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Gotthilf Eugen Lenz

Biography of Gotthilf Eugen Lenz

Gotthilf Eugen Lenz wurde am 15. April 1916 in Schnait als Sohn des Weinbauernehepaares Gottlob Friedrich Lenz (04.02.1884 – 04.01.1969) und Luise Friederike Lenz, geb. Vetter (13.03.1888 – 22.12.1975) geboren.
Er wuchs zusammen mit seiner zwei Jahre älteren Schwester in der Silcherstraße 18 auf (damals 228), anstelle des Hauses ist heute ein Parkplatz.

Er war wohl ein Kind, welches sich von früh an zurückhielt und wenig Kontakt zu anderen suchte. In der Schule scheint er ein Außenseiter gewesen zu sein, in einem Gutachten fällt das Wort ‚autistisch‘. Seine schulischen Leistungen waren befriedigend. Er musste nie eine Klasse wiederholen. Es gibt aus späterer Zeit einen handgeschriebenen Brief von ihm an seine Eltern, der in schönem Sütterlin geschrieben ist und in keiner Weise auffällt.
Er war nicht sehr groß, die Eltern beschrieben ihn als eher schwächliches Kind.
Nachdem Eugen Lenz die Schulzeit beendet hatte, arbeitete er im Weinbauernbetrieb seines Vaters. Sein Verhalten wurde zunehmend auffällig, die Eltern beschreiben Schwierigkeiten vor allem ab der Geschlechtsreife.
Passbild von Eugen Lenz

1936 kam er zum Reichsarbeitsdienst (RAD), wurde aber bald wieder entlassen. Im Februar 1940 erfolgte eine Musterung der Wehrmacht, bei der er als „untauglich für den Waffendienst“ befunden und nach kürzester Zeit wieder in sein Elternhaus zurückgeschickt wurde.

Im Juli 1940 wurde Eugen Lenz festgenommen, nachdem er mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war. Er kam vor Gericht.
Das Gericht kam zu dem Schluss, dass er auf Grund seiner psychischen Probleme und seinen ‚Anzeichen von Geistesgestörtheit‘ zu einer Untersuchung in die Heil- und Pflegeanstalt Winnental (heute Klinikum Schloß Winnenden – Zentrum für Psychiatrie Winnenden) gebracht werden soll.

Vom 25.09. – 5.11.1940 verbrachte Eugen Lenz dort die vorgeschriebenen sechs Wochen zur Beobachtung und Untersuchung.
Als Ergebnis wurde seine Schuldunfähigkeit nach dem damaligen § 51 Abs.1 festgestellt. Er wurde freigesprochen, aber das Gericht ordnete am 20.01.1941 auf Grund des Gutachtens die Einweisung in eine Heil- und Pflegeanstalt an und so kam Eugen Lenz am 03.02.1941 erneut nach Winnental.

Eugen Lenz bemühte sich mehrmals, aus Winnental wegzukommen. Er unternahm zwei Fluchtversuche und versuchte immer wieder, auszureißen.

Am 18.11.1941 schreibt Eugen Lenz an das Gericht in Stuttgart, er habe sich gut gehalten, seine Eltern bräuchten ihn dringend im Weinbaubetrieb, ob er nicht entlassen werden könne. Winnental betont, dass er wenig Einsicht in seine Krankheit zeige.

In einem weiteren Gutachten wurde überlegt, ob Kastration eine geeignete Maßnahme für ihn sei. Es gäbe Hoffnung, dass er sich daraufhin positiv entwickeln würde. Außerdem sei damit auch der ‚Nachwuchs erbkranker Kinder‘ verhindert.
Ob diese dann durchgeführt wurde, ist den Unterlagen nicht zu entnehmen. Allerdings wurde er in der Zeit danach als apathisch, zurückgezogen sowie unzugänglich geschildert und war zu keiner Arbeit zu bewegen.

Die Lage wurde für das Deutsche Reich im Verlauf des Krieges immer schwieriger. Überall fehlte es an Arbeitskräften. Nun wurde auf Befehl Himmlers und des Justizministers auf die arbeitsfähigen forensischen Anstaltspatienten zugegriffen. Die Leitungen verschiedener Anstalten in Baden und Württemberg stellten 1943 Listen von Patienten zusammen, die sie für den Forderungen entsprechend hielten und ab dem Frühjahr 1944 wurden diese Personen abgeholt.
Einlieferungsschein des Konzentrationslagers Mauthausen für Eugen Lenz

Im März 1944 wurde Eugen Lenz in einem Häftlingstransport von 440 Personen in das Konzentrationslager Mauthausen in Österreich gebracht und unter der Häftlingsnummer 58311 und der Kategorie „SV-DR“ (Sicherungsverwahrter) registriert. Vermutlich trug er einen grünen Winkel auf seiner Kleidung.

Zu dieser Zeit waren die Konzentrationslager in drei Lagerstufen eingeteilt. Die Zu- und Umstände waren in allen Konzentrationslagern bekanntermaßen übel, aber in Konzentrationslagern mit der Stufe III am übelsten. Mauthausen war das einzige KZ im Reichsgebiet mit dieser Stufe. Im Grunde war es ein Töten durch Arbeit. In und um Mauthausen gab es viele Steinbrüche, in denen die Häftlinge ohne jeden Schutz und mit ungeeigneter Kleidung hart arbeiten mussten, viele kamen bald nach ihrer Einlieferung zu Tode.

Der bis dahin körperlich gesunde Eugen Lenz wurde zuerst in die Außenlager Linz II und III geschickt, dann wieder zurück nach Mauthausen und von dort in das Außenlager Melk (Tarnname: Quarz). In Melk wurde er als „Hilfsarbeiter“ eingesetzt, wo genau ist nicht vermerkt. Da jedoch das KZ-Außenlager Melk die Errichtung einer Stollenanlage als zentrales Ziel hatte und dort die überwiegende Mehrheit der Häftlinge Zwangsarbeit verrichten mussten, ist es sehr wahrscheinlich, dass Herr Lenz im Stollenvortrieb eingesetzt wurde.

In Melk war die Todesrate enorm hoch. Der 28jährige Eugen Lenz hat die Tortur gerade mal ein halbes Jahr überlebt. Die Gedenkstätte in Melk berichtet dazu: ‚Im Melker Totenbuch ist der Tod von Herrn Lenz am 24. Oktober 1944 vermerkt, als Todesursache ist „Lungen-entz.“ angeführt. Hier ist zu beachten, dass die in den Totenbüchern angeführten Todesursachen meist frei erfunden waren und nicht der tatsächlichen Todesursache entsprechen müssen. Gleichzeitig war es im Außenlager Melk so, dass die überwiegende Mehrzeit der fast 5.000 Todesopfer an der vorherrschenden strukturellen Gewalt zugrunde gegangen sind. Das beinhaltete systematisch zu geringe Nahrungsmittelrationen, mangelhafte oder komplett fehlende Sicherheitsausrüstung bei der Zwangsarbeit, die gefährliche Arbeit im Stollen bei Kälte, Nässe und im Sandstaub sowie die äußerst mangelhafte medizinische Versorgung, die massenhafte Unterbringung im Lager und die schlechten hygienischen Bedingungen.‘

Auf welche Weise Gotthilf Eugen Lenz am 24. Oktober 1944 zu Tode kam, wissen wir nicht.

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