Biografie von Georg Halder
Georg Andreas Halder
Georg Andreas Halder wird am 30.05.1882 in Gruibingen in der Nähe von Göppingen am Rand der Schwäbischen Alb geboren. Der Vater von acht Kindern, drei Buben und fünf Mädchen, wird 1927 Zeuge Jehovas. 1929 kommt Halder mit seiner Familie nach Augsburg. Bald nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, 1933, werden neben anderen Minderheiten auch Jehovas Zeugen zu Staatsfeinden und Volksschädlingen erklärt. Die Zeugen Jehovas sind den Nationalsozialisten wegen ihrer kompromisslos nonkonformistischen Haltung von Anfang an ein Dorn im Auge. Sie lehnen sowohl den Dienst an der Waffe als auch den Hitlergruß ab. Die für sie typische Missionstätigkeit setzen sie, so gut sie es vermögen, trotz Verbot im Untergrund fort. Jehovas Zeugen verweigern sich dem Regime, weil es, ihrer Meinung nach, von ihnen verlangt, ihre christliche Überzeugung aufzugeben. Dem entsprechend bekommen auch Georg Halder und seine Frau Friederike den Hass dieser menschenverachtenden Ideologie zu spüren. Erste Repressalien in Form von Hausdurchsuchungen folgen, dann, im April 1933, werden beide in Günzburg, während sie in ihrem Missionsdienst unterwegs sind, verhaftet und für eine Woche ins Gefängnis gesteckt. 1935 wird der achtfache Vater zu zwei Monaten Haft verurteilt, unmittelbar darauf muss er in U-Haft, dann für weitere zehn Monate ins Gefängnis. Im Frühjahr 1937 tauscht Georg Halder das Gefängnis mit dem Konzentrationslager Dachau, dessen Tore sich für einige Jahre hinter ihm schließen. Dann gelingt es ihm, seine Gegner vorübergehend zu täuschen. Im Dezember 1941 unterzeichnet er zum Schein eine Lossagungserklärung, in der er sich verpflichtet, nicht mehr als Zeuge Jehovas tätig zu sein. In Wirklichkeit will er draußen mit ganzer Kraft seinen Glaubensbrüdern helfen, was er auch mit aller Energie, die er aufzubringen vermag, tut. Mit Geld und Lebensmittelsammlungen unterstützt er KZ-Häftlinge und deren Angehörige.
Im Spätherbst 1942 dann, die nächste Episode in der Verfolgungsbiografie des Georg Halder.
Seine Tochter, Frieda, erinnert sich: »Kurz darauf erschienen eines Abends zwei Gestapo-Männer. Mein Vater war nicht da. Sie setzten sich und warteten auf ihn und fragten nach Schriften. Besorgt dachte ich an Vater, und unter dem Vorwand, ich müsste zu meiner Schwester Berta gehen, die in der Nähe wohnte, konnte ich die Wohnung verlassen. In der Dunkelheit wartete ich auf ihn. Bald kam er, und ich sagte, die Gestapo wartet auf dich. Wir gingen um den Häuserblock, und er gab mir seine Bibel, einige Schriften, und dann trennten wir uns. Natürlich war sein Herz erregt, er atmete schwer. Doch konnte er gefasst die Wohnung betreten, und sie fanden nichts bei ihm. Noch einmal konnten wir sie täuschen.« Dann aber, am 27. Januar 1943 wird er erneut verhaftet. Diesmal ist Denunziation im Spiel. Es wird Georg Halders letzte Haft sein. Seine Tochter Frieda: »Mit dieser erneuten Verhaftung wusste mein Vater, ging es um sein Leben.« Ein Jahr später die Urteilsverkündung: Todesstrafe durch Enthaupten. Tag der geplanten Ermordung: 4. April 1944. Auch der Abschiedsbrief Halders trägt dieses Datum. Doch noch einmal wendet sich das Schicksal Georg Halders, wenn auch nur vier Tage. 30 Häftlinge sollen am 4. April zusammen mit ihm hingerichtet werden. Aber Georg Halder, der gefesselt in seiner Zelle liegt, wird schlicht vergessen. Ein Wärter findet ihn und verschafft ihm eine gewisse Erleichterung indem er seine Fesseln löst. Halder nutzt die Gelegenheit, mit dem Wärter einige Stunden über seine religiöse Überzeugung zu sprechen. Am 8. April 1944, gegen 22.00 Uhr, bemerkt man, dass einer der Todeskandidaten vergessen wurde. Wenige Minuten später wird auch Georg Halder ermordet. Georg Halder war einer von zirka 1.000 Zeugen Jehovas, die während des Nazi-Terrors ihr Leben ließen, weil sie, ihrer Überzeugung gemäß, »Gott mehr gehorchen« wollten als »den Menschen«.
zusammengestellt durch die Stolpersteininitiative Augsburg
Biographie zusammengestellt: Peter Glowotz
Quelle Foto (Portait): Creditline: Jehovas Zeugen in Deutschland, K.d.ö.R.
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