Biografie von Israel Dejong
ehem. Paul-Gruner-Str. 34 (Fußweg gegenüber dem Parkplatz)
Israel Dejong
Schülerinnen und Schüler der Carl-Friedrich-Goerdeler-Oberschule Leipzig recherchieren nach Opfern der NS-Gewaltherrschaft in der Umgebung ihrer Schule. Im Gedenkbuch für die Leipziger Opfer der Shoah von Ellen Bertram stießen sie auf das Schicksal von Israel Isidor Dejong (auch Deyong), der in der Sidonienstr., der heutigen Paul-Gruner-Str., wohnte.
Israel Dejong wurde am 1. Juli 1883 in Ahlen geboren und 1896 in der evangelisch-lutherischen Gemeinde Wuppertal-Elberfeld getauft. Im Jahr 1912 kam er von Trier nach Leipzig. Herr Dejong arbeitete als Vertreter von Stahlwaren. Diesbezüglich war er sehr viel unterwegs. Auch innerhalb von Leipzig bewohnte er über die Jahre hinweg verschiedene Zimmer zur Untermiete. In den Jahren 1931/32 hatte er sich bei einer Frau Kellermann im Erdgeschoss der damaligen Sidonienstr. 34 eingemietet.
Herr Dejong hatte in Leipzig keine Familie, nachdem beide eingegangenen Ehen scheiterten. Nach 1933 bekam jedoch seine jüdische Abstammung eine dramatische Bedeutung. Auch Herr Dejong wurde im Zuge der Pogromnacht in Leipzig am 10.11.1938 verhaftet und in das KZ Buchenwald gebracht, wo er bis zum 17.12.1938 inhaftiert blieb. Nach dem Attentatsversuch auf Hitler vom 8. November 1939 durch Georg Elser in München kam es landesweit zu einer "Sonderaktion" auch gegen Juden. Bei dieser wurde Israel Dejong am 9. November 1939 verhaftet. Bis zum 16. Dezember 1939 befand er sich daraufhin im Leipziger Polizeigefängnis. Im Juni 1940 erfolgte eine neuerliche Verhaftung.
Im Zuge der Einrichtung sog. „Judenhäuser“ ab 1939, um u.a. Wohnraum für die nichtjüdische Mehrheitsbevölkerung zu schaffen, musste auch Israel Dejong in eines dieser „Häuser“, wie sie die Betroffenen nannten, in die Humboldtstr. 6 ziehen.
Mit dem ersten Transport aus Leipzig am 21. Januar 1942 nach Riga wurde neben über 550 weiteren Leipzigern auch Israel Dejong deportiert. Es war ein sehr kalter Tag. Der unbeheizte Zug nahm in Dresden noch eine größere Anzahl Juden aus ganz Sachsen auf. Nach einer dreitägigen Fahrt erreichte der Transport die von Deutschland besetzte lettische Hauptstadt. Hier verliert sich die Spur von Israel Dejong (ca. 58 Jahre).
Patenschaft: Carl-Friedrich-Goerdeler-Oberschule Leipzig
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