Biografie von Paul und Sophie Wertheimer
Familie Wertheimer, Hermann-Dietrich-Straße 10
Paul Wertheimer
Geboren am 17.5.1897 in Kehl, hat NS-Verfolgung überlebt, am 25.3.1981 in Kehl gestorben
Sophie Wertheimer, geb. Weil
Geboren am 1.1.1904 in Friesenheim, am 1.5.1945 in Heiden/Schweiz gestorben
Paul und Sophie Wertheimer haben am 4. September geheiratet. Sie bekamen zwei Töchter: Doris wurde am 25. August 1932, Evelyne am 9. Dezember 1937 geboren. Paul Wertheimer war Teilhaber der Firma Weil & Wertheimer, In- und Export und Verwertung von Rohprodukten, die er zusammen mit seinem Schwiegervater Simon Weil (siehe Familie Weil, Schulstraße 3) führte. Er schied am 30. April 1938 aus dem Betrieb aus, der zum 31.12.1938 liquidiert wurde.
Am 13. September 1938 flüchtete er zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern nach Straßburg. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde er als „feindlicher Ausländer“ in Frankreich interniert. Bis Ende Januar 1940 befand er sich unter haftähnlichen Bedingungen und Polizeiaufsicht in den Lagern Raon, L’Etape und Mirecourt. Kurz darauf muss er erneut interniert worden sein, denn über seine Frau Sophie ist bekannt, dass sie die Zeit zwischen April bis Juni 1940 im Lager Neufchâteau in den Vogesen verbringen musste. Ungeklärt ist, ob sich die Familie zwischendurch getrennt hat, um ihre Überlebenschancen zu erhöhen. Nachdem die Deutschen ganz Frankreich besetzt hatten, wurden sie von der Gestapo gesucht und mussten sich versteckt halten. Sophie Wertheimer trug während der Verfolgung einen Tarn-Namen und nannte sich Susanne Wittmer. Als die Gefahr entdeckt zu werden zu groß wurde, entschloss sich Paul Wertheimer, sich zusammen mit seiner Familie einer Fluchthelferorganisation anzuvertrauen und nach Zahlung einer wohl erheblichen Summe mit Hilfe der so genannten Pasteur-Kette in die Schweiz zu fliehen.
Kaum hatten sie am 13. September 1943 rettenden Boden erreicht, wurden sie zunächst in den Auffanglagern Charmilles und Belmont untergebracht und am 13. März 1944 ins Interniertenheim Champéry versetzt. Sophie Wertheimer ging es infolge einer 1942 ausgeführten Operation gesundheitlich sehr schlecht und sie wurde am 30. September 1944 für lageruntauglich erklärt. Daraufhin verbrachte man sie gemeinsam mit ihrem Ehemann nach Heiden, wo sie unter Polizeiaufsicht ihre letzten Monate erlebte. Sie starb am 1. Mai 1945, unmittelbar vor Ende des Krieges. Ihre Töchter hat sie nicht mehr getroffen. Sie waren damals in einem Schweizer Kinderheim untergebracht.
Nach dem Krieg ließ sich Paul Wertheimer mit seinen beiden Töchtern in der Rue Louis Apfel in Straßburg nieder, von wo aus er 1950 sein Kehler Geschäft in der hiesigen Kasernenstraße 19 wieder eröffnete. In Erinnerung an seinen ermordeten Schwiegervater und früheren Teilhaber Simon Weil nannte er die Firma wieder „Weil & Wertheimer Rohstoffe für die Papier-, Metall- und Textilindustrie“.
Medien
Fotos
Kostenlos dank Ihrer Hilfe
Diese Biografie ist frei zugänglich. Wenn Ihnen der Stolpersteine Guide gefällt, freuen wir uns über einen kleinen Beitrag.
Danke an Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein und 6 weitere.Stolpersteine in der Nähe
Jakob Wertheimer180 m
Elsa Bensinger190 m
Claus Rosenthal220 m
Cheit Elsa250 m
Wertheimer Klara250 m
Arnold Schwarzkachel250 m
Quellen & Impressum
Arbeitskreis 27. Januar