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Gertrud Oltmanns

Biography of Gertrud Oltmanns

Oststraße 21 (Haltestellenbereich)
Gertrud Oltmanns

Gertrud Oltmanns wurde als viertes Kind der Eheleute Willi und Gertrud Oltmanns am 17. Oktober 1937 geboren. Der Vater sorgte als Verlagsbuchhändler für den Unterhalt, während die Mutter sich um die Familie und das kleine Reihenhaus im Alemannenweg 5 (Leipzig-Möckern) kümmerte. Die Familie lebte in kleinbürgerlichen Verhältnissen.
Gertrud erblickte einige Wochen vor dem eigentlichen Geburtstermin im achten Schwangerschaftsmonat das Licht der Welt. Sie entwickelte sich in den ersten Lebensjahren langsam, was aber dem diagnostizierten "Mongolismus" (Trisomie 21) entsprach.
Der Vater notierte im Kindertagebuch:

"am 1.XI.42: Immer wieder erlebt man neue schöne Überraschungen. Als ich heute mit den beiden kleinen Schwestern die Treppe hinauf ging, zählte Trudchen nicht nur alle Stufen mit, sondern sie sprach die Zahlen bis 14 zum Teil schon vor mir aus. Erziehend wirkt Klein-Ingeborg [die jüngere Schwester], die sehr lebhaft und geistig rege ist. Einen besseren Spielkameraden konnte die nun 5jährige gar nicht bekommen."

Getrud war als behindertes Kind mit aller Selbstverständlichkeit und Geborgenheit in das Familienleben integriert. Vermutlich hatte die befreundete Kinderärztin, Frau Dr. Teichmann, die Meldung des Kindes als "schwachsinnig" bisher verhindert. Durch die amtsärztlichen Schuluntersuchungen war dies nun nicht mehr zu umgehen. Die Eltern wurden massiv unter Druck gesetzt, Gertrud in eine Anstalt zu geben. Sie folgten der Empfehlung, ihre Tochter für eine Diagnose bei Prof. Catel in der Kinderklinik der Universität Leipzig vorzustellen.
Der Vater schreibt in Gertruds Tagebuch:

"Prof. Catel hat mir am 28.IV. [1943] berichtet, daß seine Beobachtungen zu einem Recht ungünstigen Ergebnis geführt haben. Er müsse Trudchen als stark schwachsinnig bezeichnen, sie dürfe in diesem Zustand nicht in der Familie bleiben, überhaupt nicht in der Öffentlichkeit. Man könne nur im Interesse des Kindes, das man vor dem Anstaltsleben bewahren müsse, diesen Versuch machen. […] Wir Eltern sind, wenn auch recht schweren Herzens, seinem Rate gefolgt. […] Heute habe ich im Kinderkrankenhaus am Bett unserer kleinen Gertrud gestanden. Sie lag im Schlaf, nachdem sie am Morgen die erste Bestrahlung erhalten hatte. Die Oberschwester konnte mir auch nicht sagen, ob und wann das Kind aus seinem tiefen Schlummer aufwachen wird. Wir können nichts tun als zu Gott beten, daß er uns unser Kind erhalten und ihm Heilung schenken möge."

Catel hatte den Eltern Hoffnung gemacht, durch Röntgenstrahlen das Gehirn der kleinen Gertrud zum Wachsen anzuregen. Die drohende Anstaltsunterbringung, die die Mutter ganz ausdrücklich ausschloss, ließ sie ihre Einwilligung zu diesen angeblich medizinischen Versuchen geben.
Es ist zu vermuten, dass Gertrud Oltmanns am 30.4.1943 eine Injektion erhielt, die ihr am 1.5.1943 im Alter von 5 Jahren den Tod brachte.
Der Vater schreibt:

"Als wir Eltern und die Schwestern heute früh ins Krankenhaus kamen, war sie kurz vorher für immer eingeschlafen. Möge Gott die reine, kleine Kinderseele gnädig aufnehmen. […] Uns bleibt nur übrig, ihr Grab zu pflegen und unser Kind in guter Erinnerung zu halten. Dazu sollen auch diese Zeilen in späterer Zeit beitragen."

Ein Leben lang konnte über dieses schwere Kapitel der Familiengeschichte mit den Eltern der kleinen Gertrud nicht gesprochen werden. Zu tief saß der Schmerz aus Ohnmacht, Angst und Versagen.

Recherchen: Imke Oltmanns
Patenschaft: Gesine Oltmanns

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