Biografie von Jakob und Klara Wertheimer
Familie Klara und Jakob Wertheimer, Rheinstrasse 26
Klara Wertheimer wurde am 1894 als Tochter von Samuel und Helene Geismar in Breisach geboren. Sie heiratete den Viehhändler Jakob Wertheimer aus Kehl. Seine Eltern Nanette und Abraham Wertheimer stammten aus Bodersweier. Jakob Wertheimer hatte am Ersten Weltkrieg teilgenommen.
Das Paar ließ sich in Kehl, nieder. Hier wurde auch 1921 Tochter Margot geboren.
Nach der Schulzeit in Kehl wollte Margot Laborantin werden, doch aus rassischen Gründen wurde ihr diese Ausbildung verwehrt. Sie besuchte stattdessen April 1936 bis Sommer 1938 die Handelsschule in Kehl. 1939 zog sie nach Ludwigsburg, sie am 28. November 1941 verhaftet und nach Lettland deportiert wurde. Dies war der Beginn eines Leidensweges von 37 Monaten, der über das Gefängnis Ludwigsburg und das Sammellager auf dem Killesberg in Stuttgart in das Konzentrationslager Jungfernhof, das Getto in Riga, das Konzentrationslager Stutthof bei Danzig und schließlich das Zuchthaus Krone a.d. Brahe im heutigen Polen führte.
Nach ihrer Befreiung am 26. Januar 1945 ließ Margot Wertheimer in Stuttgart nieder. Dort erfuhr sie, dass ihre gesamte Familie bis auf ihre Kusine Ruth Bodenheimer, (siehe Rheinstrasse 7) war ausgelöscht war. Am 28. April 1946 wanderte sie in die USA (New York) aus, wo sie später mit Justin Stern eine Familie. Sie verstarb am 6. März 2017.
Margot Stern geb. Wertheimer begrüßte die Verlegung von Stolpersteinen zur Erinnerung an ihre Eltern und deren Schicksal. Für sich selbst jedoch wollte sie keinen Stolperstein.
Nach dem Wegzug von Tochter Margot im Jahre 1939 blieben die Eltern in Kehl. Auszuwandern kam für sie offenbar nicht in Frage, möglicherweise fühlten sie sich auch wegen der Teilnahme Jakobs am Ersten Weltkrieg zusätzlich geschützt.
Ab 1933 musste Jakob Wertheimer den Niedergang seines Geschäfts erdulden, im Juni 1934 erfolgte die Zwangsversteigerung seines Hauses in der Rheinstraße 26. Die Familie wohnte dann in der Kinzigstraße 1 bis 1939 zur Miete. 1935 wurde Jakob Wertheimer die Viehhandelserlaubnis entzogen, er musste sein Geschäft aufgeben.
Er befand sich unter den vielen jüdischen Männern, die in der Reichspogromnacht 9./ 10. November 1938 in Kehl schwer misshandelt und anschließend in das KZ Dachau eingeliefert wurden. Niemandem durfte er hinterher berichten, was er dort erleiden musste. Nur die Häftlingsnummer, die ihm nach seiner Ankunft eintätowiert wurde, ist bekannt: Es war die Nummer 22375. Erst am 22. Dezember 1938 durfte er heimkehren.
Zu Kriegsbeginn 1939 wurde das Ehepaar mit der gesamten Kehler Bevölkerung evakuiert. Sein früheres Wohnhaus in der Rheinstraße 26 wurde 1939/40 zum „Arierhaus“ erklärt. Nach der Rückkehr aus der Evakuierung wurde ihnen der Zutritt zur Wohnung Kinzigstraße 1 versperrt, sie in der Schulstraße 27 Unterschlupf bei Jakobs Schwester Elsa Bodenheimer. Sie mussten nun von ihren Ersparnissen leben, da Jakob Wertheimer die Handelserlaubnis entzogen worden war.
Am 22. Oktober 1940 wurde das Paar zusammen mit Elsa Bodenheimer und den noch in Kehl lebenden Jüdinnen und Juden nach Gurs deportiert, wo sie unter unbeschreiblichen Bedingungen in einem Lager zusammengepfercht wurden. Einige Zeit später wurden Jakob und Klara Wertheimer in das wenige Kilometer entfernte Lager Noé verlegt, wo die Zustände kaum besser waren.
Im August 1942 schließlich transportierte man sie nach Drancy, wo sie am 28. August 1942 einen Zug („Transport Nr.25“ – Serge Klarsfeld) nach Auschwitz besteigen mussten.
Beide wurden dort nach ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet.
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Quellen & Impressum
Arbeitskreis 27. Januar