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Kleemann, Pauline

Biography of Pauline Kleemann

Pauline Kleemann (1908 bis 1940)

Pauline Kleemann wurde am 9. Oktober 1908 als jüngste Tochter von Christian Karl Kleemann (1865 bis 1928) und dessen Ehefrau Pauline Karoline geb. Schad (1866 bis 1940) in der Gartenstraße 117 in Backnang geboren [1]. Zwei ihrer fünf Geschwister verstarben im Säuglingsalter, zwei Brüder wurden im Ersten Weltkrieg getötet [2].

Schon mit acht Jahren kam Pauline zum ersten Mal in die Heil- und Pflegeanstalt Stetten und blieb dort sieben Jahre, vom 5.7.16 bis 5.10.23. Nach ihrer Entlassung aus Stetten lebte sie wieder bei ihrer Familie, die mittlerweile in die Postgasse 4 in Backnang umgezogen war [5]. 1928, Pauline ist 20 Jahre alt, stirbt ihr Vater. Vierzehn Jahre pflegt ihre Mutter sie zuhause. Als die Mutter Paulines Pflege wegen ihrer eigenen Krankheit und eines Krankenhausaufenthaltes nicht mehr leisten kann, wird Pauline am 5.2.1937 ein weiteres Mal nach Stetten eingewiesen.

Während der sogenannten Aktion T4 wurden zunächst in Grafeneck auf der Schwäbischen Alb und folgend in fünf weiteren Töungsanstalten in Deutschland und Österreich mehr als 70 000 Menschen umgebracht, deren einziges Vergehen eine tatsächliche oder zugeschriebene Behinderung war. Eines dieser Opfer war Pauline Kleemann: zusammen mit 58 weiteren Frauen und einem jungen Mann wird Pauline Kleemann am 18.9.1940 von Stetten mit den grauen Bussen der Gekrat nach Grafeneck deportiert. Dort wird sie in einer eigens eingerichteten Gaskammer ermordet. Sie wurde nicht einmal 32 Jahre alt.

Der industrielle Massenmord in den Todesfabriken wurde vor der Öffentlichkeit geheim gehalten. Zur Täuschung der Angehörigen wurden fingierte Todesursachen und Todesorte mitgeteilt. Dafür wurde sogar ein bürokratischer Apparat errichtet - in Grafeneck gab es ein Standesamt für fingierte Todesmeldungen. Offensichtlich gingen nicht alle Angehörigen diesen gesteuerten Nachrichten auf den Leim. So fragt Pauline Kleemanns drei Jahre älterer Bruder Robert Kleemann am 15.12. 1940 von Untertürkheim per handschriftlicher Postkarte nach dem Verbleib seiner Schwester. In einem bemerkenswerten Antwortschreiben verschleiert die Anstaltsleitung ihr Wissen um die Ermordung von Pauline Kleemann. So war ja schon in der Krankenakte der Vermerk eingetragen "am 18.9.40 auf Anordnung des Innenministeriums aus der Anstalt verlegt" , ein gebräuchliches Codewort, das nach außen die Ermordung verschleiern sollte. Auch auf Roberts Postkarte war ein entsprechender handschriftlicher Verweis notiert.

Bernd Hecktor

Quellen:

[1] Bernhard Trefz : "Ungeheilt in eine andere Anstalt verlegt..."- Das tragische Schicksal der Backnanger "Euthanasie"- Opfer, in: Backnanger Jahrbuch 2011, Hrsg. Gerhard Fritz und Bernhard Trefz, Backnang 2011, S.159

[2] Württembergisches Standesamt Backnang, Auszug aus dem Familienregister Band 7, Blatt 103, gesichtet im Archiv der Diakonie Stetten, Krankenakte Pauline Kleemann

[7] Bernhard Trefz, a.a.O. S. 159

[8] Martin Kalusche: Das Schloss an der Grenze, Hamburg 2011, S.327

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