Zum Inhalt springen

Georg Bruns

Biografie von Georg Bruns

Ort: 27721 Ritterhude , Neustadtsweg 28
Ge­org Bruns wur­de am 19.3.1887 in Karls­hö­fer­moor ge­bo­ren. Er be­such­te die Volks­schu­le in Rit­ter­hu­de und war für 4 Jah­re als Lehr­ling bei ei­nem Tisch­ler an­ge­stellt. Bis zum 1.Welt­krieg ar­bei­te­te er bei ver­schie­de­nen Tisch­lern im Kreis Os­ter­holz und in Bre­men als Ge­sel­le. Von 1914-1918 war er Sol­dat. Nach Kriegs­en­de ar­bei­te­te er wie­der als Tisch­ler und war ab 1935 bis zum Zeit­punkt sei­ner Ver­haf­tung bei der Fir­ma De­schi­mag be­schäf­tigt. Zum Zeit­punkt der Ver­haf­tung war Bruns ver­hei­ra­tet und hat­te 5 Kin­der. In Rit­ter­hu­de leb­te er mit sei­ner Fa­mi­lie im Neu­stadt­s­weg 11. Von 1923 bis 1933 war Bruns SPD-Mit­glied und ge­hör­te zeit­wei­se dem Rit­ter­hu­der Ge­mein­de­rat an.

Am 16.9.1943 wur­de Ge­org Bruns an sei­nem Ar­beits­platz von der Werks­po­li­zei ver­haf­tet. Der Vor­wurf lau­te­te, dass er aus­län­di­sche Sen­der ge­hört und de­ren Nach­rich­ten wei­ter­ver­brei­tet hät­te. Mit der Be­schul­di­gung feind­li­che Nach­rich­ten ver­brei­tet zu ha­ben, droh­te Bruns auch eine Ver­ur­tei­lung we­gen Hoch­ver­rat. Bis zum Pro­zess vor dem Bre­mer Son­der­ge­richt im De­zem­ber 1943 war Bruns in Bre­men in­haf­tiert. Am 6.12.1943 er­hob Staats­an­walt Sei­del An­kla­ge ge­gen Bruns. Bruns wur­de vor­ge­wor­fen, ab Herbst 1942 „fort­ge­setzt han­deln ab­sicht­lich aus­län­di­sche Sen­der ab­ge­hört zu ha­ben.“

In der An­kla­ge­schrift heißt es, dass der Be­schul­dig­te mehr­fach Feind­sen­der ge­hört hät­te. Als Be­grün­dung gäbe er an, dass er sich er­hofft hät­te, so zu er­fah­ren, ob sein Sohn in Ge­fan­gen­schaft ge­ra­ten wäre, da er wo­chen­lang nichts von die­sem ge­hört hät­te. Die ab­ge­hör­ten Nach­rich­ten hät­te er nach ei­ge­ner Aus­sa­ge nicht wei­ter­ver­brei­tet. Bruns wur­de zu ei­nem Jahr Ge­fäng­nis ver­ur­teilt.

Die An­kla­ge er­folg­te auf Grund­la­ge der am 7.9.1939 in Kraft ge­tre­te­nen Ver­ord­nung über au­ßer­or­dent­li­che Rund­funk­maß­nah­men. Die­se Ver­ord­nung Ver­bot das Hö­ren aus­län­di­scher Sen­der. Zu­wi­der­hand­lun­gen wur­den mit Zucht­haus­tra­fen ge­ahn­det. Für die Wei­ter­ver­brei­tung von Nach­rich­ten konn­te die To­des­stra­fe ver­hängt wer­den.

Auf Grund die­ser Ver­ur­tei­lung be­an­trag­te Bruns 1945 als Ver­folg­ter des NS-Re­gimes an­er­kannt zu wer­den. Bis 1952 stell­ten die zu­stän­di­gen Be­hör­den die Ver­haf­tung von Bruns aus po­li­ti­schen Grün­den nicht in Fra­ge. 1945 er­hielt er ei­nen Aus­weis, der ihn als Op­fer des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus an­er­kann­te. Im Ja­nu­ar 1950 stell­te Bruns auf Grund­la­ge des Ge­set­zes über Ent­schä­di­gung für Frei­heits­ent­zie­hung durch Maß­nah­men der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ge­walt­herr­schaft ei­nen An­trag auf Ent­schä­di­gung. In ei­nem Be­scheid ge­steht ihm der Kreis­son­der­hilfs­aus­schuss des Land­krei­ses Os­ter­holz eine Haft­ent­schä­di­gung zu. In dem Ent­scheid hieß es, dass Bruns aus­schließ­lich aus po­li­ti­schen Grün­den in­haf­tiert wor­den wäre. Für 15 Mo­na­te Haft stün­den ihm eine Ent­schä­di­gung von 2250 DM zu.

Im Früh­som­mer 1952 tra­ten ver­schie­de­ne Ge­set­zes­än­de­run­gen in Nie­der­sach­sen in Kraft, die die Haft­ent­schä­di­gung für NS-Ver­folg­te neu re­gel­ten. Auf Grund­la­ge die­ses Ge­set­zes ficht der Re­gie­rungs­prä­si­dent in Sta­de den Ent­scheid aus dem Jahr 1950 an und führ­te aus, dass der An­trags­stel­ler ein rei­nes Rund­funk­ver­bre­chen in Kriegs­zei­ten be­gan­gen hät­te, so­mit wäre Bruns nicht als Geg­ner des NS-Re­gimes ver­folgt wor­den. Ein An­spruch auf Ent­schä­di­gung be­stün­de nicht. In sei­ner Ge­gen­dar­stel­lung führ­te Bruns aus, dass die Mit­glied­schaft in der SPD sei­ne ge­gen die NS-Dik­ta­tur ge­rich­te­te po­li­ti­sche Ein­stel­lung be­le­gen wür­de und dass er na­tür­lich die Nach­rich­ten wei­ter­ver­brei­tet hät­te. Dies hät­te er bei den Ver­neh­mun­gen be­wusst be­strit­ten, um ei­ner An­kla­ge we­gen Hoch­ver­rat zu ent­ge­hen. Über den Wi­der­spruch des Re­gie­rungs­prä­si­den­ten wur­de nicht ent­schie­den, da der Wi­der­spruch auf Grund des in Kraft tre­ten­den Bun­des­er­gän­zungs­ge­set­zes zur Ent­schä­di­gung für Op­fer der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­fol­gung vom 1.10.195 ge­gen­stands­los wur­de. (1)

(1)Anm.: Nie­der­säch­si­sches Lan­des­ar­chiv/​Sta­de: Rep.210, Nr.112

Au­tor: Man­fred Ban­now

Medien

Fotos

Kostenlos dank Ihrer Hilfe

Diese Biografie ist frei zugänglich. Wenn Ihnen der Stolpersteine Guide gefällt, freuen wir uns über einen kleinen Beitrag.

Unterstützen

Stolpersteine in der Nähe

Alle Stolpersteine in Osterholz-Scharmbeck

Quellen & Impressum

Stolperstein Initiative Landkreis Osterholz e.V.

c/o Hartmut Oberstech
Im Brook 11
27711 Osterholz-Scharmbeck
email: mail@stolpersteineohz.de

1. Vorsitzender Manfred Bannow / Tel: 0152-28940198 / email: m.bannow@t-online.de

www.stolpersteineohz.de