Biography of Else Henriette Staffelstein
Else Henriette Staffelstein – Lausener Dorfplatz 6 (gegenüberliegender Fußweg)
Else Henriette Staffelstein, geb. Gaspary, kam am 16.06.1865 in Berlin zur Welt. Sie wohnte mit ihrem Mann, dem Guts- und Fabrikbesitzer Adolf Staffelstein (Jg. 1864) in Lausen. Das Grundstück in Lausen, Dorfplatz war seit 03.12.1919 im Besitz von Ferdinand Adolf Staffelstein. Dieser starb bereits 1930. Frau Else Henriette Staffelstein war seit 22.12.1930 im Grundbuch eingetragen. Seit 01.07.1930 war das Grundstück an Herrn Willy Fuchs verpachtet. Zuvor war er als Verwalter des Gutes Staffelstein tätig. Bereits zu diesem Zeitpunkt galt der Grundbesitz als überschuldet, ein entsprechendes Verfahren der kreditgebenden Bank sollte eingeleitet werden.
Als Nacherben der Frau Staffelstein waren testamentarisch festgelegt: zu 2/3 Herr Kurt Staffelstein (Bruder des Ferdinand Adolf Staffelstein) und zu 1/3 Frau Jenny verwitwete Gaspary (Witwe des Alfred Joseph Gaspary; er war der Bruder von Else Henriette Staffelstein, geborene Gaspary).
Am 25.08.1939 wurde, durch Notare und Testamentsvollstrecker, der Kaufvertrag über das Gut in Lausen mit dem Pächter Willy Fuchs geschlossen.
Willy Fuchs wurde im Grundbuch seit dem 26.07.1940 geführt. Der Einheitswert wurde mit 33100,- Reichsmark (RM) angegeben. Der Kaufpreis wurde im Kaufvertrag mit 40000,- RM angegeben. Der Nacherbe Herr Kurt Staffelstein forderte von Else Henriette Staffelstein 58.800,- RM, nebst aufgelaufener Zinsen.
Im Kaufvertrag vom August 1939 ist festgestellt:
„Frau Else verwitwete Staffelstein geborene Gaspary ist Jüdin im Sinne der Nürnberger Gesetze.
Ihr verstorbener Ehemann, Adolf Staffelstein, war und sein Bruder, der Nacherbe Kurt Staffelstein, sowie die Nacherbin Frau Jenny verwitwete Gaspary und der Landwirt Willy Fuchs, sind Arier im Sinne der Nürnberger Gesetze.“
Die Eigentumsübertragung und die Anwendung der Nürnberger Gesetze hatte zur Folge, dass sie im Sommer 1941 in das Altersheim der Ariowitsch-Stiftung (heute: Ariowitsch-Haus) gezogen ist.
Am 05. September 1942 unterzeichnete Frau Staffelstein den Heimeinkaufsvertrag. Ihr Vermögen wurde mit 475,- Reichsmark angegeben.
Am 19.09.1942 wurde Else Henriette Staffelstein mit allen Bewohnerinnen und Bewohnern sowie den Angestellten des Hauses von Leipzig in das Ghetto Theresienstadt deportiert.
Wie viele andere auch, musste sie vorab einen "Heimeinkaufsvertrag" abschließen. Den Menschen wurde in Aussicht gestellt, Theresienstadt sei ein "Altersheim", wofür sie aber die Kosten selber tragen mussten. Die Zwangsverträge sicherten den Menschen eine lebenslange kostenfreie Unterbringung, Verpflegung und Krankenversorgung zu. Neben einer errechneten Vorauszahlung (150 RM bis zum Erreichen des 85. Lebensjahres) wurden weitere Abgaben und Vermögensübertragungen gefordert. Diese Vermögenswerte fielen dem Reichssicherheitshauptamt (RSHA) zu. Statt in einem "Altersheim" befanden sie sich nun in einem Ghetto mit katastrophalen hygienischen Bedingungen, Hunger und ohne medizinische Versorgung.
Else Henriette Staffelstein (77 Jahre) kam am 16.10.1942 ums Leben.
Recherchen: Gudrun Matschenz (geb. Heyer) – Aktionskreis Lausen
Patenschaft: SPD-Ortsverein Leipzig-West
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