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Familie Cohen

Biografie von Levi Cohen, Henriette Cohen geb. Devries und Eva Cohen

Levi Cohen, von Beruf Lohgerber, heiratete 1886 Henriette Devries. Das Ehepaar ließ sich zunächst in Kaldenkirchen nieder, wo die Familie Devries eine Metzgerei betrieb. Hier wurden die ältesten drei Kinder Eva (1887), Abraham (1889) und Josef (1891) geboren. Anfang der 1890er-Jahre zog die Familie nach Sonsbeck, wo die Kinder Berta (1894), Jakob und Adolf (beide 1899) zur Welt kamen. Adolf verstarb schon im Alter von drei Monaten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebte die Familie in Kellen. Hier wurde 1903 ihre jüngste Tochter Helene geboren. Während des Ersten Weltkrieges kam die Familie nach Kleve, wo Sohn Josef 1919 eine Metzgerei übernahm. Sein 70-jähriger Vater Levi Cohen hatte sich inzwischen zur Ruhe gesetzt. 1923 zog die Familie in die Hagsche Straße 28 und verlegte auch den Betrieb dorthin. Die Stadt Kleve als Eigentümerin des Hauses hatte im Dezember 1922 ihre Entscheidung bekanntgegeben, das Haus je zur Hälfte dem Niederrheinischen Kaufhaus und dem Fleischwarenhändler Cohen zu vermieten. Im Adressbuch von 1924 findet sich zudem der Eintrag „Niederrheinische Fettschmelze Josef Cohen, Cleve“. Der Bruder Jakob Cohen hatte sich als Viehhändler niedergelassen.

1929 wollte die Stadt Kleve das Grundstück an der Hagschen Straße an die Stadtsparkasse für den Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes verkaufen. Da der Mietvertrag mit Levi Cohen aber noch bis zum 1. März 1933 lief, kaufte die Stadt für die Familie Cohen ein Haus an der Stechbahn 67 und zahlte der Familie 1100 RM als Abfindung und für den Umzug.

Berta und Helene Cohen hatten 1921 bzw. 1925 in Kleve geheiratet und waren dann mit ihren Ehemännern nach Düsseldorf verzogen. Josef und Jakob Cohen, ebenfalls inzwischen verheiratet, ließen sich in Krefeld bzw. Goch nieder.

1933 waren Levi 84 Jahre und Henriette 72 Jahre alt. Versorgt wurden sie von ihrer unverheirateten ältesten Tochter Eva. Sicher war geplant, den Lebensabend in Kleve zu verbringen. Doch nach Beginn der NS-Herrschaft wurde alles anders. 1934 wurde gegenüber der Wohnung das Ehrenmal für die gefallenen Klever Soldaten des Ersten Weltkriegs mit nationalsozialistischem Pomp eingeweiht. 1938 verließ die Familie Kleve und kam bei der jüngsten Tochter Helene und ihrem Ehemann Adolf Ermann unter. Von dort reisten die Eltern 1939 nach Cuijk zur Familie eines verstorbenen Bruders von Levi. Dort starb Levi Cohen am 18. November 1941. Seine Ehefrau wurde am 9. April 1942 in das Lager Vught eingeliefert, wo sie nach einem Monat Inhaftierung verstarb. Ihre Schwägerin und deren fünf Kinder, bei denen sie zuletzt gewohnt hatte, wurden deportiert und ermordet. Eva Cohen wurde mit ihrer Schwester Berta Franck und deren Ehemann Paul am 10. November 1941 nach Minsk deportiert. Der Todeszeitpunkt ist nicht bekannt. Auch Abraham und Jakob Cohen überlebten den Holocaust nicht. Nur Josef und Helene Cohen gelang die Flucht nach Großbritannien bzw. in die USA.

Levi Cohen (Sambeek, NL 1849 - 1940 Cuijk, NL)
Henriette Cohen geb. Devries (Kaldenkirchen 1861 - 1943 Lager Vught, NL)
Eva Cohen (Kaldenkirchen 1887 - 1941 Minsk, Ghetto)

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Quellen & Impressum

Haus der Begegnung – Beth HaMifgash e.V.

mifgash.de
Die AG Geschichte besteht seit April 2014. Ihre Aufgabe ist die weitere Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Kleve.

Autorin und Ansprechpartnerin: Helga Ullrich-Scheyda · helga@scheyda.de