Biography of Flora Durlacher geb. Epstein, Gretel Lina Durlacher and Johann (Hans) Nathan Durlacher
Verlegung der Stolpersteine am ???
Erläuterung zur Dopplung des Steins Hans Nathan Durlacher:
Im Rahmen der Reihe "Leben & Gesellschaft" des SWR2 wurde auf Stolpersteine-Guide.de in Kippenheim ein Stolperstein für Hans Durlacher auf dieser Karte verortet. Nachdem im Rahmen der weiteren Erforschung, Initiative und Bearbeitung auch Stolpersteine für seine Mutter und seine Schwester verlegt sind wurden diese gemeinsam mit dem ihm gewidmeten Stein verortet.
Auf den Inhalt des SWR2-Eintrags haben wir vor Ort keinen Einfluss.
Flora Durlacher, 1897 geb. Epstein aus Eichstetten im Kaiserstuhl und Salomon Durlacher (1889-1929) aus der alteingesessenen Kippenheimer Weinhändlerfamilie Durlacher hatten um 1920 geheiratet. Das Ehepaar bekam zwei Kinder: Gretel Rina und Hans Nathan. Auf einem Foto der Kippenheimer Jugend aus dem Jahr 1936 sind auch die Geschwister Gretel Rina und Hans Nathan Durlacher zu sehen. Sie sind die einzigen auf diesem Bild, die die Zeit der Verfolgung durch den nationalsozialistischen Terror nicht überlebt haben.
Nach dem frühen Tod ihres Mannes Salomon in Jahr 1929 führte Flora Wertheimer den Wein- und Spirituosenhandel alleine weiter. Unterstützung erhielt sie durch ihre aus Eichstetten zugezogenen Eltern Berthold (1861-1941) und Sophie Epstein (1867-1951). Ihre Firma Durlacher war dem antisemitischen Boykott ausgesetzt, der auch nach dem allgemeinen Boykotttag am 1. April 1933 weitergeführt wurde. Mit ihrer Liquidation im Oktober 1938, erlosch die hundertjährige Weinhandel-Tradition der Familie Durlacher in Kippenheim.
Hans Durlacher und Hedy Wachenheimer (1924-2016) waren im Herbst 1938 die letzten jüdischen Kinder auf dem Ettenheimer Realgymnasium – möglicherweise hatte sie die „Front-Kämpfer-Eigenschaft“ ihrer Väter im Ersten Weltkrieg vor einem Rauswurf geschützt. Als Hans Durlacher am 10. November 1938, dem Tag des Novemberpogroms, vom Schulleiter unter wüsten Beschimpfungen der Schule verwiesen wurde, schickte ihn seine Mutter im Dezember 1938 zu ihren Eltern nach Straßburg. Seine Schwester Gretel Rhina folgte ihm nach Abschluss einer kaufmännischen Lehre in der Eisenwarenhandlung Wertheimer im Januar 1939. Flora Durlacher zog am 17. Juli 1939 nach Straßburg.
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die in Straßburgs sich aufhaltenden Flüchtlinge nach Innerfrankreich evakuiert, mit ihnen auch die Familie Durlacher. Gretel und Flora Durlacher kamen nach St. Junien im Departement Haut-Vienne, wo Flora Durlacher ein Atelier für Korsett- und Büstenhalterherstellung einrichtete, in dem auch ihre Tochter Gretel Rina mitarbeitete.
Am 26. August 1942 wurden Flora und Gretel Lina Durlacher an die französische Polizei bzw. deutschen Besatzer verraten und zum Sammellager Drancy bei Paris verbracht. Dort hielt man sie fünf Tage fest, um sie dann am 31. August 1943 weiter in das KZ Auschwitz zu deportieren (Transport 26). Als Todestag Flora Durlachers wurde der 31. Juli 1943 erklärt, der Todestag von Gretel Rina der 20. Juni 1943. Hans Durlacher war bis zum 31. Oktober 1942 im französischen Lager Rexon interniert, danach verliert sich seine Spur im Zwangsarbeiterlager „Fürstengrube“ in Oberschlesien, einem für Rüstungszwecke eingerichteten Lager. Vermutlich gehörte er zu den von Frankreich nach Auschwitz deportierten Personen, die Albert Speer als Arbeitssklaven für ein Lager der Organisation „Schmelt“ anfordern ließ.
