Biography of Gustav Brecher
Generalmusikdirektor Gustav Brecher
Leitender Operndirektor 1923 bis 1933
Augustusplatz, vor der Oper
Gustav Brecher verhalf der Leipziger Oper durch neue Impulse und großer Perfektion zu einer höheren künstlerischen Qualität. Er machte das Haus in den 1920er Jahren zu einer der progressivsten Opernbühnen in Deutschland.
Gustav Brecher wurde am 5.2.1879 im böhmischen Eichwald geboren. Mit seinen Eltern kam er 1889 nach Leipzig, besuchte das Nikolai-Gymnasium und studierte am Leipziger Konservatorium. Bereits mit 18 Jahren dirigierte Gustav Brecher das Gewandhausorchester, nachdem Richard Strauss schon einige Tondichtungen von ihm aufgeführt hatte. Nach der Jahrhundertwende konnte er sein großes Talent in Wien, Hamburg, Köln und Frankfurt/Main unter Beweis stellen. Konzertreisen führten ihn außerdem nach Rom, Amsterdam, Prag und Moskau. 1923 kam Gustav Brecher nach Leipzig zurück und es begann seine überaus erfolgreiche Arbeit als Leitender Operndirektor am Neuen Theater, dem Vorgängerbau der heutigen Oper.
Seine erste Leipziger Inszenierung war Richard Wagners „Lohengrin“ am 26. Oktober 1923. Die Leipziger Volkszeitung schrieb daraufhin: „Gustav Brecher ist im Laufe der Zeit ein tüchtiger, ein erstklassiger Dirigent geworden. Daß er ein musikdramatisches Werk aufzubauen und zu steigern, daß er seinen Willen dem Orchester und den Sängern mitzuteilen vermag, das bewies diese Vorstellung.“* Berühmt und anerkannt wurde Brecher durch seine Wagner-Interpretationen. Nach dem „Lohengrin“ folgen 1923 „Rheingold“, 1929 „Rienzi“, „Der fliegende Holländer“, „Tannhäuser“, 1931 „Götterdämmerung“.
Aber auch das Repertoire wurde erneuert. So wurde u.a. am 9. März 1927 die Jazzoper „Jonny spielt auf“ von Ernst Krenek überaus erfolgreich uraufgeführt. Brecher öffnete aber auch die Oper für ein breites Publikum. So bot er ab 1923 dem Leipziger Arbeiterbildungsinstitut (ABI) Sondervorstellungen an den Wochenenden an.
Für einen organsierten Theaterskandal sorgte das nationalkonservative Publikum und die SA bei der Leipziger Uraufführung von Brechts / Weills "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ im Jahr 1930. Uniformierte SA-Männer im Publikum störten die Aufführung. Gustav Brecher konnte die Oper nur mit Mühe zu Ende führen. Brechers künstlerischer Anspruch wurde nicht nur durch die sich verändernden politischen Verhältnisse auf eine harte Probe gestellt, sondern auch durch die Etatkürzungen infolge der Weltwirtschaftskrise.
Am 4. März 1933 dirigierte Gustav Brecher ein letztes Mal in der Leipziger Oper. Tobende Nazis beenden die Kurt-Weill-Oper „Der Silbersee – Ein Wintermärchen“ vorzeitig. Daraufhin rechnete die nationalsozialistische Kritik mit ihm ab: „Das Schicksal reitet nun endlich schnell: GMD Gustav Brecher ist wenige Tage nach der großen Wahlschlacht beurlaubt worden und kehrt natürlich nicht wieder.“*
Am 11. März 1933 wurde er offiziell vom Leipziger Oberbürgermeister Carl Goerdeler entlassen.
Wenig später verließ Gustav Brecher mit seiner Frau Gertrud Leipzig. Es folgten Jahre der Flucht und der vergeblichen Suche nach Möglichkeiten einer künstlerischen Verwirklichung. Über Leningrad, Berlin, Prag, Brno, Antwerpen endete die Odyssee im belgischen Ostende. Eine Flucht nach Lissabon sollte nicht gelingen. Im Mai 1940 nahm sich Gustav Brecher (61 Jahre) mit seiner Frau Gertrud das Leben.
* Z.n.: Peter Uhrbach: Auch nach Leipzig gehört ein Stolperstein für Gustav Brecher! – In: Leipziger Internet Zeitung, 21. Mai 2020
Quellen:
- Peter Uhrbach: Auch nach Leipzig gehört ein Stolperstein für Gustav Brecher! – In: Leipziger Internet Zeitung, 21. Mai 2020
(https://www.l-iz.de/bildung/zeitreise/2020/05/Auch-nach-Leipzig-gehoert-ein-Stolperstein-fuer-Gustav-Brecher-332378)
- Björn Eggert: Gustav Brecher – Stolpersteine in Hamburg
(https://www.stolpersteine-hamburg.de/?MAIN_ID=7&BIO_ID=1724)
Pate: Prof. Ulf Schirmer (Intendant Oper Leipzig)
Media
Photos
Free thanks to your help
This biography is free to read. If you like the Stolpersteine Guide, we would be glad of a small contribution.
Thanks to Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein and 6 more.Stolpersteine nearby
Friedrich Ernst Lewek190 m
Josef Deutsch200 m
Dynia Pomeranz280 m
Aron Stimmler300 m
Abraham Landsberg310 m
Evelyn Steinfeld360 m
Sources & Imprint
https://www.stolpersteine-leipzig.de
stolpersteine@archiv-buergerbewegung.de
Tel: 0341/3065175
Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.
Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig
Evangelisch-Lutherischer Kirchenbezirk Leipzig
Ephraim-Carlebach-Stiftung
Bürgerkomitee e.V.
Erich-Zeigner-Haus e.V.