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Azderbal, Moritz und tochter Edith

Biography of Moses and Edith Azderbal

Nordstr. / Ecke Ernst-Pinkert-Str. (ehem. Nordstr. 41)
Moses Azderbal und Tochter Edith Azderbal

Moses Azderbal wurde am 9. Dezember 1879 in Budzanow geboren. Mit seiner Frau Jenta (Jg. 1879) und ihrer Tochter Amalia (Mia, Jg. 1904) kam die junge Familie 1905 nach Leipzig. Hier kamen zwei weitere Töchter zur Welt: Johanna (Hannah) am 8.11.1908 und Edith am 21. Juni 1919.
Moses Azderbal reiste viel durch das Land und er versorgte als sog. „Hausierer“ Menschen in abgelegenen Orten mit den verschiedensten Waren (Schuhe, Stoffe, Küchenutensilien, etc.) bis er zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Seine Frau Jenta eröffnete ein Schuhgeschäft in der Eisenbahnstr. 29, in dem die Familie nach der Geburt von Edith mitarbeiten musste, denn Edith benötigte besondere Betreuung. Durch einen Geburtsfehler litt sie an einer Stoffwechselkrankheit. Ihre geistigen Fähigkeiten sollten sich daher nicht über die einer 10-jährigen hinaus entwickeln.
Im Jahr 1929 heiratete Amalia und zog zu ihrem Mann Salomon ‚Sal‘ Kanner nach Halle.
Die ausführlichen Erinnerungen von Amalia Kanner aus dem Jahr 1997 geben uns Einblicke in ein unvorstellbares Familienschicksal, dass geprägt war von Verfolgung, Flucht, schwerwiegenden Entscheidungen, Internierung und Mord.
Demnach war die einsetzende Verfolgung der jüdischen Bevölkerung nach 1933 in Leipzig bedeutend extremer als in Halle. Hannah und ihr Ehemann, der Kürchner Hermann Felber, ergriffen die erste Gelegenheit zur beruflichen Veränderung und gingen nach Paris. Als Jenta Azderbal im September 1936 starb, unterstützte Amalia ihren Vater in der Versorgung von Edith so oft sie konnte. Edith verbrachte viel Zeit in Halle und Amalias Töchter Ruth und Eva in der Nordstr. Immer wieder wurden in den Familien Strategien zur Flucht diskutiert. Im April 1938 brachte Moses seine Tochter Edith zu Hannah nach Paris und kehrte selbst nach Leipzig zurück. Noch kurz vor Kriegsausbruch 1939 folgte Amalia mit ihren Kindern.
Moses Azderbal floh Anfang Januar 1940 in die Niederlande. Seine Töchter hörten nie wieder etwas von ihm. Am 23.1.1943 wurde er aus dem Lager Westerbork nach Auschwitz deportiert, wo Moses Azderbal (63 Jahre) unmittelbar nach Ankunft am 26.1.1943 ermordet wurde.
Auch Edith überlebte den Holocaust nicht. Von ihrer Familie getrennt kam sie 1940 in das Internierungslager Gurs. Hier fand sie Amalies Ehemann Sal wieder, beide flüchteten und Edith kam wieder bei ihrer Schwester Hannah unter. Den beiden älteren Schwestern gelang mit ihren Familien auf sehr unterschiedlichen Wegen die Flucht in die USA.
Amalia Kanner: „Im März 1942 schrieb Ruth, dass Hannah und ihre Familie in New York seien. Ruth erwähnte nichts von Edith. Die Briefe meiner ältesten Töchter waren genau und detailliert. Wenn Edith in New York gewesen wäre, hätte sie es erwähnt. Dass sie es nicht getan hatte, konnte nur eines bedeuten. Das Visum, das Hermann besorgt hatte, schloss Edith nicht ein. Sie musste zurückgelassen werden. Ich habe Hermann keine Vorwürfe gemacht. Ein Mann sollte nicht die Sicherheit seiner Frau, seiner Tochter und seiner Mutter aufs Spiel setzen. Ich konnte nur hoffen, dass es noch Juden gab, die sich um meine Schwester kümmerten.“
Edith Azderbal (23 Jahre) wurde am 9.9.1942 aus dem Sammellager Drancy nach Auschwitz deportiert. Ein Überlebender des Transports erzählte der Familie nach Kriegsende, dass Edith bereits im Zug gestorben sei.

Patenschaft: Leipzig International School

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