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Kaufmann in Bad Bertrich

Biografie von Paula, Ernst, Alfred und Erna Kaufmann

Nachdem Samuel Kaufmann im Jahre 1919 an einer Virusgrippe gestorben war, führte seine Frau Paula, geb. Aach, die Schreibwaren- und Buchhandlung in Bad Bertrich und ernährte davon ihre drei Kinder: Ernst, Alfred und Erna.
In der NS-Zeit wurde das Geschäft boykottiert, und am 8.8.1935 mit Bleiweißfarbe in großen Buchstaben »Jude« auf das Schaufenster gemalt, desgleichen auf den Straßendamm vor dem Geschäft.4
Im Jahre 1936 wurde im staatlichen Schwimmbad des Kurortes das Schild mit der Aufschrift Juden unerwünscht aufgestellt.5 Ernst Kaufmann flüchtete noch im gleichen Jahr; zunächst nach Schweden und später in die USA.
Alfred und Erna Kaufmann zogen im April 1938 mit ihrer Mutter nach Trier und bereiteten die Ausreise in die USA vor. Während Alfred Kaufmann wenige Monate später emi grieren konnte, verzögerte sich die Ausreise der Frauen. Erna Kaufmann fuhr mehrmals nach Stuttgart, um die Papiere in Ordnung zu bringen. Schließlich wurde ihrer Mutter wegen einer Augenkrankheit die Einreise in die USA verweigert. Daraufhin wartete Frau Kaufmann auf einen Operationstermin; sie wollte ihre Mutter nicht alleine zurücklassen. Da Paula Kaufmann bei einer Freundin in Trier Unterschlupf fand, riet sie ihrer Tochter zur Flucht. Ende 1939 emigrierte Erna Kaufmann nach England.
Ihre Mutter wurde mit ihrer Freundin im Jahre 1942 von Trier deportiert und in Minsk ermordet.
Nach dem Krieg kam Alfred Kaufmann als amerikanischer Soldat für kurze Zeit nach Deutschland zurück.
Frau Erna Dorn geb. Kaufmann nahm im September 1995 an der Begegnungswoche teil. Im Laufe dieser Woche erzählte sie über ihr Leben in Bad Bertrich:
»Vor den Nazi-Jahren hatten wir wenige Schwierigkeiten. Meine Brüder und ich sind acht Jahre in Bad Bertrich zur Schule gegangen.
Nach der Übernahme hat sich alles geändert. Wir Kinder verloren unsere Freunde. Das Geschäft hat man nicht mehr besucht.
Im Jahre 1938 hat meine Mutter das Geschäft aufgeben müssen und ist dann nach Trier gezogen, wo sie mit einer Freundin lebte, bis sie im Jahre 1942 Trier zwangsweise verlassen mußte. Wir haben dann nichts mehr von ihr gehört.
Auch mein Onkel Felix Kaufmann lebte in Bad Bertrich. Im Jahre 1936 war es ihm möglich, mit seiner Familie nach Südafrika auszuwandern, wo die beiden Töchter noch heute leben.«
Alfred Kaufmann kam 1945 für kurze Zeit als amerikanischer Soldat nach Deutschland zurück.

Erna Dorn geb. Kaufmann erinnerte sich anlässlich der Begegnungswoche 1995, mehr als 60 Jahre später. »Ich wäre so gerne tanzen gegangen, aber den Juden war das nicht mehr erlaubt.«
Die Gespräche mit den Schülern, das Interesse und die Anteilnahme an ihrem Leben bewirkten, daß Frau Dorn bei einem Empfang des Landrates Dr. Balthasar in Beilstein zum ersten Mal in ihrem Leben zum Rednerpult ging, eine eindrucksvolle Rede hielt und sich herzlich für die Gastfreundschaft und das Interesse an ihrem Schicksal bedankte: »Es ist die schönste Woche in meinem Leben.«

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