Im September 2010 tauchte auf dem Flohmarkt in Müllheim eine hebräisch-deutsche Ausgabe der Tora, der „fünf Bücher Moses" (Frankfurt-Rödelheim 1936), auf. Wie sie dorthin gelangt war, ist nicht bekannt. Im Buchdeckel steht der Name „Hans Durlacher“, der Tag seiner Geburt und das Datum „2. VII. 1938" - der Tag seines 13. Geburtstags. Vielleicht hatte ihm die Israelitische Gemeinde Kippenheim dieses Buch anlässlich seiner Bar Mizwa geschenkt; heute ist es Teil der Sammlung des Fördervereins Ehemalige Synagoge Kippenheim e. V.
Ein Hebräisch-Lehrbuch aus dem Besitz Hans Durlachers ist in der Dauerausstellung im Haus der Geschichte in Stuttgart zu sehen (Ausstellungssegment „Gemeinsam Glauben …. Religionen und Konfessionen“) . Es beinhaltet den handschriftlichen Eintrag „Schaare Edek“ [Tore der Barmherzigkeit] für Hans Durlacher“.
Quelle Text: Jürgen Stude
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Thanks to Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein and 6 more.Stolpersteine nearby
Claire Weill geb. Bloch20 m
Max Valfer100 m
120 m
Sophie Wertheimer geb. Günzburger130 m
Ella Wachenheimer geb. Eichel130 m
140 m
Sources & Imprint
Stolpersteininitiativen Lahr, Friesenheim, Schuttern, Nonnenweier, Kippenheim
Als kurze Vorabinfo: Grundlagen für die Stolpersteine in Lahr wurden gelegt durch intensive Recherchen und Veröffentlichungen von Hildegard Kattermann. Weiterhin durch intensive Recherchen und Bearbeitung von Gardy Ruder.
Die hier dargestellten Inhalte und Quellenmaterial werden recherchiert, vorbereitet, gesammelt und bereitgestellt durch den Historischen Verein Mitelbaden, Ortsgruppe Geroldsecker Land Projektgruppe Stolpersteine. Intensiv in die Arbeit mit eingebunden sind insbesondere Doris Gerteis, Bertram Bliss sowie durch städtische Unterstützung Elise Voerkel und Thorsten Mietzner vom Stadtarchiv Lahr.
Im Schuljahr 2013/2013 wurde in Zusammenarbeit mit der Schulklasse 10a der Friedrichschule unter Leitung ihrer Lehrerin gemeinsam mit dem Herausgeber Historischer Verein Mittelbaden, Regionalgruppe Geroldsecker Land mit vielen hier Unerwähnten ein kleines Buch als Anfang der öffentlich zugänglichen Dokumentation der Verfolgung und Ermordung von Lahrer Bürgern während des nazionalsozialistischen Terrorregimes erstellt.
ISBN978-3-89735-865-2.
Aktuell wird an einer erweiterten Neuauflage gearbeitet.
Inzwischen werden hier neben den Stolpersteinen in Lahr auch die der Nachbargemeinden Friesenheim, Schuttern dargestellt und eingepflegt.
Auch die Steine in Schwanau und Kippenheim werden inzwischen mit verortet.
Recht herzlichen Dank für die Zurverfügungstellung der externen Informationen an
- Ekkehard Klem, Friesenheim
- Martin Buttenmüller, Schuttern
- Stolpersteininitiative um Dagmar Frenk sowie Martin Frenk mit Norbert Klein sowie
Pfadfindergruppe Regenbogen, Nonnenweier.
- Jürgen Stude als Vertreter des Fördervereins Ehemalige Synagoge Kippenheim.
Die Stolpersteine in Lahr werden regelmässig in Zusammenarbeit mit Lahrer Schülern gereinigt, seit 2023 führt der Projekttag mit Gruppenarbeit schulübergreifend in die Geschichte ein.
Neben Stolpersteinen sind auch Orte der Erinnerung mit dargestellt, welche im Zusammenhang mit den Stolpersteinen und der Geschichte der Verfolgung relevant sind.
Geschlechts- und Alterszuordnung ist bei Orten der Erinnerung programmbedingt nicht vermeidbar und nicht relevant.
Die Inhalte des Stolpersteine-Guide für Lahr und die oben genannten Umlandgemeinden werden administrativ verwaltet von Bertram Bliss, Fichtestr. 58 in Lahr.
Lahr, den 27.01.2025