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Sigismundstr. 16

Biografie von Lene Guggenheim - geb. Guggenheim, Peter Guggenheim, Rainer Guggeheim und Richard Guggenheim, Dr.

Lene Guggenheim wurde am 25.05.1907 als Tochter des Kaufmanns Alfred Guggenheim und Gisela Guggenheim, geb. Billigheimer, in Konstanz geboren, hier ist sie in der Rosgartenstraße 27 aufgewachsen.

Ab dem 12.09.1917 besucht die Schülerin das Konstanzer Gymnasium, an dem sie 1926 das Abitur mit dem 3. Abiturpreis der Schule ablegte.

Im gleichen Jahr heiratete sie den Kinderarzt Dr. Richard Guggenheim. Mit ihrem Mann lebte sie in der Sigismundstraße 16, ihre beiden Söhne Peter und Rainer wurden 1927 und 1931 geboren. Neben der Erziehung der Kinder arbeitete sie auch in der Praxis ihres Mannes mit.

Mit ihrer Familie reiste sie im Juni 1937 erstmals in die USA, um ein bereits erteiltes Visum (Nummer 10325, ausgestellt am 12.03.1937) für die USA nicht verfallen zu lassen und eine Verlängerung zu erwirken. Dort erhielten sie von den amerikanischen Behörden das wichtige „Reentry Permit", mit dem die spätere Auswanderung erst ermöglicht wurde. Nach der Rückkehr nach Konstanz im Juli 1937 kümmerte sie sich verstärkt um die Vorbereitung der geplanten Ausreise, indem sie die Überfahrt vorbereitete und auch versuchte, Devisen zu bekommen.

Als ihr Mann im Januar 1938 aus Konstanz fliehen musste, zog sie mit den Kindern zu ihrer Mutter, Gisela Guggenheim, in die Obere Laube 52. Mit den Kindern gelang ihr die Ausreise über Le Havre in die USA, am 28.05.1938 traf sie mit ihren Söhnen in New York ein. Bis zu ihrem Tod am 14.02.1989 lebte sie in Islip, NY.

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Peter Guggenheim wurde am 01.05.1927 als Sohn des Kinderarztes Dr. Richard Guggenheim und seiner Frau Lene Guggenheim geboren.

Nach dem Besuch der Volksschule besuchte er ab dem 09.04.1937 bis Frühjahr 1938 das Konstanzer Gymnasium, als letzter jüdischer Schüler während des Nationalsozialismus. Er erinnerte sich später daran, dass er sich in dieser Zeit als jüdischer Schüler nicht an den Schießübungen beteiligen durfte. In der Klassenliste steht bei ihm trotz durchgehend guter Leistungen die Bemerkung: „Körperlich nicht voll leistungsfähig. Außerdem fehlt es vielfach an Mut. Guter Wille ist vorhanden. Fleißig und geistig regsam." Es ist auffällig, dass generell die körper­lichen Leistungen der Schüler an Bedeutung zunehmen, abwertende Beurteilungen finden sich bei jüdischen Schülern zunehmend häufiger, unabhängig von den tatsächlichen Leistungen (siehe auch Trudy Rothschild). Im Juni 1937 reiste Peter erstmals mit seiner Familie für zwei Wochen in die USA, die Reisezeit war länger als der tatsächliche Aufenthalt dort.

Auch das Visum von Peter (Nummer 10328 vom 12.03.1937) konnte so mit einem „Reentry Permit" ergänzt werden. Endgültig verließ Peter Deutschland im Mai 1938, kurz nach seinem 11. Geburtstag.

In Islip beschäftigte er sich mit großer Hingabe mit der Aufzucht von Hühnern, wie seine Großmutter später in Briefen berichtete. Die deutschen Behörden entzogen ihm am 30.10.1940 die deutsche Staats­bürgerschaft, er wurde als „staatenlos" erklärt. Vermutlich um 1944 erhielt er die amerika­nische Staatsbürgerschaft.

Nach dem Schulabschluss in den USA studierte er später Medizin wie sein Vater und arbeitete viele Jahre in New York und Warwick als Psychiater. Er starb am 05.03.2012 im Alter von 84 Jahren.

Text des Nachrufs:
GUGGENHEIM, Dr. Peter D., a psychiatrist and associate clinical professor of psychiatry at NYU, passed away on March 5, 2012, at age 84 in Warwick, NY, of complications of Parkinson’s Disease. He was born on May 1, 1927 to Lene and Richard A. Guggenheim, M.D., in Konstanz, Germany. Following his family’s emigration to the U.S. in 1938, he was raised in Islip, New York, where his father practiced pediatric medicine. He attended Cornell University, earning a BA in 1949 and a medical degree in 1955, and served in the US. Navy as a Lieutenant in 1955-56. As a psychiatrist, Dr. Guggenheim was in private practice, and was medical director of the New York City Family Court Mental Health Clinic, and at Valley Behavioral Medicine in Warwick, NY. At New York University, he co-founded the Forensic Fellowship Program, and was an associated professor of Psychiatry. He lived in New York with his partner, John Abbott, for 46 years, before the two moved permanently to Warwick, NY in 1998. They celebrated their 60th anniversary as a couple in 2011, and were legally married in Toronto in 2007. Together, they amassed a renowned collection of Renaissance bronzes and clocks. Their bronzes have been on loan at the Metropolitan Museum and the Frick Museum, the Royal Academy in London, and the Louvre in Paris, and were featured in their own show at the DeYoung Museum in San Francisco. Their clock collection was on show at the Smithsonian Museum and the Bayerisches Museum in Munich, Germany. Dr. Guggenheim and Dr. Abbott were also equestrian enthusiasts and bred Havoverian horses for dressage, and partial to Boxer dogs. Dr. Guggenheim is survived by his partner John Abbott, his sister in law Janet Guggenheim, and his cousin Kim Guggenheim.

