aus. Gerbig war mit einigen jüdischen Bürgern eng befreundet und hat sie auch liebevoll in seinen Bildern und Zeichnungen festgehalten. Ob es die kleine Federzeichnung, die den kartenspielenden Max Friedmann darstellt, ist, oder auch die eindrucksvolle Kohlezeichnung „Mutter Goldmann“, immer spürt man die Achtung und Verbundenheit des Malers mit diesen Menschen. Vergeblich versuchte er Adele Goldmann zu überreden, auch ins Ausland zu gehen. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass einer alten Frau, wie sie es war, etwas passieren könnte.
1938 wurde Adele Goldmann von den Nationalsozialisten um ihr Hab und Gut gebracht. Das Haus in der Kaleyßstraße wurde arisiert. Adele zog mit ihrer Ziehtochter Clothilde zu den Sanders in die Herrenstraße. Hier ereilte Clothilde im Mai 1942 die Aufforderung, sich an der Sammelstelle in der Hohelohstraße/Ecke Lilistraße einzufinden. Am 10. 5. 1942 wurde Clothilde nach Belzec deportiert und fand dort den Tod. Der letzte Transport Suhler Juden in Vernichtungslager fand im September 1942 statt. Fast 80-jährig war nun auch Adele Goldmann unter den Deportierten. Am 20. 9. 1942 wurde sie unter der Transportnummer XVIII 856 nach Theresienstadt gebracht und verstarb dort am 30. 9. 1942.
Quelle: "Kleine Suhler Reihe" (25) - Jüdisches Leben in Suhl, S. 16-18
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