Biografie von Leon Sucher, Berta Sucher geb. Keyser, Alfred Sucher und Kurt Sucher
Leon Sucher lebte seit spätestens 1909 in Kleve und betrieb hier ein Textilgeschäft. Etwa 1911 konnte er in das Gebäude unmittelbar an der neuen Brücke (Ecke Herzogstraße / Opschlag) umziehen.
Die beiden Söhne besuchten das Klever Gymnasium. Aber während Alfred Sucher 1932 dort noch sein Abitur ablegen konnte, wurde Kurt 1933 gezwungen, die Schule zu verlassen.
Alfred Sucher begann ein Jurastudium in Heidelberg, das er aber nach einem Semester also schon vor 1933 aufgab. In einer eidesstattlichen Erklärung gab er an, er sei als Mitglied einer jüdischen farbentragenden Studentenverbindung häufig den Anpöbeleien der nationalsozialistischen Verbindungsstudenten ausgesetzt gewesen. Heidelberg sei eine Hochburg der NSDAP und der Zeit „in dieser Hinsicht weit voraus“ gewesen. Eine akademische Laufbahn erschien ihm als Juden vollkommen aussichtslos. Stattdessen begann er 1934 eine kaufmännische Ausbildung in Hamburg und war seit Januar 1936 im internationalen Getreidehandel tätig. 1938 war die Firma gezwungen, ihn zu entlassen. Im gleichen Jahr gelang es Alfred Sucher in die USA auszuwandern.
Kurt Sucher musste seinen Wunsch, Medizin zu studieren, aufgeben. Auch er ergriff einen kaufmännischen Beruf. In Köln machte er ab 1935 eine Lehre in einer Damenhutfabrik. Er verlor seine Stelle, als der jüdische Inhaber die Firma Ende 1938 zwangsweise verkaufen musste.
Im August 1939 konnte er nach England auswandern.
Leon und Berta Sucher versuchten zunächst ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf von Manu-fakturwaren in ihrer Wohnung zu sichern. Im Oktober 1936 mussten sie in das Haus des jüdischen Viehhändlers Gustav Rothschild ziehen. Unmittelbar nach Kriegsbeginn verließ das Ehepaar Kleve. Alfred Sucher erklärt hierzu 1957: „Infolge der allgemein bekannten Verfolgungsmaßnahmen gegen die Juden in den Kleinstädten verließen sie Kleve und zogen nach Krefeld. In Krefeld wurden meine Eltern von einer Wohnung in die andere geschickt. … Mein Vater, ein schwer Asthma Leidender, wurde gezwungen, morgens um 5 aufzustehen, und zur Zwangsarbeit abkommandiert. (Er mußte Sandsäcke zuschneiden).“
Am 11. Dezember 1941 wurden Berta und Leon Sucher über Düsseldorf in das Ghetto Riga deportiert und dort 1942 ermordet.
Leon Sucher (Boroutz / Bukowina Österreich (heute: Ukraine) 1883 – 1942 Riga, Ghetto)
Berta Sucher geb. Keyser (Krefeld 1885 – 1942 Riga, Ghetto)
Alfred Sucher geb. 1913 in Kleve
Kurt Sucher geb. 1920 in Kleve
Medien
Fotos
Kostenlos dank Ihrer Hilfe
Diese Biografie ist frei zugänglich. Wenn Ihnen der Stolpersteine Guide gefällt, freuen wir uns über einen kleinen Beitrag.
Danke an Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein und 6 weitere.Stolpersteine in der Nähe
Alfred Rosenberg120 m
Selma Spier geb. David120 m
Elisabeth Schaap210 m
Eva Cohen250 m
Dorothea Ballizany440 m
Gerta Stein470 m
Quellen & Impressum
Haus der Begegnung – Beth HaMifgash e.V.
mifgash.de
Die AG Geschichte besteht seit April 2014. Ihre Aufgabe ist die weitere Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Kleve.
Autorin und Ansprechpartnerin: Helga Ullrich-Scheyda · helga@scheyda.de