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Gillhoff, Reinhilde

Biografie von Reinhilde Gillhoff

Reinhilde Gillhoff – Shakespearestr. 43

Reinhilde wurde am 14. Januar 1925 in Crimmitschau geboren. Von Geburt an war sie geistig beeinträchtigt. Auch ihre physische Entwicklung stagnierte. In den überlieferten Aufzeichnungen ihrer Mutter Klara Gillhoff findet sich ein Hinweis auf ihre Konstitution: „Jetzt ist sie 3½ Jahre alt und kann immer noch nicht gehen. Sie ist krank und schwach. Auch sprechen kann sie nicht.“
Bereits im Herbst 1926 wurde Reinhilde in der Uni-Kinderklinik Leipzig beobachtet. Im Oktober 1927 zog die Familie nach Leipzig in die damalige Sophienstraße. Doch die familiäre Gesamtsituation ließ eine Alternative zu einem stationären Aufenthalt in einer Anstalt nicht zu. Mutter Klara schrieb: „Es wurde uns sehr schwer, sie am 5. Dezember 1929 in die Heilanstalt Dösen zu bringen. Über zwei Jahre ist R. nun schon dort, aber Fortschritte sind nicht zu merken.“
Nachdem die Nationalsozialisten seit Oktober 1939 den systematischen Massenmord an pflegebedürftigen Menschen (Aktion T4) vorbereiteten und die ehemalige Anstalt Pirna-Sonnenstein im Frühjahr 1940 zur Tötungsanstalt umgebaut wurde, begann die massenhafte Verschiebung von Patienten von Anstalt zu Anstalt. Damit wollten die Nationalsozialisten ihre Absichten vor den Angehörigen verschleiern.
Reinhilde Gillhoff kam im Mai 1940 von der Landesanstalt Chemnitz-Altendorf nach Wermsdorf-Hubertusburg, im Juli 1940 in die Heil- und Pflegeanstalt Arnsdorf und im August 1940 nach Pirna-Sonnenstein.
Am Wortlaut der Todesanzeige erkennt man die Unwissenheit der Familie über den Mordkomplott der Nationalsozialisten. Es wird aber auch deutlich, dass Reinhildes Tod Fragen aufgeworfen hatte: „Unsere liebe ‚Reinhilde Gillhoff‘ ist nach einem vor Menschen gering geachteten, leidvollen Leben fern der Heimat am 9. September 1940 im Alter von 15 Jahren entschlafen. […] Wird uns ihr plötzlicher Tod auch immer ein Rätsel bleiben, so sind wir doch freudig gewiß, daß sie Kraft ihrer Taufgnade an der Hand des Heilandes durch Nacht zum Lichte ging.“

Recherchen: Johanna Müller, Nicolai Hildebrandt

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