Biography of Claire Weill geb. Bloch and Hans Leopold Weill
Stolpersteine verlegt am 23.06.2022
Die beiden Stolpersteine vor dem Haus Obere Hauptstraße 20 sind Claire und ihrem Sohn Hans Leopold gewidmet. Am 6. Oktober 1918 heirateten Claire, geb. Bloch und Fritz Weill (1877-1938) in der Schmieheimer Synagoge, dem Heimatort der Braut. Die Familie Bloch war seit Mitte des 18. Jahrhunderts in dem ehemals reichsritterschaftlichen Dorf ansässig. Wie sie, zählten auch die Weills, zu den bedeutenden jüdischen Familien der Ortenau. Fritz Weill betrieb eine gut gehende Ledergerberei. Daneben war er auch in der jüdischen Gemeinde aktiv. Zwischen den Jahren 1924 und 1932 leitete er die Kippenheimer Chewra Kadischa (Beerdigungsbrüderschaft).
1919 kam Hans Leopold Weill, der Sohn des Ehepaares Weill zur Welt. Er besuchte, wie die anderen Kippenheimer Kinder, die örtliche Volksschule. 1933 folgte der Wechsel in das Ettenheimer Realgymnasium, das er jedoch auf Druck der Nationalsozialisten, bald wieder verlassen musste. Zwischen April 1934 und April 1937 absolvierte er eine kaufmännische Lehre in einer Pirmasenser Lederhandlung. Da ihm das nationalsozialistische Deutschland eine berufliche Laufbahn verwehrte, beschaffte ihm sein in London lebender Onkel Simon Weill (1881-1961) Einwanderungspapiere für Großbritannien. Am 8. Juni 1937 emigrierte der 18jährige nach England, wo er in einer Gerberei arbeitete. 1939 zog er weiter nach Australien. Dort lernte er die Freiburgerin Hilde Epstein kennen, seine spätere Frau. Das Ehepaar bekam zwei Söhne; Peter und Steven.
Am 28. Mai 1938, wenige Monate nach Hans Weills Auswanderung, verstarb Fritz Weill im Alter von nur 58 Jahren. Der Tod ihres Mannes war für Claire Weill, nach dem Wegzug des Sohnes, ein weiterer, schwer zu verkraftender Schlag. Alleine, einer feindlich gesinnten Umwelt ausgesetzt, sah sie in ihrer Verzweiflung nur noch im Suizid einen Ausweg. Kurt Salomon Maier schreibt in seinen „Kindheits- und Jugenderinnerungen eines jüdischen Kippenheimers“, wie seine Tante Paula Auerbacher (1898-1994) am Morgen des 28. August 1938 zu seiner Mutter gelaufen kam: „Ich hörte, wie sie meiner Mutter weinend zurief, sie hatte Claire Weill tot vor dem Spiegel sitzend gefunden. Claire Weill hatte sich in der Nacht in den Hals gestochen. Sie hatte die Drangsalierungen und Verspottung durch die Nazis nicht mehr ertragen. […] Das Weiterleben hatte keinen Sinn mehr für sie. Heute noch klingt mir das Klagen meiner Tante in den Ohren.“
Claire Weill ist auf dem jüdischen Verbandsfriedhof Schmieheim bestattet, nur wenige Meter von ihrem Ehemann entfernt. Die Inschriftentafel auf ihrem Grab trägt die Worte: „Weill, Claire / geb. 30. Oktober 1887 / gest. 1. September 1938“. Diese Tafel wurde erst nach dem Krieg durch Hans Weill und seinen Söhnen während eines Besuches in seiner Heimat erstellt. 1938 hätte es kein Steinmetz gewagt, einen Grabstein oder eine Erinnerungstafel für eine jüdische Tote herzustellen.
Quelle Text: Jürgen Stude
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Thanks to Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein and 6 more.Stolpersteine nearby
Flora Durlacher geb. Epstein20 m
Max Valfer110 m
130 m
Sofie Auerbacher geb. Kornmann140 m
140 m
Sophie Wertheimer geb. Günzburger150 m
Sources & Imprint
Stolpersteininitiativen Lahr, Friesenheim, Schuttern, Nonnenweier, Kippenheim
Als kurze Vorabinfo: Grundlagen für die Stolpersteine in Lahr wurden gelegt durch intensive Recherchen und Veröffentlichungen von Hildegard Kattermann. Weiterhin durch intensive Recherchen und Bearbeitung von Gardy Ruder.
Die hier dargestellten Inhalte und Quellenmaterial werden recherchiert, vorbereitet, gesammelt und bereitgestellt durch den Historischen Verein Mitelbaden, Ortsgruppe Geroldsecker Land Projektgruppe Stolpersteine. Intensiv in die Arbeit mit eingebunden sind insbesondere Doris Gerteis, Bertram Bliss sowie durch städtische Unterstützung Elise Voerkel und Thorsten Mietzner vom Stadtarchiv Lahr.
Im Schuljahr 2013/2013 wurde in Zusammenarbeit mit der Schulklasse 10a der Friedrichschule unter Leitung ihrer Lehrerin gemeinsam mit dem Herausgeber Historischer Verein Mittelbaden, Regionalgruppe Geroldsecker Land mit vielen hier Unerwähnten ein kleines Buch als Anfang der öffentlich zugänglichen Dokumentation der Verfolgung und Ermordung von Lahrer Bürgern während des nazionalsozialistischen Terrorregimes erstellt.
ISBN978-3-89735-865-2.
Aktuell wird an einer erweiterten Neuauflage gearbeitet.
Inzwischen werden hier neben den Stolpersteinen in Lahr auch die der Nachbargemeinden Friesenheim, Schuttern dargestellt und eingepflegt.
Auch die Steine in Schwanau und Kippenheim werden inzwischen mit verortet.
Recht herzlichen Dank für die Zurverfügungstellung der externen Informationen an
- Ekkehard Klem, Friesenheim
- Martin Buttenmüller, Schuttern
- Stolpersteininitiative um Dagmar Frenk sowie Martin Frenk mit Norbert Klein sowie
Pfadfindergruppe Regenbogen, Nonnenweier.
- Jürgen Stude als Vertreter des Fördervereins Ehemalige Synagoge Kippenheim.
Die Stolpersteine in Lahr werden regelmässig in Zusammenarbeit mit Lahrer Schülern gereinigt, seit 2023 führt der Projekttag mit Gruppenarbeit schulübergreifend in die Geschichte ein.
Neben Stolpersteinen sind auch Orte der Erinnerung mit dargestellt, welche im Zusammenhang mit den Stolpersteinen und der Geschichte der Verfolgung relevant sind.
Geschlechts- und Alterszuordnung ist bei Orten der Erinnerung programmbedingt nicht vermeidbar und nicht relevant.
Die Inhalte des Stolpersteine-Guide für Lahr und die oben genannten Umlandgemeinden werden administrativ verwaltet von Bertram Bliss, Fichtestr. 58 in Lahr.
Lahr, den 27.01.2025