Skip to content

Familie Gang

Biography of Gerszon Gang, Ryfka Gang and 5 more

Familie Gang – Nordstr. 51

Gerson Gang, der am 29.5.1871 als Gerson Reiter geboren wurde, kam 1913 von seiner Geburtsstadt Rozdol (Galizien) nach Leipzig. Vermutlich kannte er Ryfka Zieg (*2.11.1888 in Szczerzec), die seit 1914 in Leipzig lebte, schon aus Galizien als beide im Dezember 1915 heirateten. Sie hatten bis dahin jeweils schon eigene Kinder. Wann die Eheleute ihren Namen in Gang, dem Namen von Gersons Mutter, änderten, ist unbekannt. Beide Nachnamen tauchen in den überlieferten Dokumenten auf. Nachdem Gerson im November 1918 aus dem Krieg zurückkam, zog die Familie in die Nordstraße 51. Hier wohnten die Eheleute mit Gersons Tochter Syma Sabina (*6.6.1912 in Zamarstynow / Lemberg) sowie den gemeinsamen Kindern, die in Leipzig geboren wurden: Siegfried Sindel (*3.10.1916), Samuel (*1.2.1919), Dora (*1.9.1920) sowie Moses Moritz (*8.6.1923).

Gerson verdiente als reisender Textilhändler, der über das Land zog und seine Artikel anbot, den wohl eher kargen Unterhalt der Familie. Von Tochter Dora ist überliefert, dass sie als Hausangestellte etwas zum Familienunterhalt beitragen konnte. Moritz arbeitete schon mit 14 Jahren als Fahrradkurier („Laufbursche“) für die Buchhandlung „M.W. Kaufmann“ im Brühl 8. Im Jahr 1938 befand sich Moritz bei einem der Hachschara-Kurse, die Jugendliche auf die Ansiedlung in Palästina vorbereitete. Dort befand sich bereits seine Schwester Sabina, die kurz nach ihrer Heirat mit dem Tischler Kurt Kolländer 1936 aus Deutschland fliehen konnte.

Auch für die Familie Gang war das Jahr 1938 ein sehr einschneidendes. Während die Eltern am 28.10.1938 im Rahmen der „Polenaktion“ nach Polen abgeschoben wurden und in Lwow (Lemberg) bei Ryfkas Schwester unterkamen, konnten Dora und Sindel in Leipzig bleiben, da sie bereits Visa für Südamerika hatten. Beide konnten im November 1938 Deutschland verlassen. Auch Samuel gelang die Flucht auf die Philippinen, wo er zunächst jedoch in einem japanischen Kriegsgefangenenlager eingesperrt wurde.
Eigentlich sollte auch Moritz mit seinen Eltern abgeschoben werden, doch er befand sich nicht in Leipzig. Als er nach den Novemberpogromen in Leipzig seine Eltern suchte und nicht fand, erfuhr er von seiner Tante, dass sie in Lemberg seien. Moritz folgte ihnen nach Ostpolen. Ende 1939 wurde Ostpolen und das Baltikum von der Sowjetunion besetzt (Hitler-Stalin-Pakt). In dieser Zeit muss Moritz von einem Rettungstransport von Riga aus erfahren haben. Er machte sich auf den Weg, erreichte Riga aber nicht, denn er wurde unterwegs von sowjetischen Truppen aufgegriffen, die ihn in ein Arbeitslager steckten. Doch auch hier gelang ihm die Flucht. Er stieg in einen Zug, der ihn nach Rumänien brachte. In Bukarest lernte er seine spätere Frau Benita kennen. Eine letzte Postkarte seiner Mutter aus Lemberg erreichte Moritz nach 1941. Darin machte sie sich große Sorgen um die anderen Kinder, denn seit 1941 habe sie nichts mehr von ihnen gehört. Die Umstände der Ermordung von Ryfka (ca. 53 Jahre) und Gerson (ca. 70 Jahre) bleiben bis heute ungeklärt.

Moritz gelang 1944 die Flucht nach Palästina. Dort meldete er sich für die Jüdische Brigade, eine kämpfende Einheit innerhalb der britischen Armee, und kam nach Belgien. Nach Kriegsende ging er zurück nach Rumänien und heiratete Benita. Beide gelangten nach dem Krieg über die Station München in die USA.

Recherchen: Karen Gang (Enkelin von Ryfka und Gerson Gang), Achim Beier (AG Stolpersteine)

Media

Photos

Free thanks to your help

This biography is free to read. If you like the Stolpersteine Guide, we would be glad of a small contribution.

Thanks to Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein and 6 more.
Support

Stolpersteine nearby

All Stolpersteine in Leipzig

Sources & Imprint

AG Stolpersteine Leipzig

https://www.stolpersteine-leipzig.de
stolpersteine@archiv-buergerbewegung.de
Tel: 0341/3065175
Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.
Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig
Evangelisch-Lutherischer Kirchenbezirk Leipzig
Ephraim-Carlebach-Stiftung
Bürgerkomitee e.V.
Erich-Zeigner-Haus e.V.