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Rainer Guggenheim wurde am 28.12.1931 als zweiter und jüngster Sohn von Lene und Dr. Richard Guggenheim in Konstanz geboren und wuchs in seinem Elternhaus in der Sigismundstraße 16 auf.

In Konstanz besuchte er auch einen Kindergarten, erinnert sich später daran, wie er im Kindergarten dazu angehalten wurde, Hakenkreuze zu malen.

Im Juni 1937 reiste er mit seiner Familie erstmals für wenige Wochen über Holland (Rotterdam) in die USA. Hintergrund war die notwendige Verlängerung eines am 12.03.1937 ausgestellten Immigration Visums (Nr. 10327). In den USA erhielt er dabei ein Reentry Permit, das es ihm ermöglichte, im Mai 1938 im Alter von 6 Jahren mit seiner Mutter und seinem älteren Bruder endgültig in die USA zu fliehen.

Er kam am 28.05.1938 in New York an. Er wuchs in Islip, New York auf und erhielt am 08.12.1944 die amerikanische Staatsbürgerschaft. Die deutsche Staatsbürgerschaft wurde ihm von den Konstanzer Behörden bereits zum 30.10.1940 aberkannt, mit 8 Jahren wurde er so zunächst „staatenlos".

Nach seinem Schulabschluss in den USA studierte er Medizin und arbeitete viele Jahre als Frauenarzt in Portland. Mit seiner Frau Janet Guggenheim hatte er zwei Kinder.

Am 09.08.2009 stirbt er im Alter von 77 Jahren in Portland.

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Richard GUGGENHEIM wurde am 10.10.1894 als Sohn des Arztes Dr. Daniel Guggenheim (*1861 in Gailingen, gest. 31.01.1915 in Konstanz) und Recha Guggenheim, geb. Reiss (*19.07.1865 in Mannheim und gest. am 11.07.1938 in Konstanz) in Konstanz geboren, er hatte eine Schwester Hedwig, die 1896 in Konstanz geboren wurde (und mit dem Architekten Josef Picard verheiratet war).

Sein Vater, der am Konstanzer Gymnasium Abitur gemacht hatte, ließ sich 1888 als praktischer Arzt in der Sigismundstraße 16 nieder.

Richard Guggenheim war Schüler des Konstanzer Gymnasiums, an dem er 1912 die Reifeprüfung ablegte. Als sein Vater 1915 starb, studierte er bereits Medizin in Freiburg, diente jedoch auch im ersten Weltkrieg.

Ab 1924 war er in der Sigismundstraße 16 als Kinder­arzt (Facharzt für Säuglings- und Kinderkrankheiten) tätig. Am 02.08.1926 heiratete er in Konstanz Lene Guggenheim, die beiden Söhne Peter und Rainer wurden 1927 und 1931 in Konstanz geboren.

Die Familie war in Konstanz sehr angesehen. In der Freizeit war die Familie häufig mit dem Segelboot auf dem See unterwegs.

Nach der Machtübernahme durch die Nazis kam es bereits im Frühjahr 1933 zu ersten Boykotten, Nazis hinderten Patienten am Besuch der Praxis, auch wurde ihm mit einem Schreiben vom Ärzteverband der Ausschluss aus Krankenkassen- und Fürsorge­verbänden angedroht. Da er im 1. Weltkrieg gedient hatte, konnte er die Kassenzulassung doch vorüber­gehend behalten.

Mitte der 30er Jahre beantragte er Visa für die Vereinigten Staaten von Amerika und erhielt sie im Frühjahr 1937. Die Ausreise gestaltete sich jedoch schwierig, da das Konstanzer Finanzamt der Familie eine sehr hohe "Reichsfluchtsteuer" auferlegte, die zu zahlen die Familie nicht in der Lage war. Nach vielem und langem Schriftwechsel kam es schließlich zu einer Verhandlung, als Ergebnis musste das Finanzamt die Reichsfluchtsteuer neu berechnen.

Da zwischenzeitlich die Visa jedoch zu verfallen drohten, beschloss Richard Guggenheim mit seiner Familie für kurze Zeit in die USA zu reisen, um dort das Visum zu verlängern und die Möglichkeiten einer neuen Existenzgründung zu prüfen.

Am 16.06.1937 verließ die vierköpfige Familie Konstanz und reiste mit der Holland-Amerika-Linie auf dem Schiff „Statendam" in die USA. In dieser Zeit ließ sich Dr. Guggenheim in seiner Praxis durch den Arzt Dr. Levin aus Gaienhofen vertreten. Nur 14 Tage währte der Aufenthalt dort, mit der „Veendam" kehrte die Familie noch einmal nach Deutschland zurück. Ende Juli ist die Familie bereits wieder in Konstanz.

Zum 01.10.1937 verlor Richard Guggenheim die Kassenzulassung, eine neue, erhöhte Reichsflucht­steuer wurde festgesetzt.

Im Januar 1938 entschloss er sich zunächst alleine zur Flucht aus Deutschland und erreichte mit der Cunard Line („Berengaria & Georgie") am 02.02.1938 New York.

Richard Guggenheim bemühte sich in den USA zu studieren, um dort eine Anerkennung seines Arztexamens zu erlangen, in den Jahren 1940 – 1942 konnte er sich langsam eine neue Existenz aufbauen, bis es ihm 1942 gelang in Islip/Long Island selber eine Praxis zu eröffnen.

Richard Guggenheim starb am 10.04.1976 in den USA.

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Quellen & Impressum

"Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz"

c/o Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten
Katrin Brüggemann, 78462 Konstanz, Hussenstraße 27