Biography of Wilhelmine Etzel, Anna Öhnl and Friedrich Rup
Wilhelmine „Mina“ Etzel wurde 1872 in Ulm geboren. Alle anderen sieben Kinder ihrer Eltern starben im Säuglingsalter. Ihr Vater, der frühere Eisenbahner Gottlieb Etzel, arbeitete als Jobvermittler. Die Familie zog viel hin und her in der Oststadt und irgendwann begann Mina als Näherin zu arbeiten. 1909 und 1912 starben ihre Eltern und Mina wohnte längere Zeit an der Adresse Auf dem Kreuz 19. 1927 begann wohl ihre Erkrankung, da sie für kurze Zeit in der Heil- und Pflegeanstalt Schussenried aufgenommen wurde. Dann bekam sie 1929 den begehrten Platz im Bürgerhospital an der Adlerbastion, dem ersten städtischen Altersheim in Ulm. Leider musste sie 1933 wieder in Schussenried aufgenommen werden und blieb dort, bis sie am 7. Juni 1940 abgeholt und in der NS-Aktion gegen psychisch kranke Patienten ermordet wurde.
Anna Öhnl wurde 1880 in Straßburg geboren und kam erst 1907 mit ihren Eltern nach Ulm. Der Vater war da schon pensionierter Zugführer und starb wenige Jahre später. Anna lebte danach mit ihrer Mutter in der Frauenstraße 48. Es ist nicht bekannt, wann Anna zum ersten Mal erkrankte. Ihre Mutter starb ca. 1929 und danach lebte sie wohl allein. Sie bekam möglicherweise schon 1931 eine Bleibe im Ulmer Bürgerhospital an der Adlerbastion, dem ersten städtischen Altersheim in Ulm; leider hat sich ihre Krankheit dann so verschlechtert, dass sie im Mai 1933 von der Pflegeanstalt Liebenau aufgenommen wurde, mit dem städtischen Wohlfahrtsamt als Kostenträger. Als die Nationalsozialisten im Rahmen der „Aktion T4“ die Pflegeanstalten leerten, wurde sie kurzzeitig nach Zwiefalten und dann am 30. August 1940 mit dem „grauen Bus“ nach Grafeneck gebracht und mit Gas ermordet.
Friedrich Rup wurde 1886 in Ulm geboren. Sein Vater Friedrich, Wirtschaftspächter von immer wechselnden Lokalen, war vor der Jahrhundertwende längere Zeit Führer des „Herrenkellers“ in der gleichnamigen Straße. Ungefähr zu dieser Zeit fiel der junge Friedrich aus einem Fenster und erlitt die Verletzungen, die wahrscheinlich zu seiner psychischen Behinderung führten. Seine Mutter starb als er 14 Jahre alt war und er fühlte sich später von seiner Stiefmutter schlecht behandelt. Er durfte 1908 seine Eltern verlassen und bekam einen Platz im „Hospitalischen Männerwesen“ des späteren „Bürgerhospitals“ an der Adlerbastion. Leider war seine Gesundheit schon so ernsthaft beeinträchtigt, dass er 1911 in die Heilanstalt Weissenau eingeliefert werden musste. Er konnte trotzdem immer wieder für mehrere Wochen bei seiner Schwester und seinem Vater bleiben. In verbessertem Zustand kam er dann zur Pflegeanstalt Liebenau. Aber 1940 wurde er abgeholt und nach kurzer Zwischenstation in Schussenried am 22. Juli im Rahmen der von den Nationalsozialisten propagierten Vernichtung behinderter Personen nach Grafeneck gebracht. Dort wurde er am selben Tag mit Gas ermordet.
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